Digitalisierung
04.01.2019

Sebnem Rusitschka: „Die Blockchain schadet keinem“

Foto: privat
Bevor Sebnem Rusitschka Freeelio gründete, forschte sie bei Siemens unter anderem an künstlicher Intelligenz.

Die Gründerin des Energie-Start-ups Freeelio, Sebnem Rusitschka, sieht in der Blockchain-Technologie einen Innovationstreiber für Etablierte. Mit manchen Geschäftsmodellen werden sie allerdings nichts mehr verdienen, sagt die Expertin im Interview.

Ist die Blockchain ein Hype, Frau Rusitschka?
Es gibt einen Hype, wie es ihn um andere Technologien zuvor auch gab, zum Beispiel Big Data oder Künstliche Intelligenz. Bei der Bereitstellung von IT-Diensten durch Cloud Computing hatten wir sogar dieselben Debatten: Damals ging es um Chancen und Risiken von privaten und öffentlichen Clouds, heute um die Vorteile und Nachteile von privaten und öffentlichen Blockchains.

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In welchen Bereichen der Energiewirtschaft ist die Blockchain sinnvoll?
Unbestreitbar ist: Diese Technologie steigert Sicherheit und Effizienz bei organisationsübergreifenden Prozessen, die einen hohen Koordinierungsaufwand über viele Parteien um dieselben Daten mit sich bringen – zum Beispiel Zahlungsprozesse. Immer deutlicher zeichnen sich aber komplett neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle ab, die sich ergeben, weil wir durch Blockchain-Technologie jegliche Werte (Assets) digital erfassen und deren Austausch komplett digitalisiert abwickeln können. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern extrem spannend für neue Player im Energiesektor.

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Wem nützt diese Technologie?
Wenn der Durchbruch gelingt, vor allem Endnutzern. Aktuell erlaubt die Technologie innovativen Akteuren und neuen Playern, kostengünstigere,  aber vor allem anders gestrickte Produkte zu konzipieren. Die Regulierungsbehörden können ebenfalls von der Blockchain-Technologie profitieren, da energiewirtschaftliche Transaktionen deutlich transparenter abgewickelt werden können. So sind beispielsweise Herkunftszertifikate oder Anlagenregister Nebenprodukte einer Blockchain-fähigen Energieinfrastruktur.

Wem schadet sie?
Ehrlich gesagt, keinem. Natürlich werden etablierte Unternehmen in Zukunft mit manchen Geschäftsmodellen kein Geld mehr verdienen. Aber das heißt nur, dass sie auch innovativer werden müssen. Innovation hat noch keinem geschadet. Zu langes Abwarten schon. Ein Beispiel: Der Kommunikationsdienst Skype hat ein Geschäftsmodell der Deutschen Telekom, mit Ferngesprächen viel Geld zu verdienen, vernichtet – nicht aber die Telekom selbst.

Wann wird der Blockchain der Durchbruch gelingen?
Erst, wenn der Bedienkomfort sich deutlich steigert. Aktuell befinden wir uns im Early-Adopter-Stadium, wo es nur wenige höchstinteressierte beziehungsweise technikaffine Nutzer gibt. Erst wenn wir es mit diesen frühzeitigen Anwendern gemeinsam schaffen, die Technologie für den Massenmarkt nutzbar zu machen, wird der Durchbruch kommen. Die Regulierungsbehörden spielen dabei eine große Rolle: Sie müssen sich wie Early Adopter verhalten, damit die Wirtschaft und der Endnutzer von dem Durchbruch dieser neuen digitalen Art, Geschäfte zu machen, profitieren können.

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Carsten Kloth
Keywords:
Digitalisierung | Blockchain
Ressorts:
Technology

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