Stromvermarktung
13.12.2018

PPA statt EEG: Windbranche übt für Zeit nach der Förderung

Foto: VSB Gruppe
Premiere in Polen: Der Windpark Taczalin des Dresdner Projektentwicklers VSB wird ein neues Mercedes-Werk exklusiv mit Strom beliefern.

Anfang 2021 fallen die ersten alten Windkraftanlagen aus der EEG-Förderung. Projektentwickler wie VSB aus Dresden testen im Ausland bereits das Stromvertriebsmodell für die neue Ära.

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Doch der Einzug der PPAs  könnte Nebenwirkungen haben: „Wenn das ein Trend wird, bekommen Bürgerwindgesellschaften und kleinere Projektierer Schwierigkeiten, mitzuhalten“, sagt der Experte. „Das wäre eine Gefahr für die politisch gewünschte Akteursvielfalt.“ Der Gesetzgeber müsse Bedingungen schaffen, unter denen die Kleinen im Markt bleiben könnten.

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Einige große Projektgesellschaften bereiten sich im Ausland auf ein Überschwappen der PPA-Welle nach Deutschland vor und nutzen dort zugleich lokale Chancen – WPD aus Bremen etwa mit einem Windprojekt für Google in Finnland. Baywa r.e., die Grünstrom-Tochter der Agrargruppe Baywa, hat im April mit dem norwegischen Stromversorger Statkraft ein PPA für eine Solarfarm in Spanien unterzeichnet.

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Deutschland, ein PPA-Brachland? Nicht ganz: Erste Schritte in den neuen Markt werden  getan, allerdings in kleinen Dimensionen, und wirksam frühestens im Jahr 2021: Ende September schloss Statkraft ein PPA mit sechs Bürgerwindpark-Gesellschaften in Niedersachsen ab, deren Anlagen aus der EEG-Förderung fallen werden. Ein ähnliches Abkommen über fünf Jahre ging kurz zuvor der nordfriesische Bügerwindpark Ellhöft mit dem Stromvermarkter Greenpeace Energy ein. Der Windkraftanlagenhersteller Enercon wird mit eigenen Windparks den Strompool des VDKL beliefern, des Verbandes Deutscher Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen. Und Mercedes-Benz wurde im Dezember mit Statkraft handelseinig, die Produktion des neuen E-Modells EQC via PPA mit Energie aus Windparks in Bremen und Niedersachsen zu versorgen.

Grafik: bizz energy
Ein verwandtes Strombezugsmodell hat sich an der Leipziger Strombörse EEX etabliert: Über sogenannte Strom-Futures kaufen gewerbliche Verbraucher Energie zu einem Festpreis für einen Zeitraum von sechs Jahren. Seit Einführung im Mai hat die EEX solche Langzeit-Absicherungen („long-term hedges“) mit einem Gesamtvolumen von 12,2 Terawattstunden registriert. Im Unterschied zum PPA stammt der Strom dann allerdings nicht von einem einzelnen, identifizierbaren Anbieter. Die meisten Käufer sind auch keine deutschen, sondern spanische Unternehmen.

Unterdessen geben sich große Energieverbraucher in den USA schon nicht mehr mit bloßen Abnahmeverträgen zufrieden, sie bauen die Wind- und Solarparks gleich selbst oder steigen als Gesellschafter ein. Google etwa hat 168 Millionen Dollar in das 1.600 Hektar große Solarthermie-Kraftwerk Ivanpah in Kalifornien investiert. In Europa ist Kirkbi, die Muttergesellschaft des dänischen Spielzeugherstellers Lego, mit 32 Prozent am Nordsee-Windpark Borkum Riffgrund 1 beteiligt. Lego will seine bunten Kunststoffklötzchen im Jahr 2020 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien produzieren. Bei Vorreiter Google sind inzwischen mindestens zwei Milliarden US-Dollar in grüne Energieprojekte geflossen, einige davon – etwa der kenianische Windpark Lake Turkana – liegen fernab von Googles Datenzentren. Doch rechnerisch bezieht das Unternehmen die dort erzeugte Energie in seine Strombilanz ein: Im April verkündete der Internetgigant, er decke seinen Bedarf nun vollständig aus Erneuerbaren.

Direkte Stromleitung zum Werk

Das prominenteste und am weitesten fortgeschrittene deutsche PPA-Paar bleiben vorerst Mercedes-Benz und VSB. Der Windpark Taczalin soll während mehr als der Hälfte des  Jahres den tatsächlichen Bedarf des Motorenwerks decken. In Phasen, in denen die Anlagen nicht genug liefern können, füllt  VSB die Lücke mit zugekauftem Strom. Da Taczalin aber auch ins Netz einspeise, wenn die Fabrik in Jawor ruhe, werde diese bilanziell zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom laufen, sagt VSB-Manager Thomas Winkler.

VSB erwägt, später auch eine direkte Leitung zwischen Windpark und Werk zu verlegen. Das wäre genehmigungsrechtlich zwar kompliziert, würde aber Durchleitungsgebühren vermeiden. Und der Strom käme dann nicht mehr nur bilanziell, sondern tatsächlich physikalisch aus dem Windpark.

Die Dresdner Projektierer machen sich außerdem für die nächsten Kunden in Polen bereit. Da sich um neue Autowerke meist rasch Zulieferbetriebe gruppieren, hat VSB sich schon mal Flächen gesichert, um Photovoltaikanlagen errichten und den Neuzugängen ebenfalls grünen Strom anbieten zu können.

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Christian Schaudwet
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Keywords:
Power Purchase Agreement | EEG | Windenergie
Ressorts:
Markets

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