Unternehmen
20.04.2016

RWE setzt alles auf Staatshilfe

Fotos: RWE
RWE-Chef Peter Terium verteidigte auf der Hauptversammlung auch den Sparkurs des Konzerns.

Aus eigener Kraft wird sich der taumelnde Energieriese RWE nicht mehr stabilisieren. Auf diese verzweifelte Botschaft lässt sich die Rede von Vorstandschef Peter Terium am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Essen reduzieren.

 

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Teriums Dilemma: Mit dem reinen Verkauf von Strom macht kaum noch ein Kraftwerk in Deutschland Geld. Der Börsenstrompreis notiert an einigen Tagen inzwischen unter 20 Euro pro Megawattstunde, das ist noch einmal ein Drittel unter dem ohnehin schon geringen Niveau vor einem Jahr.

 

Kapazitätsmarkt als vermeintliches Heilmittel

„Wenn sich das niedrige Strompreisniveau nachhaltig etabliert, wird die konventionelle Stromerzeugung wirtschaftlich kollabieren. Niemand wird dann investieren, um ausreichend Back-up-Kapazitäten für die Erneuerbaren vorzuhalten. Die Versorgungssicherheit in Deutschland wäre in höchster Gefahr“, sagte der Vorstandsvorsitzende von RWE vor seinen Aktionären.

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Das Schreckgespenst vom Stromausfall malt die alte Energiewirtschaft gerne an die Wand, um neue Beihilfen einzufordern oder zumindest zusätzliche Abgaben abzuwehren. Neu ist im Fall RWE, wie sicher sich der Konzern inzwischen gibt, dass die Politik tatsächlich einen sogenannten Kapazitätsmarkt einführen wird.

Terium sagte in Essen, er glaube nicht, dass sich der Strompreis erholen wird. „In diesem Fall bin ich mir sicher: Es führt kein Weg an einem Kapazitätsmarkt vorbei.“

 

Umweltverbände rufen zu Divestment auf

Eine so weitreichende Reform wird es allerdings auf absehbare Zeit nicht geben. Der Bundestag berät zwar zurzeit ein neues Strommarktgesetz. Das sieht immerhin Zahlungen für alte Braunkohlekraftwerke vor, von denen hauptsächlich RWE profitiert. Doch schon diese Finanzspritze könnte die EU als unerlaubte Beihilfe einstufen. Auf eine weitreichende, europäische Neuregelung des Strommarktes werden die angeschlagenen Energieriesen noch Jahre warten müssen.

Umweltverbände machen derweil mit dem neuen Kampfbegriff „Divestment“ Front gegen RWE und andere große CO2-Verursacher. Mit einer aufblasbaren Kohlenstoffblase vor der Hauptversammlung in Essen riefen sie die kommunalen Anteilseigner des Konzerns dazu auf, ihre Aktien zu verkaufen. Andernfalls werde der Konzern den Ruhrgebietsstädten weitere Verluste bescheren, glaubt das Aktionsbündnis Fossil Free.

Manuel Berkel
Keywords:
RWE | Strommarktgesetz | Hauptversammlung | Kapazitätsmärkte
Ressorts:
Finance | Markets

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