Polen will künftig seine Abhängigkeit von russischem Gas und von der umweltschädlichen Kohle reduzieren. Nach dem Willen der polnischen Regierung sollen Schiefergas und Kernenergie an ihre Stelle treten. 

Krzysztof Kilian, CEO des staatlichen Energieunternehmens PGE, fordert nun laut Nachrichtenagentur Reuters eine Entscheidung: „Es können nicht beide Programme gleichzeitig erfolgreich sein, eines schließt das andere aus." Kilian werden enge Verbindungen zu Ministerpräsident Donald Tusk nachgesagt. Sein Konzern soll den Bau des ersten polnischen Atomkraftwerks umsetzen. Derzeit laufen Gespräche über Ausschreibung und Finanzierung des Projekts. Der ursprünglich anvisierte Betriebsbeginn des ersten Blocks für 2020 gilt indessen als nicht mehr realistisch. 

Killians Äußerung kommt etwa zwei Wochen nach einer Rede des Ministerpräsidenten Tusk, in der dieser die Schiefergas-Ambitionen des Landes betont, das Atomprogramm allerdings nicht erwähnt hatte. Tusk rechnet demnach allein aus dem Ausland mit Investitionen ins Schiefergas von 12 Milliarden Euro bis 2016. Von den heimischen Unternehmen sollen weitere 1,2 Milliarden Euro dazu kommen. Auch PGE finanziert Explorationen nach Schiefergas mit.

Aus den Äußerungen des Regierungschefs ergaben sich bereits Spekulationen, das Land wolle sein Atomprogramm gänzlich fallen lassen. In Polen herrscht nach der Katastrophe in Fukushima große Skepsis. Gleichzeitig werden gerade in Polen große Schiefergasvorkommen vermutet. Nach Untersuchungen der US-amerikanischen Energy Information Association sei mit 5,5 Billionen Kubikmetern zu rechnen, genug, um den polnischen Bedarf über 300 Jahre zu decken.