Fracking
10.07.2013

Schiefergasförderung in Deutschland lohnt nicht

Foto: depositphotos

Die Schiefergasförderung hat die US-Wirtschaft innerhalb weniger Jahre deutlich wettbewerbsfähiger gemacht. Ein ähnlicher Effekt ist in Deutschland nicht zu erwarten, sollte es auch hier mit dem Fracking losgehen, wie eine aktuelle Studie der Bank Berenberg und des HWWI zeigt, die BIZZ energy today vorab vorlag.

Die Schiefergasförderung sorgt in den USA seit Mitte der 2000er Jahre für einen Wandel in der Energielandschaft. Die neue Gasschwemme ließ den US-Gaspreis um rund 75 Prozent sinken. Die Folge: Günstige Strompreise. Energieintensive Branchen wie die US-Chemieindustrie stehen seitdem im internationalen Wettbewerb deutlich besser da. Branchenriesen wie Dupont oder Dow Chemical investieren fleißg. Mehr als 1,7 Millionen Jobs sind seit Beginn der Schiefergasförderung in der US-Fracking-Branche neu entstanden. Die USA stehen vor einer Reindustralisierung, sagt Wolfgang Pflüger, Volkswirt bei der Privatbank Berenberg. In die Fracking-Branche flossen allein 2012 Investitionen von 140 Milliarden US-Dollar.

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Wegen des seit 2005 deutlich gestiegenen Anteils von Erdgas am US-Strommix sanken zudem die Emissionen der größten Volkswirtschaft der Welt. Zudem schwingen sich die Vereinigten Staaten Stück für Stück zum Energieexporteur auf. Gas fließt bereits nach Kanada und Mexiko. Die Kohle, die in der Heimat nicht mehr gebraucht wird, landet auf dem Weltmarkt und führte nicht zuletzt zu einer wachsenden Kohleverstromung in Europa und Deutschland. Gleichzeitig sanken die Ölimporte der USA 2013 auf den niedrigsten Stand seit 1996. Und der Boom scheint kein Ende zu haben. 

Hoffen auf das deutsche Schiefergas

Wenig verwunderlich, dass auch diesseits des Atlantiks die Hoffnungen auf ein Stück vom Schiefergaskuchen wachsen. Unternehmen wie Exon wollen auch in Deutschland in die Schiefergasförderung einsteigen. Die Vorkommen werden hierzulande auf 1,3 Billionen Kubikmeter geschätzt, rund 10 Prozent davon lassen sich wirtschaftlich fördern. Zum Vergleich: In China liegen die Vorkommen bei 8,6 Billionen Kubikmeter.

Allein, einen Boom der Industrie wie in den USA kann Fracking in Deutschland nicht auslösen. Dies zeigt die aktuelle Studie  „Strategie 2030 - Fracking“ des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) in Zusammenarbeit mit der Bank Berenberg. Beschäftigungseffekte, wie sie in den USA in großem Maße entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu beobachten waren, seien in Deutschland nicht zu erwarten, heißt es darin. Fracking macht ökonomisch in Deutschland keinen Sinn, sagt HWWI-Direktor Thomas Straubhaar. Die Vorkommen seien schlichtweg zu gering, die Kosten für die Förderung zu hoch  unter anderem wegen strengerer Umweltauflagen.

Indirekte Effekte

Die Autoren empfehlen, vorschnelles Handeln beim Fracking zu vermeiden. Eine Mögliche Verschmutzung des Grundwassers durch die Förderung hätte gerade in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte negative Folgen. Die Bundesregierung hat eine Entscheidung über neue Fracking-Regeln zuletzt vertagt. Die Politiker sollten aufhören, über etwas zu streiten, was in Deutschland kein Thema ist, rät HWWI-Direktor Straubaar.

Nach Ansicht der Studienautoren kann Deutschland allerdings auf indirekte Effekte hoffen, wenn auch Staaten wie China, Mexiko oder die Ukraine in die Schiefergasförderung einsteigen und damit das Gasangebot auf dem Weltmarkt wächst.  Wenn die USA und andere Länder Gas exportieren, wird die Bereitschaft Russlands steigen, die Öl-Preisbindung beim Erdgas zu lockern, sagt Studienleiter Michael Bräuninger vom HWWI. Erste Anzeichen dafür seien bereits zu beobachten. Die Folge wären sinkende Preise. „Es ist aber ein langsamer Prozess“, betont Bräuninger.

Sinkende Spritpreise?

Seiner Ansicht nach könnte langfristig sogar der Ölpreis sinken beziehungsweise nicht mehr drastisch steigen. Dann nämlich, wenn die USA ihre Fahrzeugflotte auf das heimische und emissionsärmere Erdgas umstellen. Der Ölverbrauch würde sinken und damit auch die Nachfrage auf dem Weltmarkt. „Dann könnte sogar der Benzinpreis sinken“, prognostiziert Bräuninger. Aber auch dies sei eher ein Prozess von Jahren.

Karsten Wiedemann
Keywords:
Fracking | USA | EU | Energiepolitik
Ressorts:
Markets

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