Studie
28.03.2018

Rückfall: Privatbanken investieren wieder mehr in fossile Energien

Foto: iStock
Bedeutende Ölsand-Vorkommen befindet sich in Alberta, Kanada.

Die weltweit größten Banken haben die Finanzierung fossiler Brennstoffe im Jahr 2017 erhöht. Einem Bericht von Umweltorganisationen zufolge führen vor allem Investitionen in Teersand zu diesem Rückschritt.

Allen Divestment-Bemühungen zum Trotz: Ein heute veröffentlichter Bericht von Nichtregierungs- und Umweltschutzorganisationen zeigt, dass auch europäische Banken, darunter die Deutsche Bank, ihre Kohle-Finanzierung zuletzt deutlich aufgestockt haben. So hat die Deutsche Bank ihre Investitionen für den Kohle-Bergbau zwischen 2016 und 2017 um 695 Millionen Dollar gesteigert und ist unter den europäischen Banken hier am stärksten involviert. An der Spitze steht Goldman Sachs. Die Kohle-Investitionen der US-Bank stiegen von 2016 bis 2017 um 1,2 Milliarden Dollar.

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Die Autoren der Organisationen haben untersucht, wie stark 36 Privatbanken aus Europa, den USA, Kanada, Japan, China und Australien die klimaschädlichsten fossilen Industrien in den vergangenen drei Jahren mit Krediten und Investment-Dienstleistungen unterstützt haben. Der Bericht beschreibt auch die negativen Auswirkungen dieser Sektoren auf die Menschenrechte, insbesondere die der indigenen Völker, und auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Gemeinschaft.

115 Milliarden Dollar für fossile Energien im Jahr 2017

Insgesamt haben die 36 weltweit größten Banken im Jahr 2017 rund 115 Milliarden US-Dollar in fossile Brennstoffe investiert. Dies entspricht einem Anstieg von elf Prozent gegenüber 2016. Der größte Treiber für den Anstieg war die Finanzierung der Ölgewinnung aus Teersand. Zwischen 2016 und 2017 stiegen die Investitionen hier um 111 Prozent. Die Gesamtsumme der Teersandfinanzierung belief sich auf 98 Milliarden Dollar – angeführt von der Royal Bank of Canada, der US-Bank TD und JP Morgan Chase.

Die Finanzierung von Kohlekraftwerken stagnierte hingegen in den letzten drei Jahren. Von 2015 bis 2017 flossen 94 Milliarden Dollar in diesen Bereich. Vor allem chinesische Banken sind hier nach wie vor große Geldgeber. Die US-Bank JP Morgan Chase steigerte die Fördermittel für den Kohleabbau um das 21-fache und vervierfachte die Finanzierung von Öl aus Teersand.

Bericht fokussiert auf die Finanzierung bestimmter Brennstoffe

Der Bericht stellt fest, dass zwar einige europäische Banken die Risiken erkannt und ihre Investitionen in fossile Brennstoffe teilweise politischen Beschränkungen unterworfen haben. Aber wichtige Akteure hätten wenig getan, um ihre Aktivitäten mit dem Pariser Abkommen in Einklang zu bringen. Die Finanzierung fossiler Brennstoffe sank zunächst von 126 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 104 Milliarden im Jahr 2016. Im Jahr 2017 kam dann der Rückfall und sie stiegen auf 115 Milliarden Dollar.

Untersucht wurden Finanzierungen von Teersand, Arktis-und Tiefseeöl, Kohlebergbau und Kohlekraft, sowie der Export von Flüssigerdgas (LNG). Es gilt zunehmend als riskant für Banken, Projekte und Unternehmen mit fossilen Brennstoffen zu unterstützen – sowohl in Hinblick auf die Reputation als auch in finanzieller Hinsicht. Die Autoren des Berichts von Rainforest Action Network, Bank Track, Indigenous Environmental Network, Oil Change International, Sierra Club und Honor The Earth fordern, dass die Banken die Finanzierung dieser fossilen Brennstoffe und den gesamten Ausbau der fossilen Brennstoffindustrie beenden.

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Carsten Kloth
Keywords:
Finance
Ressorts:
Finance

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