Saudi-Arabien
28.04.2016

Saudis streichen die Solar-Revolution

foto: Masdar/ Clément Tardif; deposit
Wohin die Reise beim Ausbau der Erneuerbaren in Saudi-Arabien geht, ist noch nicht ausgemacht.

Anfang der Woche verkaufte Saudi-Arabien seinen Ausbau Erneuerbarer als großen Wurf. Tatsächlich rudert das Königreich damit zurück – und kürzt sein 2013 verkündetes Ausbauziel von 54 Gigawatt bis 2032 auf nur noch ein Sechstel.

 

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Das traditionell auf Öl- und Gas setzende Saudi-Arabien hat angekündigt, bis 2030 rund 100 Milliarden US-Dollar für den Zubau von 9,5 Gigawatt Erneuerbaren-Anlagen in die Hand nehmen zu wollen. Die Medien lobten diesen Schritt überschwänglich. Tatsächlich ist das neue Ziel alles andere als ein großer Wurf. Sondern ein Schritt zurück.

Laut dem zu Wochenbeginn veröffentlichten Modernisierungsplan „Vision 2030“ von Königssohn Mohammed bin Salman sollen bis 2030 rund 9,5 Gigawatt (GW) Erneuerbare zugebaut werden. Zum Vergleich: So viel errichtet Deutschland in etwa in zwei Jahren.

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Damit senkt die Regierung die Erneuerbaren-Ziele drastisch. Der 2015 verstorbene König Abdullah hatte noch das Sechsfache bis 2032 angekündigt, wie ein 2013 veröffentlichtes Whitepaper des King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy (K.A. CARE) zeigt, das den Ausbau von Grünstrom-Anlagen und Kernenergie vorantreiben soll. 
„Das K.A. CARE verabschiedete 2013 einen Plan, der einen Erneuerbaren-Zubau von 54 Gigawatt bis 2032 vorsah“, sagt Sebastian Sons, der bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) die Entwicklungen in Saudi-Arabien beobachtet.

Schon im vergangenen Jahr kündigte sich an, dass dieses ehrgeizige Ziel wohl nicht zu halten ist. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit verschob das K.A. CARE das 54 GW-Ausbauziel in die Zukunft ­– auf das Jahr 2040. Doch auch das klingt weitaus ambitionierter als die jüngst veröffentlichten Pläne. Sons glaubt deshalb: „Bei K.A. Care handelt es sich um einen zahnlosen Tiger. Die Öl-Lobby ist weiterhin sehr stark“, ergänzt er. „Das behindert den Ausbau Erneuerbarer.“

 

Medial gefeiert – trotz Rückschritt

Fakt ist: Trotz riesiger Solarstrompotenziale dümpelt der Erneuerbaren-Anteil aktuell bei einem Prozent. Königssohn Mohammed bin Salman will offenbar weg von dem schmutzigen Öl-Image. Deshalb verkauft er die Ausbauziele seines Landes, in dem der Reichtum an Öl und Gas zur nationalen Identität gehört, als Richtungswechsel.

Doch der wird schwer gelingen, glaubt DGAP-Experte Sons. Unabhängig von den variierenden Ausbauzielen sieht er noch weitere Hürden beim Umbau der saudi-arabischen Energieversorgung. Im Land herrsche ein Kompetenzgerangel, sagt er. Nirgends sei geregelt, welche Institution federführend die Ökostromprojekte antreiben solle: K.A. CARE oder der von bin Salam geleitete Wirtschaftsrat. Auch sei noch unklar, welche Rolle der staatseigene Öl- und Gaskonzern Saudi Aramco künftig spielen werde. „Viele Ökostrom-Projekte sind deshalb zwar geplant, aber nie realisiert worden“, sagt Sons. Das liege auch an einem fehlenden Einspeisegesetz, das Abnahme und Verkauf von Grünstrom unterstützen würde.

 

Druck von innen und außen steigt

Am Ende könnten die – mittlerweile offenbar an die Realität angepassten Pläne ­– zur Reduzierung der Öl-Abhängigkeit also erneut scheitern. Dagegen spricht jedoch: Der ressourcenreiche Staat gerät zunehmend unter Druck – von innen und außen. Der heftige Preisverfall beim Rohöl trifft das Land ins Mark. Das Jahr 2015 schloss Saudi-Arabien mit einem Rekorddefizit im Staatshaushalt ab. Will das Königshaus keinen politischen Aufstand der Bevölkerung riskieren, müssen neue Geldquellen her. 

Und noch etwas beflügelt die Aufbruchstimmung: Seit dem Ende Dezember vergangenen Jahres in Paris verabschiedeten Klimaabkommen geraten fossile Rohstoffe zunehmend in Verruf. Das spürt auch Saudi-Arabien. Um auf der Bühne der internationalen Klimapolitik nicht vollends ins Abseits zu geraten, muss das arabische Königreich einen guten Willen beim Umbau seiner Wirtschaft signalisieren. Den guten Willen dazu hat bin Salam mit der Vision 2030 schon als öffentlichen Coup verkauft – wie der mediale Widerhall auf seinen Modernisierungsplan in der vergangenen Woche zeigte. Ob aus den Plänen tatsächlich stromproduzierende Solaranlagen und Windräder werden, zeigen vielleicht die Konkretisierungen der Pläne, die laut Kabinett in vier bis sechs Wochen vorliegen sollen.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Saudi-Arabien | Erneuerbare | Asubauziele | Vision 2030 | Öl | K.A.CARE
Ressorts:
Governance

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