Treibhausgase
27.09.2016

Ringen um Luft auf Flugwirtschafts-Versammlung

Foto: Jax10289 / iStock.com
Gelingt es der UN-Luftfahrtbehörde, die Klimawende im Flugverkehr einzuleiten?

Die internationale Luftfahrtbehörde ICAO will sich grünere Regeln geben. Kritiker verurteilen den bisherigen Entwurf als zu lasch. Die deutsche Luftverkehrswirtschaft fürchtet ungleiche Wettbewerbsbedingungen.

Fast 20 Jahre nachdem sie im Kyoto-Protokoll erstmals den Auftrag dazu bekam, will die internationale Luftfahrtbehörde ICAO nun über ein Instrument zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen im Flugverkehr entscheiden. Bisher konnte die Luftverschmutzung ungehemmt mit der Branche wachsen. Ab diesen Dienstag treffen sich die Vertreter der 191 Mitgliedsländer der UN-Organisation im kanadischen Montreal und verhandeln über ein Klimaschutzsystem.

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Ein seit Februar existierender Entwurf der ICAO weist laut Stefan Schulte, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), zwar in die richtige Richtung. Darin sind konkrete Kompensationsleistungen für die Luftverschmutzung vorgesehen, wie etwa Investitionen in Wiederaufforstungsprogramme, und strikte Emissionsgrenzen für Flugzeuge ab 2020. Dennoch seien die Vorgaben aus Sicht der deutschen Branche noch nicht ambitioniert genug  – vor allem, weil für die Pilotphase (2021-2023) und die erste Phase (2024-2026) lediglich eine freiwillige Teilnahme der Staaten vorgesehen ist. 

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„Für den Erfolg des Abkommens ist entscheidend, dass möglichst viele Staaten von Beginn an dabei sind. Klimaschutz kann nur global funktionieren“, sagt Schulte im Vorfeld fordernd. Bei der letzten ICAO-Vollversammlung in 2013 gelang keine Einigung auf konkrete Maßnahmen.

 

Angst vor nationalen Alleingängen

Die Flugwirtschaft hat kein Interesse an ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Das erklärt auch, warum der Weltverband für Fluggesellschaften IATA trotz erwarteter Milliardenkosten für das Abkommen ist. Nationale Alleingänge in der Regulierung wären den Unternehmen ein Graus. Innerhalb der EU existiert bereits ein Emissionshandel für interkontinentale Flüge.

"Mit ihrem Vorschlag verfehlt die Luftfahrtorganisation krachend ihr schwaches selbst gesetztes Ziel, im internationalen Flugverkehr ab 2020 kein weiteres Wachstum der CO2-Emissionen mehr zuzulassen", sagt auch Christoph Bals, Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch. Genau wie Schulte ist ihm die Freiwilligkeit nicht geheuer. Zudem kritisiert er das Fehlen von Reduktionszielen. Bloßes Ausgleichen der Klimagase sei kein echter Klimaschutz.

Tim Lüdtke
Keywords:
ICAO | IATA | Vollversammlung | Klimaschutz | Luftverker | Flugwirtschaft | Flugzeuge | Klimagase | Treibhausgase | CO2 | Abkommen | Klimaschutzinstrument | Offset-System | Kompensationen
Ressorts:
Governance

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