Flüssigerdgas
09.02.2018

Russische Novatek will mit LNG in den europäischen Markt

Foto: Novatek
Novatek-Gasverflüssigungsanlage in der russischen Yamal-Region. Eine weitere LNG-Anlage errichtet das Untenehmen in Vysotsk an der Ostsee.

Der größte private Öl- und Gasanbieter Russlands, Novatek, drängt mit Flüssigerdgas in den Ostseeraum. Wichtigster Zielmarkt ist ausgerechnet das russlandskeptische Polen.

"Small Scale" nennt die Gasbranche den Vertrieb von Flüssigerdgas an kleinere, dezentrale Abnehmer. Auf dieses Geschäft mit Liquid Natural Gas (LNG) konzentriert sich Novatek bei seinen Expansionsplänen für Europa. Insbesondere der Ostseeraum ist Zielmarkt für eine neue Novatek-Verflüssigungsanlage, die Ende des Jahres in der russischen Hafenstadt Vysotsk in Betrieb gehen soll.

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"Wir sind zuversichtlich, dass wir einen großen Anteil des Ostseeraum-Marktes gewinnen", sagte Winfried Krüger-Sprengel, Manager der schweizerischen Handelstochter Novatek Gas & Power am Rande der Messe E-World in Essen. Novatek konzentriere sich dabei auf "Bunker-Gas" für Schiffe mit LNG-Antrieb, auf ländliche Kommunen ohne Anschluss an Pipelines, auf Industrieunternehmen und auf Logistikdienstleister mit LNG-betriebenen Fahrzeugen. (Lesen Sie auch: Tanker statt Pipelines: Wird auch Deutschland zum LNG-Markt?)

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Lukrativ auf dem Land

 

Bei seiner West-Expansion hat es das Unternehmen mit Hauptsitz im sibirischen Tarko-Sale vor allem auf den polnischen Markt abgesehen. Viele Kommunen im ländlichen Raum sind dort nicht an Gaspipelines angebunden. Ihre lokalen Leitungsnetze will Novatek über "Satelliten-LNG-Anlagen" versorgen. Steuern soll dieses Geschäft die eigens gegründete Tochter Novatek Polska.

Polen richtet seine Gasversorgung eigentlich darauf aus, von russischen Quellen unabhängig zu werden. Über sein Import-Terminal in Swinemünde (Swinoujscie) führt der staatliche Gasversorger PGNiG deshalb zunehmend LNG ein - seit vergangenem Jahr auch aus den USA. Die polnische Regierung ist strikt gegen das neue russisch-deutsche Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Wie die Ukraine und die drei baltischen Staaten befürchtet sie, dass Polen von russischer Gasversorgung abgeschnitten und politisch erpressbar wird. Dies wäre nach polnischer Lesart möglich, sobald sich der russische Staatskonzern Gazprom durch die Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 in die Lage versetzt, seinen Gasexport an Polen vorbei zu leiten anstatt durch Transit-Leitungen auf polnischem Gebiet.

 

Weniger Misstrauen in Polen?

 

Offenbar geht Novatek bei seinen Polen-Plänen davon aus, dass das Misstrauen gegenüber einem privaten russischen Anbieter geringer ist. Novatek gehört mehrheitlich den Milliardären Leonid Michelson und Gennadi Timtschenko. Der französische Energiekonzern Total hält 14 Prozent – allerdings ist auch Gazprom mit zehn Prozent beteiligt, und Timtschenko gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Neben Polen interessiert sich Novatek besonders für die Handels- und Kreuzschifffahrt im Ostseeraum. Skandinavische, aber auch deutsche und niederländische Reeder beginnen, Schiffe mit LNG-Antrieben zu kaufen oder rüsten vorhandene Schiffe um. Der Grund: Die Schifffahrtsbranche gerät zunehmend unter Druck, weil sie überwiegend noch besonders gesundheits- und umweltgefährdenden Treibstoff auf Schweröl-Basis verfeuert.

 

Potenzial in Deutschland

 

Auf längere Sicht könnte auch in Deutschland ein Großabnehmer für Novatek-LNG entstehen: Ein Konsortium bestehend aus dem niederländischen Gasversorger Gasunie und den Tankdienstleistern Vopak aus Rotterdam und Oiltanking aus Hamburg erwägt den Bau des ersten deutschen Import-Terminals bei Brunsbüttel. Viele Branchenexperten rechnen damit, dass Deutschlands Erdgasbedarf im Zuge des Atomausstiegs und eines möglichen Kohleausstiegs steigt.

 

Lesen Sie auch: Duisburg misst LNG-Emissionen im Hafenbetrieb

Christian Schaudwet
Keywords:
LNG | Erdgas
Ressorts:
Markets

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