Der Energiekonzern RWE zeigt sich von der Corona-Krise unbeeindruckt. Der Versorger verdiente im ersten Halbjahr 2020 mehr Geld und musste nicht wie sein früherer Konkurrent Eon die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei von Januar bis Juni um 18 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. An der geplanten Anhebung der Dividende auf 0,85 Euro je Aktie für das laufende Geschäftsjahr, von der viele Kommunen als RWE-Miteigentümer profitieren, hält das Unternehmen fes

Verantwortlich für das bessere Ergebnis waren mehrere Faktoren: Neben guten Windbedingungen erhält RWE auch wieder Zahlungen aus dem britischen Kapazitätsmarkt für das Vorhalten von Stromreserven. Außerdem hat der Konzern neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Die Stromerzeugung aus Kohle und Kernenergie profitierte von höheren Preisen, die sich RWE durch längerfristige Verträge gesichert hatte.

Kohle hat stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt

Insgesamt produzierte RWE aber mit 64,5 Milliarden Kilowattstunden 12 Prozent weniger Strom als im Vorjahreszeitraum. Vor allem weil Braun- und Steinkohlekraftwerke erheblich weniger liefen als im ersten Halbjahr 2019. Kohle hat in diesem Jahr gegenüber Gas stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Durch die Übernahme der erneuerbaren Energien von Eon war ein knappes Viertel der RWE-Erzeugung den Angaben zufolge Ökostrom. In Essen verweist man stolz darauf, dass Erlöse aus Kohlestrom und sonstigen Kohleprodukten nur noch 22 Prozent am Konzernumsatz ausmachen.

Die falsche RWE-Grafik auf Twitter wurde inzwischen korrigiert. Screenshot: bizz energy Allerdings ist der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung mit 26 Prozent nach wie vor größer als der Anteil der Erneuerbaren mit 24 Prozent – auch wenn das mal anders verkauft wird. So hatte der Konzern in einem Tweet zu seinen heute veröffentlichten Halbjahres-Zahlen eine Grafik zur eigenen Stromproduktion veröffentlicht, die in Sachen erneuerbarer Stromprodukion irreführend war. Der Anteil erneuerbarer Stromproduktion wurde darin gegenüber der Stromerzeugung aus Kohle deutlich zu groß dargestellt. Die Grafik ist mittlerweile korrigiert.

Sebastian Rötters von der Umweltschutzorganisation Urgewald kritisierte neben dem ursprünglichen Tweet als Greenwashing-Versuch vor allem auch die Entschädigungszahlungen für den Kohleausstieg: „Die Zahlen zeigen, dass die Kohle aktuell – auch Corona-bedingt – zunehmend durch Erneuerbare aus dem Markt gedrängt wird. Die Bundesregierung muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie RWE dafür noch Milliarden hinterherwirft“, so Rötters. Die EU-Kommission solle vor diesem Hintergrund genau prüfen, ob es sich hierbei um unerlaubte Beihilfen handelt.

RWE erwartet Entschädigungen von 2,6 Milliarden Euro

Im Zuge des Kohleausstiegs wird RWE von Ende dieses Jahres an schrittweise seine noch laufenden Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier abschalten. Dafür erhält RWE Entschädigungen von 2,6 Milliarden Euro. Im Gegenzug will der Stromriese nun grün werden.

RWE wolle seinen „Platz unter den weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien weiter festigen“, sagte Finanzchef Markus Krebber, der im kommenden Jahr neuer Vorstandsvorsitzender werden soll. Zuletzt hatte RWE die Übernahme des Entwicklungsgeschäfts für Onshore-Windkraft- und Solarprojekte des angeschlagenen Windradbauers Nordex angekündigt. Nordex soll dafür nach Angaben von Krebber etwa 400 Millionen Euro erhalten.

ck/dpa

Trotz aller Krisen: Die Aussichten für RWE und seine Aktionäre sind gut – auch dank Entschädigungszusagen für den Kohleausstieg.
Trotz aller Krisen: Die Aussichten für RWE und seine Aktionäre sind gut – auch dank Entschädigungszusagen für den Kohleausstieg. (Foto: iStock)