Elektromobilität in Russland
28.07.2016

Russlands Traum vom E-Auto

Foto: Kremlin.ru
Der russische Autobauer Lada baut jetzt auch grüne Autos.

E-Mobilität ist für die Energiesupermacht im Osten noch immer eine exotische Angelegenheit. Die Regierung will das mit einem großangelegten Programm ändern.

Es hätte wohl wenige noch schrägere Gelegenheiten gegeben für den Lada-Hersteller AvtoVAZ, um seine Neuheit zu präsentieren. Es war weder eine große Automesse, noch ein Besuch des Präsidenten in der Fabrik an der Wolga. Ausgerechnet auf dem Liedermacher- und Poesiewettbewerb für Mitarbeiter des staatlichen Nuklearmonopolisten Rosatom mit dem vielsagenden Namen U235, der für ein Uran-Isotop steht, zeigte Lada seine Weltneuheit: den Vesta EV mit elektrischem Motor und Lithium-Akkus.

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Mit einer Reichweite von 170 Kilometern pro Akkuladung liegt der Prototyp noch weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz. Dass die Lada-Macher mit dem Vesta EV sicherlich keine großen Gewinnaussichten verbinden, zeigt jedoch schon die Wahl des Präsentationsortes zeigt. Denn die Elektromobilität in Russland ist nicht weniger exotisch als ein Liedermacher-Fest mit dem Namen eines radioaktiven Elements. Im ersten Halbjahr wurden laut Branchendienst Autostat nur 31 Autos mit elektrischem Motor verkauft, darunter 15 Tesla S.

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Vergünstigungen für E-Autos

Doch nach den Plänen der russischen Regierung soll sich dieser Zustand bald ändern. Bereits im Januar hat Russlands Präsident Wladimir Putin eine Strategie in Auftrag gegeben, wie das Land bis zum Jahr 2025 die E-Mobilität fördern kann, bis hin zur Serienproduktion von Elektroautos. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die kürzlich beschlossene Abschaffung der Einfuhrzölle für Elektroautos von bisher 17 Prozent, die vorläufig bis zum Jahr 2017 gilt. Diese Zölle hatten laut Tesla-Importeur Jan Sawasch den Verkauf dieser Autos im ersten Halbjahr fast zum Erliegen gebracht. Nun könnten die Zulassungszahlen wieder anziehen. Der US-amerikanische Hersteller gab unterdessen bekannt, bis Ende des Jahres fünf Ladestation zwischen den Metropolen Sankt-Petersburg und Moskau zu installieren.

 

Stromer sind teuer

Doch die Pläne der Regierung gehen noch weiter. Im Juli berichtete die Wirtschaftszeitung Kommersant unter Berufung auf Regierungsdokumente, dass Besitzer von Elektroautos deutliche Vergünstigungen erhalten sollen. Die Rede ist nicht nur von einer Kfz-Steuer-Befreiung, sondern auch von der kostenlosen Nutzung bezahlpflichtiger Straßen, Parkplätzen sowie dem Recht auf die Nutzung spezieller Verkehrsspuren, die in großen Metropolen Russlands für den Nahverkehr reserviert sind. Ein weiterer zentraler Punkt des Dokuments beinhaltet den Abbau bürokratischer Hürden bei der Einrichtung von Ladestationen für Elektroautos.

Ob es auch russische Elektroautos wie der Lada Vesta EV in naher Zukunft auf die Straße schaffen, bleibt allerdings fraglich. Laut AvtoVAZ könnte der Elektrolada rund 35.000 Euro kosten – etwa fünfmal so viel wie die Benzinvariante des Fahrzeugs, das ohnehin schon der teuerste Wagen einer heimischen Marke ist. 

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Elektromobilität | Lada | Vesta EV | Tesla
Ressorts:
Governance

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