Russland
01.12.2016

Putin will eigene Öl-Marke

Foto Krichevsky / Wikimedia / CC BY-SA 4.0
Das russische Öl enthält mehr Schwefel als andere Sorten.

Russland startet den Börsenhandel seiner Ölsorte Urals und will diese als neue Richtmarke etablieren. Doch der Weg dahin dürfte lang und steinig werden.

Russisches Öl, gehandelt an russischen Börsen. Davon träumt Staatspräsident Wladimir Putin schon seit langem. Am Dienstag dieser Woche hat die Sankt-Petersburger Rohstoffbörse Spimex den Handel mit Terminkontrakten auf die russische Ölsorte Urals aufgenommen und bringt Putin seinem Traum einen Schritt näher. Der Kreml-Chef will Urals als eigene Ölmarke etablieren. Bisher hingen die Preise für russisches Öl vom Kurs der Nordsee-Sorte Brent ab. Weil das russische Öl jedoch mehr Schwefel enthält, wurde Urals stets mit einem Abschlag – aktuell etwa 2,50 Dollar pro Barrel – und zudem nur außerbörslich gehandelt. Putin ist das ein Dorn im Auge, spätestens seit 2006, als er erstmals öffentlich den Umstand bemängelte, dass russische Rohstoffe nicht an russischen Börsen gehandelt werden.

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Den ersten Versuch, Urals-Öl direkt an der Börse zu verkaufen, unternahmen russische Ölhändler an der New Yorker Warenbörse NYMEX; doch es fanden sich zu wenige Käufer, sodass der Handel 2012 wieder eingestellt wurde. Seit dem kam es lediglich zu vereinzelten Ölverkäufen über die Petersburger Börse. Mit den neuen Futures soll sich die Sache ändern. Das Ziel ist klar: Der Ölhandel soll Russland mehr Geld bringen, wenn die eigene Sorte nicht wie an der Leine geführt stets hinter dem Brent-Preis hinterherdümpelt, sondern einen eigenen Börsenpreis bekommt.

 

Zögerliches Engagement an Petersburger Börse

„Die Aufgabe besteht darin, ein System zu schaffen, in dessen Rahmen das russische Öl auf transparente und faire Weise bewertet und gehandelt wird“, erklärt Alexej Rybnikow, Chef der Petersburger Spimex-Börse.  Zumal russische Ölgesellschaften auch selber mitverdienen wollen am Handel, der zunächst in Dollar und später wohl auch zusätzlich in der Landeswährung Rubel abgewickelt werden soll. Damit, hofft Putin, könnte der Rubel weltweit an Bedeutung gewinnen. Doch bis dahin dürfte noch ein langer Weg liegen, bisher zögern insbesondere ausländische Händler, Banken und Ölkonzerne, sich an der Petersburger Börse zu engagieren. Sieben internationale Ölkonzerne liegen laut dem Finanzdienstleister Bloomberg in Lauerstellung und beobachteten den Handel zunächst. Kritisiert wird die mangelnde Liquidität der neuen Terminkontrakte, die eine Öl-Lieferung in drei Monaten ab dem Hafen in Primorsk vorsehen.

Moskauer Analysten sehen den neuen Handel daher bestenfalls als ersten Schritt auf dem Weg zu einer neuen Richtsorte. Für die neue Plattform spreche jedoch die mögliche Unterstützung seitens staatlicher Ölgesellschaften und Konzerne. So ist der Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft gleichzeitig im Vorstand der Petersburger Rohstoffbörse, hat also ein direktes Interesse am Erfolg des Vorhabens. Medien berichteten zudem, dass zumindest eine staatliche Bank ihre Händler bereits angewiesen hat, die neue Plattform zu nutzen.

Maxim Kireev
Keywords:
Rußland | Russland | Putin | Öl | Börse | Urals | Brent | NYMEX | Kreml | Spimex | Rosneft
Ressorts:
Governance

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