Russland
13.10.2016

Putin lässt Petroleum pumpen – und spielt auf Zeit

Foto: Kreml
Wladimir Putin (links) und Recep Erdogan beim Kongress des Weltenergierats in Istanbul.

Russlands Präsident verspricht offiziell zwar eine Drosselung der Förderung. Gleichzeitig pumpen russische Konzerne so viel Öl wie lange nicht – und sichern sich eine Pole-Position bei der möglichen Deckelung im November.

 

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Russlands Präsident Wladimir Putin reiste zu Wochenanfang gleich in dreifacher Mission nach Istanbul. Bei seiner Rede vor dem Weltenergierat gerierte er sich als Friedensbotschafter. Mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan unterzeichnete er ein Abkommen zum Bau der Pipeline Turkish Stream, über die künftig russisches Gas nach Europa fließen soll. Zudem verkündete Putin gleich zum Auftakt der Konferenz, dass er die weltweite Ölproduktion drosseln wolle: „Wir sind bereit, uns gemeinsamen Maßnahmen zur Begrenzung der Förderung anzuschließen und begrüßen die Initiative der OPEC, Förderlimits zu bestimmen“, erklärte der Kreml-Chef.

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Die vorläufige Einigung der OPEC Ende September bei einem Treffen in Algerien hatte den Preis der Sorte Brent wieder über 50 US-Dollar pro Barrel gehievt. Der Rubel erklomm gleichzeitig ein neues Jahreshoch zum Dollar.

 

Ölproduktion höher als in Saudi-Arabien

Zwar hatte Russland bereits im Frühjahr eine solche Förderbegrenzung angestrebt. Doch weder Iran noch Saudi-Arabien ließen sich für dieses Vorhaben gewinnen. Nun sollen die Chancen deutlich besser stehen. „Wir sind zuversichtlich im Hinblick auf Russlands Zusagen“, sagte am Mittwoch OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo. Russlands Energieminister Alexander Nowak präzisierte im Vorfeld eines informellen Treffens von Ministern und Unterhändlern der wichtigsten OPEC-Mitglieder und Russlands, es gehe um eine mindestens sechs Monate lange Förderbegrenzung.

Gleichzeitig taktiert Russland und will die Zeit bis zu einem möglichen Deal Ende November nutzen. Russische Ölkonzerne förderten im September so viel Öl wie noch nie: 11 Millionen Barrel pro Tag. Der größte Konkurrent Saudi Arabien förderte im August im Tagesdurchschnitt 10,6 Millionen Barrel Erdöl. Beide Länder wollen im Oktober bilaterale Gespräche führen.

 

Förderer leiden kaum

Im Vorfeld einer möglichen koordinierten Förderbegrenzung will natürlich kein Land Marktanteile verlieren. Russische Ölförderer hatten übrigens unter dem Preissturz gar nicht so stark gelitten. Bei einem Preis von 100 US-Dollar in den fetten Jahren lag die steuerliche Belastung bei 75 Prozent, während sie derzeit auf etwa 50 Prozent gesunken sei. „Die Branche lebt faktisch in einer 25-Dollar-Welt weiter wie bisher“, erklärt Daria Kozlova, Expertin des Moskauer Beratungsunternehmens Vygon Consulting. Darüber hinaus erreichten viele neue Vorkommen, die in den vergangenen Jahren an den Start gegangen sind, ihre volle Produktionsstärke.

Offiziell wird Putin eine Kürzung der Produktion kaum ablehnen. Denn allein durch die Aussicht auf Förderlimits stieg der Ölpreis seit Ende September um über zehn Prozent. Putin ist im Übrigen überzeugt, dass die für Russland segensreichen Zeiten des teuren Öls zurückkehren. „Als sich die Energiepreise halbiert hatten, haben viele davon gesprochen, dass die Ära der Kohlenwasserstoffe zu Ende gegangen sei. Noch gibt es aber keine realen Gründe für solche weitreichende Schlussfolgerungen“, frohlockte Putin in Istanbul.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Russland | Erdöl | OPEC | Wladimir Putin | Recep Erdogan | Weltenergierat | World Energy Council
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