Russland
27.07.2016

Privatisierung wird zur Farce

Foto: Wkipedia/Acodered
Eine Ölpumpe des russischen Ölkonzerns Bashneft.

Mit einer Teilprivatisierung wichtiger Ölkonzerne wollte der Kreml seinen Haushalt stopfen. Doch noch mehr als die Geldknappheit fürchtet Wladimir Putin wohl einen möglichen Kontrollverlust über die Branche.

 

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Russlands Regierung enttäuscht Hoffnungen auf eine stärkere Privatisierung im Ölbereich. Vor allem Russlands größter Ölförderer Rosneft, der zu 70 Prozent dem Staat und zu 19,5 Prozent dem internationalen Energiekonzern Konzern BP gehört, galt als heißer Favorit für einen Verkauft von mindestens 19,5 Prozent der Staatsanteile. Zweiter wichtiger Kandidat war die kleinere Ölgesellschaft Bashneft, an der der Staat 50 Prozent plus eine Aktie hält. Präsident Wladimir Putin hat das Unternehmen extra von der Liste strategischer Aktiva nehmen lassen, um eine Privatisierung zu ermöglichen.

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Wie nun kürzlich bekannt wurde, will Russland sein Tafelsilber in Gestalt der Rosneft-Anteile nicht an die Börse bringen, sondern stattdessen an handverlesene strategische Investoren verkaufen. Das bestätigte auch Russlands Vize-Premier Igor Schuwalow. Gleichzeitig sollen potenzielle Investoren im Falle eines Einstiegs bei Rosneft strenge Auflagen erfüllen. So gilt nicht nur ein dreijähriges Verkaufsverbot. Auch sollen Investoren dazu verpflichtet werden, staatliche Kandidaten bei Wahlen in den Verwaltungsrat der Ölgesellschaft zu unterstützen. Der Rat besteht derzeit aus neun Personen, von denen der Staat fünf und BP zwei stellt. Zwei weitere Mitglieder sind unabhängige Manager. Bei einem Verkauf müsste der Staat entweder seine Mehrheit opfern, die Zahl der unabhängigen Manager kürzen oder eben den neuen Investoren die Einflussmöglichkeiten auf die Zusammensetzung des Boards nehmen, um die Zügel in der Hand zu behalten.

Damit könnte der Kreml wichtige Einstiegs-Kandidaten wie die chinesische Energiegesellschaft CNPC verschrecken. Noch im Mai galt das Unternehmen als aussichtsreicher Kandidat für einen Einstieg. Allerdings hatte CNPC-Chef Wang Yilin damals klar gemacht, dass ein Investment nur interessant sei, wenn er auch ein entsprechend großes Mitspracherecht bei Rosneft bekäme.

 

Bashneft könnte staatlich bleiben

Noch düsterer dürften die Aussichten für Bashneft sein. Zwar wurde der private Ölkonzern Lukoil von Experten und der Wirtschaftspresse als wahrscheinlichster Übernahmepartner für die Fördergesellschaft gehandelt. Auch Bashneft-Chef Alexander Korsik plädierte angesichts der strategischen Nähe beider Unternehmen für einen Verkauf an Lukoil. Tatsächlich aber könnte der Konzern nun zu einer Rosneft-Tochter umgemünzt werden –und so weiter in Kremlhänden verbleiben. So teilte der Rosneft-Sprecher unlängst mit: Nachdem ein Verkaufsangebot der Bank VTB, die mit der Abwicklung des Geschäfts beauftragt ist, eingegangen sei, prüfe man nun den Kauf von Bashneftanteilen. Noch vor wenigen Wochen hatte Rosneft jegliches Interesse an Bashneft abgestritten.

Noch vor zwei Jahren bezeichnete Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew den Kauf eines Staatskonzerns durch einen anderen Staatskonzern als Unsinn. Heute scheint sich die Sichtweise der Regierung auf diese Art von Wirtschaftskannibalismus geändert zu haben. „Ich möchte nicht, dass wir so primitiv auf die Dinge schauen, und sagen der Deal wäre schlecht, nur weil es Rosneft sein könnte“, erklärt auch Vize-Premier Schuwalow.

Experten halten einen möglichen Kauf durch Rosneft indes für wirtschaftlich wenig sinnvoll. Rosneft sei bestrebt, die Fördermenge zu erhöhen, um den Export nach China hochschrauben zu können, während Bashneft viel stärker in der Ölverarbeitung tätig ist, kommentiert die angesehene Wirtschaftszeitung Vedomosti. Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen. Bis zum 25. Juli müssten mögliche Käufer nun entscheiden, ob sie sich an einem Bashneft-Verkauf beteiligen wollen. Der Deal selbst soll bis Ende des Jahres abgewickelt werden. 

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Rosneft | Privatisierung | Ölbranche | Bashneft | Lukoil
Ressorts:
Governance

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