Stromerzeugung
15.03.2018

Russland lockt Windstrom-Investoren

Foto: Lagerwey
Das niederländische Unternehmen Lagerwey ist einer der ältesten Hersteller von modernen Windturbinen.

Der deutsche Hersteller von Windenergieanlagen Enercon hat kürzlich den niederländischen Konkurrenten Lagerwey übernommen. So bekommt Enercon Zugang zu einem neuen Markt und einen wichtigen Partner.

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Lange Zeit schreckten die strengen Lokalisierungsregeln Investoren ab. Diese Regelungen schreiben vor, dass ein bestimmter Prozentsatz der Bauteile auf dem lokalen russischen Markt eingekauft werden müssen. „Erst eine Lockerung der Lokalisierungsanforderungen in der Anfangsphase der Projekte machte die Branche attraktiver“, erklärt Experte Zhikarev. Nach den neuesten Bestimmungen muss der Lokalisierungsgrad zu Beginn lediglich 25 Prozent betragen und dann erst Schrittweise auf 65 Prozent erhöht werden.

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Aktuell hat sich Rosatom bereits erfolgreich um Windprojekte mit einer Gesamtkapazität von knapp 970 MW beworben. Bis zum Jahr 2022 werden dafür knapp 400 Windräder notwendig sein, deren Produktion derzeit in einem Rosatom-Betrieb in Wolgodonsk hochgezogen wird. Schon in wenigen Jahren soll der Anteil lokaler Wertschöpfung in den Windrädern von Rosatom und Lagerwey bis zu 80 Prozent betragen. „Im weiteren Verlauf wollen wir die Windkraftanlagen aus Russland auch exportieren“, sagt ein Novawind-Sprecher. 

 

Bei privaten Investoren wie Enel und Fortum, die ebenfalls im Windgeschäft mitmischen wollen, sorgen die Lokalisierungsbestimmungen dagegen auch in ihrer abgespeckten Form für Kritik. „Die Idee der Lokalisierung an sich weder einmalig noch schädlich“, beklagte kürzlich Sergej Tschizhow, Vize-Chef von Fortum Russland in einem Gastbeitrag für das Wirtschaftsmagazin Expert. Gleichzeitig müsse man bei den aktuell sehr geringen Volumen ( bis zu drei Gigawatt neuer Kapazitäten im Windbereich bis zum Jahr 2024) sich fragen, welchen wirtschaftlichen Effekt man von de Lokalisierung erwarte. „In Brasilien und der Türkei wurde die Lokalisierung bei deutlich größeren Marktvolumen von 15 bis 20 GW gefordert. „In Russland führen solche Bedingungen zu höheren Produktionskosten verglichen mit den großen Lieferanten“, kritisiert Tschizhow.

 

Branchenkenner dämpfen Optimismus

 

Für seinen ersten Windpark musste Fortum nur lediglich ein Viertel der Teile in Russland beziehen. Die Generatoren und andere Schlüsselelemente stammten vom chinesischen Hersteller Dongfeng. Für die weitere Expansion haben sich die Finnen jedoch nicht nur mit dem staatlichen Nanotechnologie-Konzern Rosnano verbündet, sondern auch einen europäischen Technologiepartner gesucht. Zusammen mit der dänischen Vestas will Fortum in Russland zunächst Rotorblätter, Türme und Gondeln für die Anlagen herstellen. Ähnlich wie Rosatom konnte das Konsortium aus Fortum und Rosnano Ausschreibungen mit einer Gesamtkapazität von knapp 1000 MW für sich entscheiden. Der dritte Großinvestor Enel, der insgsamt 400 Millionen Euro in Windparks mit einer Gesamtleistung von etwa 290 MW stecken will, hat sich die spanische Siemens-Tochter Gamesa ins Boot geholt.

 

Bei aller Aufbruchsstimmung warnen Branchenkenner jedoch auch vor zu viel Optimismus. „Die Regierung hat derzeit noch keine einheitliche Strategie in diesem Bereich, deswegen ist es schwierig zu prognostizieren, welche Rolle der grüne Strom in Russland spielen wird“, mahnt Experte Zhiakhrev. Ausgehend vom optimistischen Szenario werde der Anteil von Wind, Sonne und kleinen Wasserkraftwerken bis 2030 nicht mehr betragen als 2,5-3 Prozent. „Das ist nichts verglichen mit anderen Ländern“.

 

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Maxim Kireev
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Keywords:
Windkraft | Russland
Ressorts:
Markets

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