Russland
30.06.2016

Putin in Peking: Kalinka statt Kapital

Foto: Wikipedia
Bei seinem Besuch in Peking konnte Russlands Präsident Wladimir Putin den chinesischen Staatschef Xi Jinping nicht von einer engeren Zusammenarbeit im Energiesektor überzeugen.

Der russische Präsident wollte beim Staatsbesuch in China wirtschaftliche Kooperationen voranbringen. Doch bei den wichtigsten Deals ließ Peking ihn vorerst abblitzen.

 

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Als der chinesische Chor das russische Volkslied Kalinka zu Ende gesungen hatte, war Russlands Präsident Wladimir Putin sichtlich gerührt – und umarmte spontan den Leiter des Ensembles. Russische Kulturgüter in fernöstlicher Interpretation, was könnte besser die neue Partnerschaft beider Länder symbolisieren. Später sprach Putin auf einer Pressekonferenz zudem von einem „soliden Paket“ an Verträgen, die man während seines Staatsbesuchs in China unterschrieben habe. Zum Beispiel über den Bau einer Schnellzug-Linie oder die gemeinsame Entwicklung eines neuen Helikopters. Solche Projekte will der starke Mann im Kreml seinen Landsleuten daheim präsentieren. Russland und China sollen nicht nur politische Verbündete, sondern auch wirtschaftliche Partner sein.

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Tatsächlich gab es in den letzten Wochen gute Nachrichten für das russisch-chinesische Verhältnis. So ist Russland seit Kurzem größter Öllieferant Chinas und hat dabei Saudi-Arabien überholt. In Dollar gerechnet ist das Handelsvolumen dennoch rückläufig. Gleichzeitig engagiert sich China bei Russlands größtem Flüssiggas-Projekt Jamal LNG, nicht nur als Aktionär, sondern auch als willkommener Kreditgeber. Doch es läuft bei Weitem nicht alles rund im Energiesektor, den Putin in Peking als „die Lokomotive unserer Wirtschaftsbeziehungen“ bezeichnete.

 

Neue Pipeline nach China soll Europa Grenzen aufzeigen

Die Partnerschaft mit China soll insbesondere Europa demonstrieren, dass kein Partner unersetzlich ist. Der Gasmonopolist Gazprom konnte vor zwei Jahren das 400 Milliarden Dollar schwere Projekt Power of Siberia mit den Chinesen abschließen: Eine Pipeline, die den Gasexport von neuen Vorkommen in Ostsibirien ermöglichen soll. Besonders am Herzen liegt Putin jedoch Power of Siberia 2. Diese Leitung würde Russlands traditionelle Gasregion in Westsibirien, die auch Europa versorgt, mit Kunden in China verbinden – und so eine Diversifizierung russischer Gasexporte ermöglichen.

Doch ausgerechnet dieses Vorhaben stockt, weil sich beide Seiten nicht über Preise einigen können. Beobachter hatten erwartet, dass Putins großer Staatsbesuch den Durchbruch bringen könnte. Zudem sollte sich Peking an der Teilprivatisierung des russischen Ölförderers Rosneft beteiligen. Rosneft-Konzernchef Igor Setschin begleitete Putin in Peking.

 

Chinas Bedarf ist geringer als erhofft

Doch für beide Projekte brachte Putin nichts Konkretes zurück nach Moskau. Am Dienstag erklärte Energieminister Alexander Nowak kleinlaut, dass „Russland keine aktiven Gespräche mit chinesischen Konzernen über eine Privatisierung von Rosneft führt.“ Während sich dies jedoch bald wieder ändern könnte, wie Nowak durchblicken ließ, weisen Experten beim Pipelinebau aus Westsibirien auf grundlegende Probeme hin. „China braucht gar nicht so viel russisches Gas, zumal sie als Großkunde die Preise diktieren können“, erklärt Mikhail Krutikhin von der Moskauer Beratungsgesellschaft Rusenergy. China wiederum habe bereits eine funktionierende Pipeline über Kasachstan und Turkmenistan, ehemalige Sowjetrepubliken, die seine westlichen Regionen mit Gas versorgt.

 

Kleine Erfolge auf den Kapital- und Gütermärkten

Chinaexperte Alexander Gabuew vom Carnegie-Center in Moskau, einem unabhängigen Think Tank, bringt die Lage auf den Punkt: „Das Problem der russischen Seite sind die hohen Erwartungen an die Partnerschaft mit China.“ Die wenigen großen Abkommen bisher seien eher auf ein gutes Verhältnis der Führer beider Staaten zurückzuführen. Daher mache sich erste Enttäuschung breit. „Wenn man die Erwartungen etwas herunterschraubt, dann werden durchaus Erfolge sichtbar“, so Gabuew. Zum Beispiel sind chinesische Banken mit 18 Milliarden US-Dollar zum zweitgrößten Kreditgeber russischer Unternehmen aufgestiegen und auch der Anteil Chinas am Außenhandel nimmt zu. Ein Ersatz für den Westen als Partner ist das allerdings noch lange nicht. 

Maxim Kireev
Keywords:
Putin | Peking | Rosneft | Kapitalmarkt | Gütermarkt | Energiemarkt | Gas | Pipeline | Gazprom
Ressorts:
Markets

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