Russland
07.10.2016

Putin-Freund übertrumpft Moskauer Minister

Foto: Rosneft
Rosneft will der größte Ölkonzern der Welt werden.

Der Kampf des Jahres in der russischen Energiebranche ist entschieden. Mit Rosneft übernimmt ein staatlicher Ölkonzern seinen Konkurrenten Bashneft.

 

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Putins langjähriger Freund und Chef der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft hat sich in Sachen Privatisierung des kleineren, staatlichen Wettbewerbers Bashneft gegen die Regierung um Premier Dmitrij Medwedjew und lautstarke Kritik aus dem wirtschaftsliberalen Flügel durchgesetzt. Am Donnerstag hat Medwedjew nun eine Direktive aufgesetzt, nach der Rosneft 50,1 Prozent der Bashneft-Anteile erwerben soll, die bisher in staatlicher Hand waren. Der Kaufpreis liegt bei 330 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro. Damit verzichtet die Regierung auf eine ursprünglich geplante Versteigerung der Anteile unter mehreren Bietern.

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Dieser Entscheidung ist ein monatelanges Tauziehen zwischen Rosnefts Konzernchef Igor Setschin und dem für Energiefragen zuständigen Vizepremier Arkadi Dworkowitsch, unterstützt durch den Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew vorangegangen. Zunächst hatten mehrere russische Unternehmen ihr Interesse an Bashneft bekundet, deren Privatisierung zusammen mit anderen Staatskonzernen den löcherigen Haushalt Russlands stopfen sollte. Zu den Hauptanwärtern auf das Unternehmen gehörte Lukoil, Russlands größter privater Ölkonzern. Doch plötzlich schaltete sich Rosneft-Chef Setschin in den Bieterkampf ein.

 

Putins Berater nennt Deal eine Dummheit

Dabei sollte Rosneft, so die anfängliche Position der Machthaber, als Käufer ausgeschlossen sein, weil der Konzern selber mehrheitlich dem Staat gehört. „Rosnefts Teilnahme an der Versteigerung halte ich für nicht zielführend“, sagte Wirtschaftsminister Uljukajew noch im August. Putins Wirtschaftsberater Andrej Belousow bezeichnete den möglichen Kauf eines Staatskonzerns durch einen anderen gar als Dummheit. Zumal auch Rosneft auf dem Privatisierungsplan der Regierung stand. Rund 19,5 Prozent der Anteile sollten noch in diesem Jahr an Investoren verkauft werden.

Doch Setschin ließ sich von diesem Widerstand nicht beeindrucken. Der Manager und langjähriger Weggefährte Putins arbeitet seit Jahren daran, Rosneft zum einflussreichsten Ölkonzern der Welt aufzubauen. Den ersten Baustein lieferte der verstaatlichte Ölkonzern Jukos, der einst dem Oligarchen und Putin-Gegner Michail Chodorkowski gehört hatte. Es folgte die Mammut-Übernahme des britisch-russischen Konzerns TNK-BP für knapp 55 Milliarden Euro. BP erhielt damals knapp 20 Prozent am staatlichen Ölförderer im Tausch für seine TNK-Anteile.

 

Staatseinnahmen auf Umwegen

Auch Bashneft geriet nun offenbar ins Visier des Managers. Einerseits wäre Anwärter Lukoil durch den Kauf von Bashneft einflussreicher geworden. Andererseits ist Bashneft auch der letzte nennenswerte Leckerbissen, den es für Rosneft auf dem russischen Markt noch zu holen gibt.

Eines der Hauptargumente von Rosneft, von denen sich Präsident Wladimir Putin wohl hat überzeugen lassen, war der mögliche Synergieeffekt durch die Übernahme Bashnefts, wodurch am Ende des Marktwert von Rosneft steigen soll, und mit ihm auch die mögliche Summe, die durch ihre Teilprivatisierung in die Staatskasse fließen wird.  

 

Deal mit Indien

Bei Experten sorgt der Deal dennoch für Stirnrunzeln. So sagte Alexej Kudrin, ein enger Vertrauter Putins und ehemaliger Finanzminister der Landes, es handele sich nur um eine Quasiprivatisierung. „Sie generiert im Prinzip keine zusätzlichen Einnahmen für den Staatshaushalt“, erklärte Kudrin. Tatsächlich könnte sich der Staat Rosnefts Gewinne auch als Dividende ausschütten lassen, allerdings bekäme in diesem Fall auch BP ihren Anteil, entgegnen Branchenkenner.

In der Zwischenzeit scheint sich Igor Setschin bereits finanziell für die anstehende Rosneft-Übernahme zu rüsten. In den vergangenen Tagen wurde er mit indischen Investoren handelseinig. So hat ein Konsortium aus Indien 23,9 Prozent am Vankor-Vorkommen und 29,9 Prozent an der Lagerstätte Tajas Jurjakh erworben. Insgesamt konnte Setschin für seinen Staatskonzern Rosneft knapp drei Milliarden US-Dollar erlösen. Die sind für die Übernahme des kleineren Staatskonzerns Bashneft mehr als willkommen.

Maxim Kireev
Keywords:
Bashneft | Rosneft | Wladimir Putin | Alexej Uljukaew | Dimitrij Medwedjew | BP
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