Solarmarkt
14.07.2016

Rechtsstreit: Solarworld droht Niederlage gegen US-Konzern

Fotos: Solarworld
Update

Ein US-Gericht gibt der Klage des Siliziumlieferanten Hemlock in erster Instanz statt. Zwar ist das Urteil damit noch nicht gefallen. Analysten sehen den Bonner Solarhersteller jedoch mit dem Rücken zur Wand stehen.

 

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Deutschlands größter Solarmodulhersteller Solarworld hat eine erste Niederlage gegen Hemlock Semiconductor hinnehmen müssen. Das zuständige Gericht im US-Bundesstaat Michigan hat der Klage des US-amerikanischen Silizium-Lieferanten gegen den Bonner Konzern in erster Instanz stattgegeben. Das teilte der deutsche Modulhersteller am Donnerstag mit.

Im Kern geht es bei der Klage um nicht eingehaltene Lieferverträge für Silizium. Der Rohstoff ist wichtiger Bestandteil für die Fertigung von Solarmodulen. Solarworld droht eine Strafe in Höhe von 770 Millionen US-Dollar.

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Analyst Arash Roshan Zamir von Warburg Research rechnet „zeitnah mit einer erstinstanzlichen Verurteilung Solarworlds zugunsten Hemlocks“. Dass zeige das am Donnerstag veröffentlichte 40-seitige Gutachten des Richters in Michigan, sagte er gegenüber bizz energy. Darin folge dieser in jeder Hinsicht der Argumentation des Siliziumsherstellers – auch hinsichtlich der Schadensersatzsumme.

 

Solarworld will in Berufung gehen

Nach Auffassung Solarworlds bedeutet ein Urteil zugunsten Hemlocks keinesfalls eine tatsächliche Zahlungsverpflichtung. Sollte es zu einer erstinstanzlichen Verurteilung kommen, werde man in den USA Widerspruch einlegen, kündigte das Unternehmen unmittelbar nach Bekanntgabe des Gerichtsentscheids am Donnerstag an.

Analyst Zamir kommt indes zu einer anderen Einschätzung. Um durch ein Berufungsverfahren, wie in Deutschland üblich, eine aufschiebende Wirkung zu erzielen, müsse Solarworld eine Kaution in den USA hinterlegen. Die sei in der Regel ähnlich hoch wie die Urteilssumme. Komme Solarworld dem nicht nach, könne der Schuldtitel in Deutschland vollstreckt werden.

 

Aktie fällt um knapp zehn Prozent

Das US-amerikanische Urteil könnte nach Einschätzung des Warburg-Analysten auch in Deutschland Bestand haben. „Das Urteil eines US-Gerichts wird in Deutschland nur dann nicht anerkannt, wenn es im krassen Gegensatz zu deutschem Recht steht.“ Die zwischen Hemlock und Solarworld geschlossenen Verträge seien jedoch auch hierzulande durchaus üblich, wobei die Details der Vertragsausgestaltung schlussendlich ausschlaggebend sind. 

Unmittelbar nach dem Gerichtsentscheid am Donnerstag fiel die Solarworld Aktie deutlich um knapp zehn Prozent auf 5,39 Euro. Der aktuelle Börsenwert von Solarworld liegt laut Analyst bei etwa 90 Millionen US-Dollar. 

Jana Kugoth
Keywords:
Solarworld | Hemlock Semiconductors | Michigan | Schadensersatzklage | Solarmodule | Silizium
Ressorts:
Markets

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