Ökostrom
07.09.2012

Rote Zahlen beim EEG

Benjamin Klack/Pixelio

Die steigenden Kosten für den Ausbau von Solar- und Windenergie schlagen sich auf das Umlagekonto für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. Im August kletterte das Minus auf weit über eine Milliarde Euro.

Wie die Übertragungsnetzbetreiber mitteilten, wies das Konto, mit dem Netzbetreiber die Umlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien bilanzieren, im August ein Saldo von 1,67 Milliarden Euro auf. Damit erhöhte sich das Minus im Vergleich zum Vormonat um 528 Millionen Euro.
Die Bilanz ergibt sich aus verschiedenen Komponenten: Einnahmen erzielen die Netzbetreiber mit dem Verkauf des Grünstroms an der Börse sowie durch die Umlage, die alle Stromkunden zahlen. Ausgaben entstehen ihnen, weil sie den Betreibern von Solar- oder Windkraftanlagen eine Einspeisevergütung zahlen müssen.

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Da der Zuwachs der Erneuerbaren den Strompreis an der Börse senkt, sinken die Einnahmen der Netzbetreiber, das sogenannte EEG-Konto gerät ins Minus. Es wird daher erwartet, dass die Umlage, die die Verbraucher für das EEG zahlen, im nächsten Jahr steigen wird. Sie liegt derzeit bei 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Experten rechnen damit, dass sie 5 Cent erreichen könnte.

Kritik von Verbraucherschützern
Verbraucherschützer kritisieren die steigenden Kosten. Holger Krawinkel, der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, sagte im Interview mit BIZZ energy today: „Staatsversagen ist mitverantwortlich dafür, dass die Umlage so hoch steigt.“ Er sprach sich dafür aus, die Stromsteuer auszusetzen, um die Verbraucher zu entlasten. Zudem kritisierte Krawinkel, dass die Vergütungssätze bei Solar- und Windanlagen zum Teil mehr als kostendeckend seien. „Es werden übermäßig hohe Renditen erwirtschaftet.“ Die Kostendebatte müsse endlich auch im Umweltlager geführt und das Problem der Kosten akzeptiert werden, so der Energieexperte.

Vertreter der Erneuerbaren-Branche weisen dagegen darauf hin, dass die Ausnahmen für Industriebetriebe dazu führen, dass immer weniger Verbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien schultern müssen. Energieintensive Unternehmen und solche mit einer starken Exportorientierung sind von der EEG-Umlage befreit. Die Branche kritisiert zudem, dass der kostendämpfende Effekt, den die Erneuerbaren an der Börse haben, nicht berücksichtig würde.

Umlage bringt Staat Steuermillionen
Für den Staat bringt der Ausbau der Erneuerbaren dagegen zusätzliche Einnahmen. Wie aus einer Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei hervorgeht, erhielt der Fiskus im letzten Jahr 933 Millionen Euro aus der Umsatzsteuer, die auf die EEG-Umlage anfällt. Im Jahr 2003 waren es weniger als 100 Millionen Euro.

Karsten Wiedemann
Keywords:
EEG | Energie
Ressorts:
Governance

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