Elektromobilität
07.02.2020

Vor dem Sturm – der Wandel in der Autowelt

Foto: Volkswagen AG
Das VW-Werk in Braunschweig wird zum Zentrum für Batteriesysteme.

In der Autobranche wandelt sich die Arbeitswelt radikal. Viele Jobs, die am Verbrennungsmotor hängen, fallen bald weg – nicht jeder kann E-Antriebe bauen. Ein Werkstattbesuch.

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Hochfliegende Pläne - aber kann sich das industrieweit durchsetzen? Konzernchef Diess brachte das vorerst herrschende Dilemma auf den Punkt: Zurzeit verdienen vor allem SUVs das Geld, das in die neue Ära investiert werden muss. Ist der E-Durchbruch aber einmal da, ist ein Umsteuern zu spät. "Erschreckenderweise sind viele Firmen noch nicht in Richtung E-Mobilität aufgestellt", klagt IG-Metaller Windmüller. Der Verbandschef der niedersächsischen Metall- und Elektrobranche, Volker Schmidt, erwartet "tektonische Umwälzungen".

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Mehrere hundert Kilometer südlich von Wolfsburg liegt Mindelheim im Allgäu. In der bayerischen Kleinstadt kann man beim Werkzeugmaschinenbauer Grob ein Lied von den Härten der Transformation singen. Dabei ist der Zulieferer von Branchenriesen wie BMW oder Volkswagen kein kleiner Fisch. Zuletzt erzielte man mit weltweit 7000 Mitarbeitern rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Zum überwiegenden Teil versorgt Grob die Autoindustrie - etwa mit großen "Bearbeitungszentren", die bis zu 400 Meter lang werden können, erklärt Geschäftsführer German Wankmiller.

Es sei nicht leicht gewesen. Doch heute bilde die E-Mobilität ein festes Standbein der Firma. Informationen aus dem Zentraleinkauf von VW hätten 2016 angedeutet, wohin die Reise geht: "Auch ein E-Motor muss in Taktzeiten von 30 bis 60 Sekunden komplett montiert sein."

Zweifel und Zuversicht

Grob bildete ein Entwicklerteam. "Wir mussten viel Überzeugungsarbeit und Aufklärung betreiben, um die Leute mitzunehmen", berichtet Wankmiller. Mehr als ein Drittel des Umsatzes und der Beschäftigten entfallen bei ihm inzwischen auf die neuen Technologien. "Am Anfang war es extrem mühsam, dann wurde es Schritt für Schritt besser."

Continental spielt als Dax-Konzern in einer anderen Liga. Doch dort ist Stellenabbau schon beschlossene Sache - gegen Widerstand der Gewerkschaften, die dem Management überhastetes Handeln vorwerfen. Bis 2023 könnten 15.000 Jobs weltweit von "Veränderungen" betroffen sein. Auch hier gibt es Umschulungen, Kündigungen will man vermeiden. Aber einzelne Werke werden dichtgemacht, wenn die Marschroute greift: volle Konzentration auf Elektronik, Sensorik, Software, Reifen. Manche Betriebsräte glauben, es gehe darum, Sparziele durchzudrücken.

Conti-Chef Elmar Degenhart mahnte im Fachblatt "Automobilwoche", man müsse sich besonders um die Ungelernten kümmern: "Wenn wir die nicht qualifizieren, verlieren sie ihre Beschäftigungsfähigkeit." Parallel will er Tausende IT-Experten anheuern. Beim Maschinenbauer-Verband VDMA warnt Vize Hartmut Rauen vor Schwarzmalerei: "Das Entwerfen von Horrorszenarien ist keine konstruktive Lösung."

Kleinere Betriebe nicht vergessen

Offenheit gegenüber allen Varianten - moderne Verbrenner, Synthetik-Sprit und Brennstoffzelle inklusive - halten viele für wichtig. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht ebenso die Bundespolitik am Drücker. "Wir brauchen arbeitsmarktpolitische Instrumente, mit denen wir die Unternehmen unterstützen können", sagt er - etwa Kurzarbeitergeld für Firmen im Umbruch. Die große Koalition will den Einsatz solcher Hilfen jetzt für drei Jahre erleichtern.

Der SPD-Politiker, der auch im Präsidium des VW-Aufsichtsrates sitzt, sorgt sich besonders um kleine und mittelgroße Betriebe im Land. "Einigen brechen mit dem Umstieg auf Elektromobilität die kompletten Geschäftsmodelle weg", erklärt Weil. "Auch diese Unternehmen müssen die Möglichkeit haben, ihre Beschäftigten zu qualifizieren."

Ex-Kunststofftechniker Bednarek sähe es gern, wenn mehr Kollegen die Chance zum Neustart bekämen. "Meine Qualifikation war umfassend", sagt er als frisch gebackene Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten. "Ich würde mir wünschen, dass das anderswo auch so ist."

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Jan Petermann, dpa
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Elektromobilität | Autokonzerne | Volkswagen
Ressorts:
Technology | Markets
 

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