RWE trifft kurz vor möglichen Sanktionen gegen Russland eine Verkaufsvereinbarung über seine Öl- und Gasfördertochter Dea mit dem Investmentfonds Letter One des russischen Milliardärs Michail Fridman. 5,1 Milliarden Euro soll der angeschlagene Essener Energieversorger durch die Transaktion bereits in den nächsten Monaten erhalten. Im Kaufpreis sind Schulden von rund 600 Millionen Euro enthalten.

„Wir haben die Bundesregierung im Rahmen des für eine Transaktion dieser Größe Üblichen unterrichtet und haben keine Anzeichen, dass die Bundesregierung einen Einspruch erheben will“, hieß es bei RWE laut Nachrichtenagentur Reuters. Die Zustimmung des RWE-Aufsichtsrats sowie der Behörden mehrerer Länder steht noch aus.

Die Verhandlungen hatten bereits 2013 begonnen, als es noch keine Krim-Krise gab, schreibt Reuters. Terium hatte einen Verkauf von RWE Dea bis Mitte dieses Jahres angekündigt. Dass dieser nun kurz vor möglichen Sanktionen der EU und der USA gegen Russland über die Bühne ging, ist sicherlich kein Zufall. Der von Verlusten gezeichnete Energieversorger will offenbar von vornherein Nachteile ausschließen, sollte es etwa zu Einreiseverboten und Kontensperrungen russischer Staatsangehöriger kommen.

Ob es andere Kaufangebote gegeben hat und wie hoch diese gewesen sein könnten, ist nicht bekannt. Letter One habe aber das umfassendste Angebot gemacht, sagte ein weiterer Insider Reuters.

Der Investmentfonds mit Sitz in Luxemburg wolle die RWE Dea-Zentrale in Hamburg erhalten. Die Übernahme von Dea sei der erste Schritt in das Öl- und Gasgeschäft. 20 Milliarden Dollar (rund 14,4 Milliarden Euro) sollen in internationale Öl- und Gasprojekte investiert werden, Fridman hatte dafür 2013 den Fonds „L1 Energy“ gemeinsam mit dem russischen Milliardär German Khan aufgelegt.

Die RWE Dea hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika und betreibt Förderanlagen sowie in Deutschland große unterirdische Erdgasspeicher.

RWE Konzernzentrale Essen; Dea-Zentrale Hamburg (RWE (2))