Elektromobilität
14.01.2019

Regierung fördert Ladepunkte auch an Straßenlaternen

Foto: Jutta Maier, istock/FooTToo
Ubitricity-Gründer Frank Pawlitschek (ganz rechts) präsentiert das Laternen-Ladeprojekt "Neue Berliner Luft"

Das Bundeswirtschaftsministerium lässt 96 Millionen Euro für den Bau von Ladesäulen an Städte fließen. Auch die Auswirkungen der Ladeinfrastruktur aufs Stromnetz sollen erforscht werden.

In zahlreichen deutschen Städten dürfte die Zahl der Elektroladesäulen demnächst deutlich steigen. 96 Millionen Euro stellt das Bundeswirtschaftsministerium für das „Sofortprogramm Saubere Luft“ zur Verfügung. Staatssekretär Oliver Wittke (CDU) sagte an diesem Montag bei der Auftaktveranstaltung in Berlin, das Förderprogramm solle Lademöglichkeiten für E-Fahrzeugbesitzer schaffen, die keinen eigenen Parkplatz haben. Unternehmen wolle man dazu motivieren, Ladesäulen für Firmen- und Mitarbeiterfahrzeuge aufzustellen. Gleichzeitig geht es bei dem Programm darum, die Auswirkungen von Ladesäulen auf die Stromnetze wissenschaftlich zu untersuchen. 

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Wie das konkret aussehen kann, zeigt der Projektverbund „Cities in Charge“, zu dem sich die Deutsche-Telekom-Tochter Comfort Charge, die Hochschule RWTH Aachen, das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) und die Stadt Dresden zusammengeschlossen haben. Sie wollen in acht Großstädten und an Pendlerstrecken mindestens 1.100 Ladepunkte errichten. Zu diesem Zweck will die Telekom ihre eigenen Liegenschaften für die Öffentlichkeit öffnen.

270 Tonnen Stickoxide vermeiden

Geplant sind 950 AC-Ladepunkte mit einer Leistung von 22 und 43 Kilowatt (KW), 158 DC-Schnellladepunkte mit bis zu 150 kW sowie 207 AC-Wallboxen mit 7,4 kW. Damit sollen in Bonn, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig und München jedes Jahr insgesamt mehr als 270 Tonnen Stickoxide (NOx) vermieden werden. Saskia Wagner von der Telekom sagte, Teil des Projekts sei es, die Auswirkungen der Ladepunkte auf die Netze und die Attraktivität der Standorte zu erforschen. Wagner räumte ein, dass die Telekom mit dem Ladepunkte-Ausbau etwas hinterherhängt: „Wir wollten eigentlich 2018 schon 100 Schnellladesäulen bauen, das haben wir nicht geschafft und müssen jetzt Gas geben.“

Auch die Idee des Ladens an der Straßenlaterne ist nicht gestorben, im Gegenteil: Das Berliner Unternehmen Ubitricity wirkt als Partner an dem Vorhaben „Neue Berliner Luft“ (ElMobileBerlin) mit, in der Hauptstadt „schnellstmöglich“ bis zu 1.000 öffentliche Ladepunkte an Lichtmasten einzurichten. Zudem sollen 660 Ladepunkte für die private und gewerbliche Nutzung aufgebaut werden. Weitere Beteiligte sind unter anderem das Land Berlin, die TU Berlin und dem Berliner Energiedienstleister Gasag Solutions Plus. „Es geht darum, Parkzeit zu Ladezeit zu machen, und das für so wenig Geld wie möglich“, sagt Ubitricity-Gründer Frank Pawlitschek. Die Lichtmasten ließen sich relativ schnell und günstig zu Ladepunkten nachrüsten.

Bald 1.000 Straßenlaternen in London umgerüstet

Ubitricity ist auch bei weiteren Verbundprojekten in Hamburg, Dortmund, Schwerte und Iserlohn an Bord. Dass die zügige Umrüstung von Straßenlaternen möglich ist, zeigt das Unternehmen in London: In der britischen Hauptstadt will das Start-up bis April die 1.000er-Marke an Lichtmasten überschritten haben. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat insgesamt 15 Verbundvorhaben ausgewählt, an die die 96 Millionen Euro verteilt werden. Sie haben die Zuwendungsbescheide schon erhalten und teilweise mit der Arbeit begonnen. Die Projekte sehen den Aufbau von mehreren 100 bis mehreren 1.000 Ladesäulen vor.   

Paket umfasst 1,5 Milliarden Euro

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das „Sofortprogramm Saubere Luft“ mit dem Volumen von einer Milliarde Euro Ende 2017 aufgesetzt, um Fahrverbote wegen überhöhter Stickoxid-Belastung zu vermeiden. Ende 2018 stockte sie es um weitere 500 Millionen Euro auf. Mit dem Geld wird die Elektrifizierung des städtischen Verkehrs, die Digitalisierung von Verkehrssystemen und die Nachrüstung von Diesel-Bussen im ÖPNV gefördert. Das Programm ist bis 2020 angelegt.

Lesen Sie auch: Innogy eröffnet Schnellladepark in Duisburg

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Bundeswirtschaftsministerium | Ladesäulen | Ladeinfrastruktur
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Kommentare

Wir haben das Glück, dass wir unser E-Auto daheim laden können, haben das mit einem Elektriker zusammengemacht und es funktioniert super. Das Glück / den Platz oder die Möglichkeit hat allerdings lange nicht jeder, und das Lade-Problem hält wohl einige Menschen davon ab, auf ein E-Auto umzusteigen. Wenn da in Zukunft mehr passiert, steigen vielleicht auch mehr Leute um.

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