Russlands Energieminister Alexander Nowak setzt seine Hoffnungen auf das kommende Wochenende. Dann sollen sich nach seiner Lesart die führenden Ölnationen bei ihrem geplanten Gipfel in Katars Hauptstadt Doha auf die Drosselung der weltweiten Förderung einigen. „Wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingt, den Ölpreis zu stabilisieren“, erklärte Novak gegenüber dem Fernsehsender Rossija. Bereits im Februar hatten sich Saudi-Arabien, Katar, Venezuela und Russland geeinigt, das Förderniveau einzufrieren – unter der Bedingung, dass andere Exporteure mitziehen. Ob ein entsprechendes Dokument am 17. April in Doha unterschrieben wird, ist jedoch offen.

Der Ölpreisverfall bringt nicht nur Nowak ins Schwitzen. In Dollar gerechnet sind Russlands Exporte im vergangenen Jahr um ein Drittel eingebrochen. Besonders empfindlich war der Einbruch beim Rohöl. Hier lag der Exporterlös sogar 56 Prozent unter dem Vorjahreswert. Um diese Verluste wenigstens einigermaßen wieder wettzumachen, pumpen russische Ölunternehmen so viel Öl durch die Leitungen wie schon lange nicht mehr.

Während Russlands Präsident Wladimir Putin bereits seit Wochen dafür wirbt, die Ölförderung auf einem Niveau einzufrieren, das dem Preisverfall des schwarzen Goldes ein Ende bereiten soll, jagt die heimische Industrie von einem Förderrekord zum nächsten. Laut Angaben des Energieministeriums lag etwa im März die tägliche Förderung mit elf Millionen Barrel auf dem höchsten Niveau seit dem Ende der Sowjetunion. Dabei war schon 2015 ein Rekordjahr. Die Förderung legte um 1,5 Prozent auf 534 Millionen Tonnen zu und könnte im laufenden Jahr nach Nowaks Prognose noch einmal um sechs Millionen Tonnen steigen.

Weil die inländische Nachfrage wegen der anhaltenden Rezession jedoch gesunken ist, fließt das zusätzlich geförderte Erdöl fast ausschließlich an ausländische Abnehmer. Hinzu kommt, dass der Preisverfall die Nachfrage insbesondere europäischer Ölverarbeiter nach dem Rohstoff aus Russland angeheizt hat. So ist der Export nach Europa um acht Prozent gewachsen, das erste Mal seit 2009. „Die Förderung in Ländern wie Niederlande und Großbritannien geht zurück, gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren viele Ölverabreitungsbetriebe modernisiert, weshalb weniger Rohöl für die Produktion verwendet wird“, erklärt Igro Juschkow, Analyst der Stiftung für Nationale Energiesicherheit in Moskau, die gestiegenen Exporte. Auch Deutschland kaufte im vergangenen Jahr erstmals seit 2010 wieder mehr Rohöl aus Russland. Insgesamt rund 29,3 Millionen Tonnen, was einem Plus von über rund 7,9 Prozent entspricht.

Die meisten Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass das Ölfiber nicht lange anhalen wird. „Die Russischen Unternehmen investieren derzeit vermehrt in jene Fördergebiete, die bereits erschlossen sind“, erklärt Michail Krutikhon Partner des Branchendienstes RusEnergy. Gleichzeitig sparten Unternehmen bei der Erschließung neuer Vorkommen, wo die Ölförderung deutlich komplizierter ist. Langfristig gesehen dürfte die Ölproduktion eher wieder sinken, erklärt der Experte.

 
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