Der Stromübertragung mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik (HGÜ) kommt bei der Integration von erneuerben Energie eine elementare Rolle zu. Sie sind in der Lage, anders als Wechselstromleitungen, Strom über längere Strecken ohne nennenswerte Verluste zu transportieren. Mit dem Ausbau der Windstromerzeugung auf hoher See steigt der Bedarf an leistungsfähigen Transportleitungen. Die Verbraucher, etwa Industriebetriebe, die zwei Drittel des Stromverbrauches ausmachen, sitzen vorwiegend im Süden Deutschlands.

Beim Anschluss der deutschen Windparls setzen die Betreiber ohnehin auf HGÜ-Technik, denn anders als etwa in Großbritannien enstehen die Windparks hierzulande wegen der gesetzlichen Vorgaben mindestens 40 Kilometer vor der Küste. Die HGÜ-Technik ermöglicht einen verlustarmen Abtransport des Stromes. Alf Henryk Wulf, Deutschland-Chef des ABB-Konkurrenten Alstom, schätze das Marktvolumen für die HGÜ-Technik im Interview mit BIZZ energy today in Deutschland kürzlich auf 30 Milliarden Euro.

Bisher gab es bei der Technik aber ein Problem: Sie ließ sich nur bei Punkt-zu-Punkt-Verbundungen realiseren. Ein komplettes HGÜ-Netz ließ sich deshalb nicht aufbauen. Es gab keinen Schutzschalter, der das Netz bei Leistungsabfällen vor dem Zusammbruch bewahrte. Diesen Schalter will ABB nun entwickelt haben. Er kann das Netz innerhalb weniger Milisekunden unterbrechen. Ein 100 Jahre altes Rätsel sei damit gelöst, verkündet ABB stolz. Dieser historische Durchbruch macht es möglich, das Netz der Zukunft zu errichten, sagte ABB-Vorstandschef Joe Hogan.