Großbritanniens Solarfirmen haben im vergangenen Jahr bis zu 12.500 Jobs gestrichen. Das geht aus einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft PwC im Auftrag des britischen Industrieverbandes Solar Trade Association (STA) hervor. 

Die Zahlen basieren auf Hochrechnungen von einer Umfrage unter 238 Solarfirmen. Das entspricht allerdings nur zehn Prozent der gesamten Branche. Waren dort im vergangenen Jahr noch 5.362 Mitarbeiter beschäftigt, sind es derzeit noch 3.665.
Im kommenden Jahr könnte sich dieser Trend laut Studie fortsetzen: Jedes dritte befragte Unternehmen will innerhalb der nächsten 12 Monate weitere Stellen streichen. Vier von zehn Firmen haben angekündigt, sich ganz aus dem Solarmarkt zurückziehen zu wollen. Die Hälfte der Befragten gab allerdings an, keine Mitarbeiter entlassen zu wollen, ein Fünftel will sogar neues Personal einstellen. 

 

Kürzungen bei der Förderung

Der Lobbyverband STA macht für die Entwicklungen den Umbruch bei der staatlichen Solar-Förderung verantwortlich. Die konservative Regierung hatte unter anderem die Förderung von Solardachanlagen um mehr als die Hälfte gekürzt. Im Februar und März waren die Installationen deshalb drastisch gesunken. Jonathan Selwyn, Chef der Beratungsgesellschaft Solar Consulting, kommentierte: “Großbritannien ist derzeit ein herausfordernder Markt für Solarfirmen.“ 

Die damlige Energieministerin Amber Rudd hatte die zum 1. Januar 2016 eingeführten Kürzungen mit den explodierenden Kosten für die Stromkunden gerechtfertigt. Zwar hätte die Branche größere Fortschritte beim Ausbau der Erneuerbaren gemacht als vorgesehen, schrieb Rudd damals in einem Blogeintrag. „Aber wir müssen diesen Erfolg ausgleichen, um die Auswirkungen auf die Stromrechnungen der Menschen zu begrenzen“. 

Unsicherheit herrscht in der Branche laut PwC auch nach dem Brexit und dessen möglichen Folgen. „Die Unsicherheit bezüglich Solarinvestments wird durch die Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen und in Erwartung turbulenter wirtschaftlicher Entwicklungen noch steigen“, warnen die Autoren. Bislang ist noch unklar, ob Großbritannien nach einem EU-Austritt weiterhin Teil der Europäischen Energieunion und des Emissionshandels bleibt.   

 

Zubau-Boom stark ausgebremst

Derzeit sind auf der Insel laut Industrieverband STA insgesamt knapp 12 Gigawatt (GW) Solarleistung auf Hausdächern, Bürodächern und Freiflächen installiert, die umgerechnet 3,8 Millionen Haushalte mit Strom versorgen können. In diesem Jahr werden voraussichtlich nur 0,3 GW Photovoltaik-Leistung neu installiert. Zum Vergleich: Seit 2010 lagen die durchschnittlichen Neuinstallationen pro Jahr bei rund 1 GW. 2014 hatte das Königreich mit knapp 2,9 GW Zubau einen Rekord verzeichnet und damit sogar mehr Solarstromkapazitäten aufgestellt als Deutschland im gleichen Zeitraum.  Allerdings wohl in Erwartung der bald darauf in Kraft tretenden Subventionskürzungen

 

(Foto: Geograph.org)