Der staatlich kontrollierte Ölkonzern Rosneft sorgt seit Wochen mit spektakulären Deals auf dem russischen Energiemarkt für Furore. Jetzt will er sich auch in Deutschland breitmachen. Bisher war der Konzern über die Ruhr Oel GmbH, ein 50-50-Joint-Venture mit dem Partner BP, an deutschen Raffinerien und Chemiestandorten beteiligt. Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 gaben die Partner nun die erwartete Abwicklung des seit 2011 bestehenden Gemeinschaftsunternehmens bekannt. Beide Konzerne, die ebenfalls gegenseitige Beteiligungen halten, wollen nun ihre Deutschland-Kapazitäten unabhängig voneinander verwalten.

Konzerchef Igor Setschin, Intimus von Präsident Wladimir Putin, hat es vor allem auf die Raffinerie-Beteiligungen der Ruhr Oel abgesehen. Konkret verdoppelt Rosneft durch die Abwicklung seine Anteile an der zweitgrößten deutschen Erdölraffinerie Miro in Karlsruhe von 12 auf 24 Prozent, ebenso an Bayernoil nahe Ingolstadt von 12,5 auf 25 Prozent. Der Anteil an PCK im brandenburgischen Schwedt steigt von 35 auf 54 Prozent. BP seinerseits erhält dann 100 Prozent der Anteile an dem integrierten Raffinerie- und Petrochemiestandort in Gelsenkirchen und am Lösungsmittelhersteller DHC Solvent Chemie in Mülheim an der Ruhr. BP betrachtet Deutschland laut Konzernmitteilung als einen der aussichtsreichsten Märkte für Mineralölprodukte.

 

"Vertiefte Kooperation zwischen Russland und Europa"

Die Russen schätzen ihren Martkanteil an der deutschen Ölverarbeitung künftig auf etwa 12 Prozent. Damit belegt Rosneft nach Kapazität den dritten Platz in der deutschen Raffinerie-Branche. Der Deal ist laut Rosneft ein „Beleg für eine vertiefte Kooperation im Energiebereich zwischen Russland und Europa“. Konzernchef Setschin will per Direktzugang zu den Endkunden eine höhere Rentabilität in Deutschland erreichen. Für die kommenden Jahre will er 8,2 Millionen Tonnen Rohöl an die eigenen Verarbeitungsbetriebe in Deutschland liefern. Das entspricht bei aktuellem Ölpreis einem Wert von 2,6 Milliarden Euro. Die Raffinerie PCK in Schwedt kann direkt von Russland aus über die Druschba-Pipeline versorgt werden.

Im Geschäft mit Endkunden setzt Rosneft auch auf Flugzeug-Treibstoff. Setschin will Direktverträge mit Fluggesellschaften auf großen deutschen Flughäfen abschließen. Auch der Markt für Schiffstreibstoff ist für Rosneft interessant. Zudem spekulieren Brancheninsider, dass Setschin der stärkeren Beteiligung an Raffinerien bald die Übernahme eines Tankstellen-Netzes in Deutschland folgen lassen könnte. Der Markt galt in den letzten Jahren als einer der wirtschaftlich schwierigsten in Europa – was günstige Preise für Übernahmen ermöglicht. Setschin selbst hält sich bei dem Thema bedeckt.

 

 

(Foto: Pixabay/Robzor)