Elektromobilität
12.08.2016

Schweizer schlagen Tesla

Foto: Gotthard Fast Charge
Die Hochleistungs-Ladesäule an der Autobahnraststätte Stalvedro im Schweizer Tessin.

Beim Laden von Elektroautos liegen die Schweizer gerade ganz vorne. Am Gotthard-Tunnel ist eine Ladestation in Betrieb gegangen, die noch leistungsstärker ist als die Supercharger von Tesla.

Der neue Gotthard-Basistunnel ist eine in Stein gehauene Spitzenleistung, doch kurz vor seinem südlichen Eingang gibt es seit wenigen Tagen eine weitere, wenn auch deutlich kompaktere technische Neuheit zu entdecken. Die Firma Gotthard Fastcharge hat an einer Raststätte im Tessin eine Ladesäule für Elektroautos in Betrieb genommen, die auf eine Leistung von bis zu 150 Kilowatt (kW) kommt. Schnellladesäulen an deutschen Autobahnen erreichen dagegen lediglich 50 kW und selbst der Supercharger von Tesla schafft nur 120 kW.

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Entwickelt haben die Ladesäule die Luzerner Firma Evtec zusammen mit der Universität Stuttgart und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Um Strom für 100 Kilometer Reichweite zu tanken, bräuchten Elektroautos an der Ladesäule lediglich zehn Minuten. Der Konjunktiv ist bewusst gewählt, denn noch gibt es gar keine Fahrzeuge, die solch hohe Leistungen verkraften oder benötigen. Die 150-kW-Klasse wurde konzipiert, um die leistungsfähigeren Akkus der nächsten Generation von Elektroautos zu betanken. Mit einer Akkuladung sollen Fahrer dann mehrere hundert Kilometer weit kommen statt etwa einhundert wie bei den derzeitigen Modellen.

 

E-Autos der nächsten Generation kommen 2018

Als wahrscheinlich erster Hersteller wird Audi 2018 ein Modell für das Hochleistungs-Laden auf den Markt bringen, den Q6 e-Tron. Kurz darauf will Porsche den Mission E mit einer Reichweite von über 500 Kilometern an die kaufkräftige Kundschaft ausliefern.

Gotthard Fastcharge geht voraus und will in der Schweiz bis Ende kommenden Jahres insgesamt 20 Hochleistungs-Ladestationen installieren. An deutschen Autobahnen sollen erste Stationen mit dem bis 2017 laufenden Projekt Slam ihre Plätze finden. Gefördert wird es vom Bundeswirtschaftsministerium.

Seit Mai gibt es zunächst eine Demonstrationsanlage auf dem Campus der Stuttgarter Forscher. Bis zu den Elektrofahrzeugen der nächsten Generation müssen die Super-Ladestationen übrigens nicht nutzlos herumstehen. An ihnen können auch drei Fahrzeuge mit je 50 Kilowatt geladen werden. 

Manuel Berkel
Keywords:
Elektromobilität | Ladesäule | Audi | Porsche | Schweiz
Ressorts:

Kommentare

Auf der Durchreise durch die CH habe ich das Teil gesehen. nett. nur, konnte mein Fahrzeug deshalb nicht schneller laden - wie der Artikel richtig schreibt ist das keine Investition, die heute eine Nachfrage befriedigen würde... und ob sich die Autobauer denn einst an diesem Standard (500V) für die Hochleistungs-Schnellladung orientieren bleibt offen. Neulich hat CharIn etwas den Nebel hinsichtlich Hochleistungsladestandards gelüftet und da wird eine andere Sprache Sprache gesprochen... "Hochspannung, Wasserkühlung, ..."
http://charinev.org/news-detail/news/hersteller-wollen-hochvolt-ladesyst...

Dennoch ist dieses Gerät eine gute Sache, denn es zeigt ansatzweise, in welche Richtung die Reise gehen wird.

...die 3x50kW sind leider nicht zutreffend - es hat 1XCCS, 1xCHAdeMO und AC Typ 2. Ball flach halten... und wie auf dem Bild ersichtlich bietet der Standort nur 2 Parkplätze.. Hinsichtlich Tesla darf man auch hinzu fügen, dass nicht die Summe aller Leistungen zum Vergleich heran gezogen werden sollte. Bei Tesla fliessen >100kW ins Auto, bei CCS Combo endet die heutige Spezifikation bei 100kW (500V, 200A).

Der Tag wird kommen, an dem 150-350kW möglich sein werden, die Euphorie teile ich gerne. Träumen wir von Morgen, vergessen aber bitte nicht die Bedürfnisse von heute: Mehr Schnellladepunkte für den Regionalverkehr und die eAutos von heute. 20kW, 50kW, 150kW völlig egal - einfach mehr davon.

Laut Betreiber lassen sich mit der Säule auch 150 kW laden, nicht nur 3x50 kW.

Laut Hersteller... praktisch aber nicht zutreffend. Der Standard für den CCS geht heute bis 100kW. CHAdeMO geht bis 62.5kW.
Das Gerät bietet 2 Möglichkeiten um eine DC-Ladung vor zu nehmen: 1xCCS und 1x CHAdeMO. wo bleibt das dritte Kabel für 3x50kW?

Es sind drei Kabel vorhanden (übrigens auch auf dem Foto zu erkennen). Sie bieten 150 kW DC CHAdeMO, 150 kW DC CCS und 60kW AC.

50kW oder 60kW über Typ2 bei AC-Ladung? Sorry, habe nix im Web gefunden. Dieser Hersteller spricht von 1x43kW und 1x22kW wobei die max. Performance bei Gleichzeitigkeit und 60kW endet.
150kW über CHAdeMO ab 2017 - so wird erwartet. Soviel vorweg:
"We expect first 150kW standardised chargers to be deployed in 2017"
Aber hier ist der Link zum Standardgeber: http://www.chademo.com/wp/wp-content/uploads/2016/06/2016-06-01_High_pow...

AC- und DC-Leistung zu kummulieren ist unter Berücksichtigung physikalisher Gesetzte nicht empfehlenswert. Somit bleibt es bei zwei Kabeln für DC und eines für AC. Deshalb ist hier richtig: 2x DC (CCS und CHAdeMO), 1xAC43kW und 1xAC22kW

Hallo,

sehr schön das auch schon die nächsten Generationen von e-Autos berücksichtigt werden, aber warum um alles in der Welt werden immer nur Kleinwagen, bzw. Luxuskarossen als e-Autos gebaut? So kann man keine adäquate Marktdurchdringung erreichen. Wenn das so weiter geht werden der Tesla 3 und der neue Opel Ampera die einzigen Mittelklasse Autos mit brauchbarer Reichweite sein.
An dieser Stelle sollte die Politik auch noch etwas Druck auf die Automobilindustrie ausüben.

Gruß
Andreas Dempewolf

In der Autoindustrie ist es häufig so, dass technische Innovationen zunächst in der Luxusklasse angeboten werden und mit sinkenden Herstellungskosten langfristig auch in preisgünstigeren Autos verbaut werden.

Mit 40kW-DC-Ladeleistungsspitze lädt mein e-up ganz schön flott, wenn er diese Marke auch erreicht. Der i3 nimmt vielleicht die 50kW und ist damit etwas eher fertig geladen. Es soll auch schon Fahrzeuge geben, welche auf dem asiatischen Stecker gegen 60kW gehen. Mit rund 12kWh/100km ist der e-up dafür einiges effizienter.
Ich frage mich nun, wem die 100++kW genau nützen –
Wenn ich richtig verstehe, soll ab 2018 ein neuer Ladestandard in den premium Autos sein und dieser ist angeblich noch nicht abschliessend niedergeschrieben.
Elektromobilität ist toll und wenn ich den Durchschnittswagen auf den Strassen definieren soll, so wäre dies ein Golf, 1er BMW oder Peugeot 308. Warum soll sich das bei der Elektromobilität in Zukunft anders verhalten? Die Kommunen sind gut beraten, wenn sie die Masse abbilden und diese sehe ich gegenwärtig nicht in Porsche, Audi oder Tesla. Lieber 3x50kW CCS und 3x50kW CHAdeMO mit 6 Ladeplätzen als 2 Parkplätze für 150kW, die heute keiner braucht.

Ich bin immer wieder beeindruckt, was da so gefeiert wird. Welche Ladeleistung eine Ladestation anbietet, hängt ausschließlich vom Netzanschluss und den Kabelquerschnitten ab. Das ist Stand der Technik von vor 150 Jahren. Zu dieser Basis kommt ein bisschen Datenverarbeitung und fertig ist das Ganze. Das technische Problem ist und bleibt die Leistungsaufnahme in der Traktionsbatterie. Hier muss die Wärme bei der Ladung weg transportiert werden, sonst fangen die Li-Zellen an zu brennen. Also große Batterien und gute Kühlung im Fahrzeug ermöglichen hohe Leistungen. Das sind die begrenzenden Faktoren.

Akkus für das Elektroauto sind blödsinn. Sinnvoll ist nur die Brennstoffzelle. Damit sind dann Reichweiten über 3000 km möglich, weil der Wirkungsgrad sehr hoch ist, der Verbrauch damit niedrig.
Das Elektroauto hat 4 einzeln lenkbare Radmotoren, einen cW wert wie ein Ei, wiegt unter 600 kg leer, beschleunigt in unter 3 s auf 100 km/h und kostet unter 15 000 €.

Die Produktion von Wasserstoff ist energetisch eine katastrophe.
Für ein Teil Wasserstoff herzustellen braucht es ca. drei Teile elektrische Energie. Somit liegt die Effizienz noch vor dem Transport zur Tankstelle und Verbrauch bei gerademal 35%...
Hierfür bräuchte es noch viele subventionierte Solarfelder, Kohlekraftwerke oder Atom-Meiler. Wasserstoff ist ein fantastischer Energieträger - hohe Energiedichte und sauber - solange mit sauberer Energie produziert - und deshalb auf absehbare Zeit in Deutschland keine vernünftige Option.

... so ist der Wirkungsgrad der reinen Brennstoffzelle schon maximal halb so gut wie der eins Akku-Charger-Systems. Das Verhältnis wir nochmals schlechter, wenn man die Herstellung des Wasserstoffs (für die Brennstoffzelle) im Vergleich zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren mit betrachtet. Auch 3.000 km sind (leider) eine Illusion - ein Fünftel davon ist realistisch. Und 15.000 € kostet die Brennstoffzelle mindestens schon alleine - ohne Auto außenrum. Die genante Gewichtangabe reicht wohl für Brennstoffzelle (mit Kühlung, Managementsystem usw.) und Wasserstofftank - auch ohne den Rest. Physik und Betriebswirtschaft stören leider so manches Wunschkonzert.

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