Stromerzeugung
07.01.2019

Russland baut lokale Windindustrie auf

Foto: Rusnano
Das spanische Unternehmen Windar Renovables, Rusnano und Severstal produzieren in Russland gemeinsam Türme für Windkraftanlagen. Das Foto zeigt Manager der Unternehmen bei einer Werksbesichtigung am Produktionsstandort Taganrog.

Die russische Windenergiebranche steckt noch in den Kinderschuhen. Aber nun zeigt das staatliche Lokalisierungsprogramm Wirkung. Ausländische Hersteller wie Vestas und Siemens Gamesa liefern das Know-how.

Gleich zwei neue Fabriken haben kürzlich mit der Produktion von Bauteilen für Windkraftanlagen in Russland begonnen: Am 13. Dezember eröffnete die spanische Windar Renovables im südrussischen Taganrog ein Werk zu Herstellung von Stahltürmen. Anfang Dezember begann der dänische Hersteller Vestas mit der Produktion von Rotorblättern im zentralrussischen Uljanowsk.

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An beiden Projekten beteiligt sich der staatliche Technologiekonzern Rusnano, bei Windar außerdem der russische Stahlhersteller Severstal. Die beiden Werke sind darauf ausgelegt, zunächst etwa 100 Windkraftanlagen auszustatten. Im laufenden Jahr hatte Vestas bereits mit der Fertigung von Gondeln, den Gehäusen für die Stromgeneratoren, bei Nischni Novgorod begonnen.

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Hauptabnehmer der Türme, Rotorblätter und Gondeln wird zunächst das finnische Energieunternehmen Fortum sein, das zusammen mit Rusnano Windparks in Russland errichtet. Bisher konnten die Partner bei staatlichen Ausschreibungen Zuschläge für Windfarmen mit einer Gesamtkapazität von etwa 1,8 Gigawatt an Land ziehen. Vestas verkündete Mitte Dezember stolz, von Fortum und Rusnano den Auftrag für Russlands bisher größten Windpark mit 198 Megawatt Kapazität erhalten zu haben.

Ausschreibungen nur für lokale Hersteller

Damit kommt die russische Regierung ihrem Ziel näher, eine einheimische Windkraftindustrie aufzubauen. Die Anlagen mussten bisher aus dem Ausland importiert werden. Damit sich das ändert, legte der Kreml ein für Stromerzeuger lukratives Förderprogramm auf, das Investoren je Megawatt installierte Leistung entlohnt. Bedingung: Die errichteten Anlagen müssen zu 65 Prozent aus russischen Bauteilen bestehen. Diese Einschränkung wird in großen Teilen der Branche als einer der Gründe dafür gesehen wird, dass erneuerbare Energien abzüglich Wasserkraft noch immer weniger als ein Prozent des Energiebedarfs decken.

(Lesen Sie auch: Deutschland will russischen Energiesektor grüner machen)

Um von staatlicher Förderung zu profitieren, suchten Investoren nach Herstellern, die bereit sind, in Russland zu produzieren. Mit Erfolg: Mehrere ausländische Unternehmen folgten dem Ruf nach Russland. Mittlerweile zeichnen sich neben dem Gespann Fortum/Rusnano/Windar/Vestas zwei weitere Allianzen ab, die den Markt künftig dominieren könnten:

Der Staatliche Nuklearkonzern Rosatom hat ein Joint Venture mit dem niederländischen Windturbinenbauer Lagerwey gegründet, der vor rund einem Jahr von Deutschland-Marktführer Enercon übernommen wurde. Derzeit ziehen Rosatom und Lagerwey im südrussischen Wolgodonsk eine eigene Fertigungsstätte hoch. Ab diesem Jahr sollen dort zunächst Stahltürme und später auch Gondeln und Generatoren hergestellt werden. Insgesamt sieht der Vertrag zwischen Rosatom und Lagerwey die Lieferung von 388 Windkraftanlagen  bis zum Jahr 2022 vor.

Siemens Gamesa kommt später

Ohne staatliche Partner kommt dagegen der italienische Energiekonzern Enel aus, dessen Ausschreibungsportfolio sich auf zwei Windparks mit insgesamt 84 Windrädern und einer installierten Leistung von 0,3 Gigawatt beläuft. Den Auftrag dazu sicherte sich der deutsch-spanische Hersteller Siemens Gamesa, bei dem der der Siemens-Konzern Mehrheitseigner ist.

Um die russischen Lokalisierungsvorgaben zu erfüllen, plant Siemens Gamesa die Montage von Turbinen in einem Werk bei Sankt-Petersburg, das derzeit Gasturbinen für den russischen Markt fertigt. Zudem holte man sich Ende November den auf elektrische Antriebe und Motoren spezialisierten Konzern Ruselprom aus Sankt-Petersburg in Boot. Ruselprom soll die Generatoren für die Windanlagen liefern. Siemens Gamesa kommt allerdings deutlich später in den Markt als Konkurrent Vestas. Die Produktion in dem Sankt-Petersburger Werk wird voraussichtlich erst im August anlaufen.

Branche verlangt neues Förderprogramm

Die jüngsten Erfolge bieten in den Augen mancher Branchenexperten aber noch keine Garantie dafür, dass die Windindustrie in Russland nun gedeihen kann. So mahnte Rusnano-Chef Anatoli Tschubajs vor wenigen Wochen, die junge Branche benötige mehr staatliche Unterstützung. „Damit das gerade geborene Kind nicht in der Wiege erstickt wird, brauchen  wir in den kommenden Monaten ein neues staatliches Förderprogramm“, erklärte Tschubajs. Dieses solle Ausschreibungen in Höhe von Mindestens 10 Gigawatt Leistung aus erneuerbaren Energien vorsehen.

Das aktuelle Förderprogramm läuft 2024 aus, es ist auf eine Gesamtkapazität von 3,3 Gigawatt ausgelegt. Bisher wurden etwa 3,1 Gigawatt an die Projektierer vergeben. Die vorerst letzten Ausschreibungen sind für dieses Jahr geplant. Gut möglich, dass Tschubajs‘ Wunsch in Erfüllung geht: Eine Neuauflage des Programms gilt in Branchenkreisen als wahrscheinlich.

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Maxim Kireev, Sankt Petersburg
Keywords:
Windenergie | Russland | Vestas | Siemens
Ressorts:
Governance | Markets

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