Energiekonzerne in Russland
18.02.2016

Russland: Privatisierung gegen die Krise

foto: wikipedia
Die Zentrale von Rosneft am Ufer der Moskwa.

Der Kreml will Teile seiner Energiekonzerne verkaufen, um leere Staatskassen zu füllen. Die Zügel bei Gazprom gibt er jedoch nicht aus der Hand.

Einst waren Wladimir Putin fast alle Mittel Recht, um Russlands Energiebranche unter seine Fittiche zu bringen. Angesichts des Krise, die ein Loch in den Staatshaushalt gerissen hat, ist der Präsident nun offenbar bereit, einen Teil des Tafelsilbers zu verkaufen. „Die Energiekonzerne Rosneft und Bashneft sind Teil der Privatisierungsliste, die von der Staatsführung bereits bestätigt ist“, erklärt sein Wirtschaftminister Alexej Uljukaew.

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Im Fall von Rosneft geht es offenbar um bis zu 19,5 Prozent der Anteile, von denen derzeit 69,5 Prozent der staatlichen Beteiligungsagentur Rosimuschestwo gehören. Weitere 20 Prozent sind in der Hand des Ölkonzerns BP. Der staatliche Anteil an Bashneft ist mit 75 Prozent etwas höher, wobei die restlichen 25 Prozent bei der Teilrepublik Tatarstan liegen. Bisher hat der russische Staat bei der Teilprivatisierung von Schlüsselindustrien stets eine Sperrminorität behalten, oder wie im Fall von Gazprom einen Anteil von 50 Prozent plus eine Aktie. Auf Anfrage von bizz energy erklärte das russische Wirtschaftsministerium: „Ein Verkauf weiterer Gazprom-Anteile ist derzeit nicht geplant“.

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Der Staat könnte sich komplett von seinen Bashneft-Anteilen trennen

Zumindest im Fall von Bashneft ist es dagegen denkbar, dass der Staat sich komplett von seinen Anteilen trennt – vorausgesetzt, ein Investor ist bereit, einen Aufschlag auf den Börsenwert zu zahlen, wie die Agentur Interfax berichtet. Die Rosneft-Anteile könnten bei laufendem Aktienkurs mehr als sechs Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Drei Viertel der Bashneft-Anteile sind etwa 3,6 Milliarden Euro wert.

Obgleich russische Experten und Beobachter seit langem eine Privatisierung der Energiebranche fordern, sorgt der jetzige Zeitpunkt des Verkaufs für Diskussionen. Erst kürzlich riet Ex-Finanzminister Alexej Kudrin öffentlich davon ab, Ölkonzerne in der aktuellen Finanzmarktsituation zu verkaufen. Und Rosneft-Chef Igor Setschin erklärte jüngst bei einem Auftritt in London: Eine Privatisierung sei effektiver, wenn der Ölpreis bei 100 Dollar pro Barrel liege und nicht wie derzeit bei knapp über 30. „Dennoch muss auch der Haushalt berücksichtigt werden“, ergänzte er. 

 

Eine wechselhafte Vergangenheit

In den vergangenen Jahren haben beide Unternehmen eine wechselvolle Entwicklung zurückgelegt. Rosneft, einst ein kleiner Staatsbetrieb, schluckte nach der Jukos-Zerschlagung die wichtigsten Unternehmensanteile. Vor drei Jahren übernahm Rosneft den Konkurrenten TNK-BP für 45 Milliarden Dollar. Mittlerweile ist der ganze Konzern wegen gesunkener Aktienkurse weniger Wert, als er damals für die Übernahme berappen musste.

Bashneft seinerseits landete 2014 per Gerichtsentscheid in staatlicher Hand, weil die vorherige Privatisierung durch die Regionalregierung von Tatarstan für ungültig erklärt wurde. Der damalige Bashneft-Besitzer Wladimir Jewtuschenkow wurde kurzzeitig unter Hausarrest gestellt.

Dennoch bestätigte Russlands größter Privater Ölförderer Lukoil am Mittwoch sein Interesse an einem Einstieg bei Bashneft. „Wenn der Preis und Bedingungen stimmen, sprich, wenn wir die Kontrolle übernehmen könnten, dann würden wir uns an einer Privatisierung beteiligen“, sagte Lukoil-Chef Wagit Alekperow der angesehenen Moskauer Wirtschaftszeitung RBK.

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Privatisierung | Lukoil | Rosneft | Bashneft | BP | Wladimir Putin
Ressorts:
Governance | Markets

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