Klimaschutz
04.02.2019

Projektpartner sehen Norddeutsche Energiewende auf Kurs

Foto: iStock
Hamburg benötigt mit seiner Hafenwirtschaft viel Energie, möglichst aus erneuerbaren Quellen.

Blaupause für den Kohleausstieg? Das Verbundprojekt NEW 4.0 will den Norden Deutschlands zur Leitregion für den Klimaschutz machen. Zur Halbzeit zeigen sich die Teilnehmer zufrieden.

Zwei Jahre nach dem Start des Projektes NEW 4.0 - Norddeutsche Energiewende ziehen Forscher, Industrievertreter und Landesminister eine positive Halbzeitbilanz: „Alle 100 Teilprojekte laufen erfolgreich und liefern bereits Zwischenergebnisse“, sagt Projektkoordinator Werner Beba bei der Vorstellung der Ergebnisse in Kiel. „Wir erproben die Machbarkeit des nun absehbaren Kohleausstiegs.“ Das bedeutet, dass die Leistungen konventioneller Kraftwerke zur Netzstabilisierung durch ein CO2-freies System zur Erzeugung und Speicherung von Energie übernommen werden müssen.

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Der Verbund mit über 60 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Hamburg und Schleswig-Holstein erprobt dieses neue Systems anhand von Demonstratoren. In den vergangenen Monaten wurden in Jardel, Brunsbüttel und in Hamburg Batteriespeicher mit zusammen 51 Megawatt Leistung in Betrieb genommen. Sie sollen dabei helfen, das Netz zu entlasten und kurzfristige Schwankungen auszugleichen. Das reduziert den Einsatz von Kraftwerken, die Regelenergie auf der Basis fossiler Brennstoffe bereitstellen.

Digitale Plattform als Grundlage

Zudem wurde eine digitale Plattform geschaffen, die verschiedene Verbraucher zusammenführt, um mehr Strom aus Wind, Sonne oder Biomasse dort nutzbar zu machen, wo er erzeugt wird. Das soll die immer wieder auftretenden Netzengpässe und teure Abregelungen mindern. Nach rund sechs Monaten Testphase und Live-Simulation ist die Enko genannte Plattform von der Unternehmensgruppe Arge Netz und dem Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz Ende Januar in den Regelbetrieb gegangen.

„Während der Live-Simulation haben die Teilnehmer theoretisch zwei Gigawattstunden (GWh) flexiblen Verbrauch bereitgestellt“, sagt Daniela Kröplin, Enko-Projektleiterin bei Schleswig-Holstein Netz. „Folglich hätten auch rund zwei GWh mehr Windstrom in die Netze eingespeist werden können.“ Das entspreche einer Windkraftanlage mit drei Megawatt Leistung, die bei theoretischer Volllast 28 Tage lang rund um die Uhr Strom ins Netz speist.

Brücke in den Wärme- und Verkehrssektor

Auch die Stadtwerke Flensburg nehmen mit ihrer Power-to-Heat-Anlage im Heizkraftwerk Tarp an der Plattform teil: „An über 800 Stunden hätte diese Anlage während der Live-Simulation die Kunden mit Wärme aus Windstrom versorgen können”, sagt Claus Hartmann, Abteilungsleiter Netznutzungsmanagement. Das hätte rund 30.000 Liter Heizöl eingespart. „Daher sehen wir dem Regelbetrieb positiv entgegen.“

Zur Sektorenkopplung sollen auch die acht Power-to-Heat-Anlagen beitragen, die im Rahmen von NEW 4.0 in der Erprobung sind, sowie Wind-to-Gas-Anlagen. Beide Technologien sollen eine Brücke in den Wärme- und Verkehrssektor bilden. In Brunsbüttel wurde darum 2018 ein Wasserstoff-Elektrolyseur mit 2,4 Megawatt in Betrieb genommen; ein weiterer wird derzeit bei Haurup realisiert.

Mit Schleswig-Holstein und Hamburg haben sich zwei Antipoden zusammengeschlossen: Das nördlichste Bundesland erzeugt mehr Windstrom als es verbrauchen kann, während der Stadtstaat mit seiner Hafenwirtschaft, Metall-Industrie und nicht zuletzt den gut 1,8 Millionen Einwohnern viel Energie benötigt. In länderübergreifenden Großprojekten soll die Kooperation zwischen Erzeuger- und Verbraucherregion zeigen, wie das gesamte Gebiet mit 4,5 Millionen Menschen bis 2035 zu 100 Prozent mit regenerativen Strom versorgt werden kann. Die Norddeutsche Energiewende ist eines von fünf Projekten, die im Rahmen des Sinteg-Programms („Schaufenster Intelligente Energie“) vom Bundeswirtschaftsministerium für Wirtschaft und Energie gefördert werden.

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Monika Rößiger
Keywords:
Klimaschutz | Energiewende
Ressorts:
Governance

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