Auslaufende EEG-Förderung
02.11.2018

Photovoltaik: Zahl von Strom-Selbstversorgern dürfte steigen

Foto: istock/underworld222
Besonders in Bayern und Baden-Württemberg fallen 2021 viele PV-Anlagen aus der Förderung.

Wenn ab 2021 immer mehr Solaranlagen aus der Förderung fallen, wird es für die Betreiber lukrativer, den Strom selbst zu verbrauchen, prognostiziert eine Studie. Voraussetzung: Sie setzen Speicher ein.

Pro Jahr Jahr können die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen (PV) im Schnitt 543 Euro sparen, wenn sie ihre Energie selbst verbrauchen – und sich außerdem einen Stromspeicher zulegen. Das prognostiziert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) in der Analyse „#energyfacts: Alte Photovoltaik-Anlagen – Ende der Förderung in Sicht“.

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Ab 2021 fallen immer mehr Solaranlagen aus der EEG-Förderung heraus, die ihnen bisher hohe garantierte Einspeisungsvergütungen garantierte. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trat im Jahr 2000 in Kraft und die Subventionen sind auf 20 Jahre angelegt.

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Verkauf an der Börse wenig attraktiv

„Betroffene sollten deshalb beginnen, über neue Betriebskonzepte nachzudenken“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC. Es sei finanziell deutlich lohnender, den Strom im eigenen Haushalt zu verbrauchen, als ihn an der Börse zu verkaufen.

So könnten die typischen Anlagen auf Einfamilienhäusern, bei denen die Förderung 2021 ausläuft, an der Börse im Durchschnitt nur 163 Euro jährlich verdienen. Dagegen sparten sie unterm Strich 533 Euro pro Jahr, wenn sie den Strom selbst nutzen. Setzen die Betreiber dann noch einen Stromspeicher ein, steigt der Vorteil der Analyse zufolge auf 543 Euro. Schließlich helfen Batterien dabei, noch mehr selbsterzeugte Energie im Haushalt zu verwenden.

Speicherpreise könnten sich halbieren

„Dank sinkender Speicherpreise ist der Eigenverbrauch mithilfe eines Speichers nach unseren Berechnungen ab 2021 die lukrativste Option für Betreiber typischer privat genutzter Anlagen“, sagt Schwieters. Er erwartet, dass sich der Vorteil in den nächsten Jahren noch steigern wird: Bis 2025 rechnet PwC damit, dass sich die Speicherpreise im Vergleich zu heute halbieren.  

Die wenigsten Betreiber dürften sich nach 2021 noch dafür entscheiden, den Strom an der Börse zu verkaufen, schlussfolgert PwC. Dies stelle die Energieversorger jedoch vor große Herausforderungen, weil sie im nächsten Jahrzehnt sukzessive Strommengen von Kunden verlieren. „Entscheidungsträger sollten schon jetzt prüfen, wie sie darauf reagieren – zum Beispiel, indem sie als Plattformanbieter die zukünftigen dezentralen Technologien vernetzen und Produkte dazu anbieten“, sagt Schwieters.  

Netzentgelte steigen voraussichtlich

Gleichzeitig ist aus Sicht von PwC die Politik gefragt. Denn wer sich selbst versorgt, zahlt momentan keine Netzentgelte mehr. Wahrscheinlich sei, dass die Entgelte für die verbleibenden Stromverbraucher steigen, um dies auszugleichen. Netzbetreiber und Politiker sollten sich deshalb frühzeitig mit dem Trend zum Eigenverbrauch beschäftigen, rät Schwieters. „Zudem sollte die Stabilität der Netze aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen von Erzeugern und Verbrauchern sowie ihres Verhaltens überprüft werden.“ 

Zwei Bundesländer sind der Analyse zufolge von dem Trend besonders betroffen: Bayern und Baden-Württemberg. Denn dort befinden sich besonders viele Solaranlagen, deren Förderung zwischen 2021 und 2020 endet. Eine überdurchschnittlich große Zahl stehe auch im nördlichen Nordrhein-Westfalen und südlichen Niedersachsen. In den neuen Bundesländern hingegen seien in vielen Regionen nicht mal 200 Anlagen betroffen.

Lesen Sie auch: Solaranlage erstmals ohne Förderung

Jutta Maier
Keywords:
Photovoltaik | Solaranlagen | Speicher | Solarenergie
Ressorts:
Finance | Governance | Markets

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