Bodo Ramelow (Linke) setzt sich für den Erhalt und die Arbeitsplätze der Pumpspeicherkraftwerke in Thüringen ein. Der Ministerpräsident wirft dem Bundeswirtschaftsministerium vor, diese traditionelle Form der Energiespeicherung gegenüber neuen Technologien zu diskriminieren. Er attackiert dabei insbesondere Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake (Die Grünen).

Ramelow begründet seinen Vorwurf damit, dass Pumpspeicherkraftwerke Netzentgelte zahlen müssten, wenn sie mit überschüssigem Strom Wasser nach oben in den Wasserspeicher pumpen. „Warum eine Windkraftanlage keine Netzentgelte bezahlen muss, ein Pumpspeicherwerk aber wohl, das will ich einfach nicht begreifen, das will ich nicht akzeptieren“, polterte Ramelow im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gegen das Bundeswirtschaftsministerium.


Der angegriffene Wirtschaftsstaatssekretär Baake hielt Ramelow im MDR entgegen, dass es eine Grundsatzentscheidung gebe, dass „Stromerzeuger keine Netzentgelte zahlen, wohl aber Stromverbraucher“. Auch dem Vorwurf der Diskriminierung trat Baake entgegen. Während üblicherweise Stromverbraucher Abgaben, Umlagen und Netzentgelte in Höhe von 14 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssten, würden Pumpspeicherwerke lediglich mit einem Cent belastet.

Verändertes Geschäftsmodell


Thüringen zählt mit fünf Pumpspeicherkraftwerken und einer Gesamtleistung von 1.500 Megawatt gemeinsam mit Bayern und Baden-Württemberg zu den wichtigsten Standorten dieser in das frühe 20. Jahrhundert zurückreichenden Technologie. Das Geschäftsmodell von Pumpspeichern beruhte früher darauf, billigen Nachtstrom zu speichern und diesen in den verbrauchsintensiven Mittagszeiten teuer zu verkaufen. Da heute jedoch Windenergie- und vor allem Photovoltaikanlagen in der Regel mittags ihre Maximalleistung erreichen, gibt es diese Strompreisspitzen immer seltener.


Die Betreiber ziehen daraus nun die Konsequenzen: So hat der Vattenfall-Konzern angekündigt, die Belegschaft seiner deutschen Wasserkraftsparte zu reduzieren. Der Aufsichtsrat des Unternehmens mit Sitz im thüringischen Hohenwarte beschloss am 2. Juni, die Hälfte der 420 Jobs in seinen Pumpspeicherwerken bis Ende 2019 mindestens zu halbieren und die Leistung um ein Sechstel zu reduzieren. Der Geschäftsführer von Vattenfall Wasserkraft, Peter Apel, sagte, sinkende Strompreise und die Netzentgeltpflicht ließen dem Unternehmen keine andere Möglichkeit, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Goldisthal – das größte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands (Foto: Vattenfall)