Luftfahrt
31.01.2018

Senfsamen sollen Biosprit für Flugzeuge salonfähig machen

Foto: Creative Commons/Masakatsu Ukon, Startseite: Sanjay Achary
Neue Chance für Biokerosin? Die australische Fluggesellschaft Qantas setzt auf Senfsamen-Öl

Biokraftstoff hat sich in der Luftfahrt bisher nicht durchgesetzt. Die australische Fluggesellschaft Qantas versucht es nun mit einer neuen pflanzlichen Beigabe zum Kerosin: Senfsamenöl. Bei Lufthansa bleiben Biospritpläne derweil in der Schublade.

Biotreibstoffe sollen helfen, das Klima zu schützen, sind aber höchst umstritten: Die EU will insbesondere Palmöl aus dem Kraftstoff-Mix verbannen, da für dessen Produktion Wälder auf der Südhalbkugel abgeholzt werden. In der Luftfahrt wächst das Interesse an CO2-ärmeren Treibstoffen auf Pflanzenbasis dennoch. Die Branche steht unter Druck: Flugzeuge zählen zu den größten Klimaschädigern der Transportwirtschaft, und die UN-Zivilluftfahrtorganisation ICAO rechnet wegen des wachsenden Flugverkehrs mit einer Vervierfachung des CO2-Ausstoßes bis 2050. (Lesen Sie auch: Norwegen elektrifiziert alle Kurzstreckenflüge bis 2040)

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Die australische Fluggesellschaft Qantas Airways hat ihrem Flugbenzin nun erstmals zehn Prozent Biosprit aus Senfsamen auf einem Flug von Sydney nach Los Angeles beigemischt. Damit hat sie nach eigenen Angaben sieben Prozent weniger CO2 ausgestoßen als mit normalem Flugbenzin. Das Öl aus den Senfsamen der Sorte Brassica Carinata soll künftig ohne negative Umweltfolgen gewonnen werden: Laut Qantas lässt sich der Anbau der Senfpflanze leicht in die landwirtschaftliche Fruchtfolge auf australischen Weizenfeldern eingliedern. Brassica Carinata im Wechsel mit Weizen anzubauen helfe dem Boden, sich von der intensiven Bewirtschaftung zu erholen.

 

Konkurrenz um Anbauflächen

 

Qantas will die Senfsamenproduktion gemeinsam mit australischen Landwirten bis 2020 standardisieren und mit dem kanadischen Unternehmen Agrisoma eine Raffinerie für die Herstellung des Biokraftstoffs bauen. Mit der Entscheidung für Senfsamen versucht die Fluggesellschaft, die vielfach angeprangerte Verdrängungswirkung des Energiepflanzenanbaus zu vermeiden. Häufig geraten Nahrungsmittelproduktion und Biospriterzeugung in Konkurrenz um Agrarflächen.

 

Qantas dürfte mit der Wahl der Brassica Carinata in der Lage sein, auch Naturschützer zu beschwichtigen, da sie in Australien angebaut werden soll und keine zusätzlichen Agrarflächen benötigt. Rund 100 Nichtregierungsorganisationen haben sich im vergangenen Jahr mit einem Appell gegen das ICAO-Vorhaben stark gemacht, den Anteil von Biokraftstoffen deutlich zu erhöhen. Sie befürchten, dass insbesondere für zusätzlichen Anbau von Palmöl-Pflanzen noch größere Flächen Regenwald gerodet werden.

 

Airlines im Klimarisiko

 

Die börsennotierte Fluggesellschaft dürfte nicht allein ethische Beweggründe für ihren Biosprit-Vorstoß haben: Hochgradig klimabelastende Geschäftsmodelle werden für Unternehmen zunehmend zum Risiko, wie die jüngsten Klagen von Umweltschutzorganisationen gegen internationale Ölkonzerne und der Trend zum Divestment zeigen. Dabei ziehen sich Anleger aus Aktien von Öl- und anderen besonders CO2-intensiven Unternehmen zurück. (Lesen Sie auch: Ölkonzerne suchen ihre Zukunft)

 

Auch europäische Airlines, darunter KLM aus den Niederlanden und die Deutsche Lufthansa, haben mit Biosprit-Zusätzen zum Flugbenzin experimentiert. Lufthansa testete nach eigener Aussage als erste Fluggesellschaft der Welt 2011 biosynthetischen Kraftstoff im Linienbetrieb zwischen Hamburg und Frankfurt. 2016 folgte ein Projekt, bei dem Lufthansa-Maschinen am Flughafen Oslo mit Biokerosin betankt wurden, 2017 dann ein ähnliches Projekt am Flughafen Chicago.

 

Lufthansa: derzeit kein Biosprit-Projekt

 

Allerdings liegt das Thema nun auf Eis. Für das Unternehmen seien gesicherte Qualität und Versorgung, Nachhaltigkeit in der Produktion und Wirtschaftlichkeit "unabdingbare Faktoren für den Einsatz alternativer Kraftstoffe", sagte Lufthansa-Treibstoff-Manager Thorsten Luft im vergangenen Jahr. Gegenwärtig seien diese Faktoren aber nicht gegeben, erläutert ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage des Magazins bizz energy. Die Testphase sei abgeschlossen. Wie und wann es weitergehe, sei nicht entschieden.

 

In Deutschland wird zumindest weiter geforscht, unter anderem an Leindotter (Camelina sativa). Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die US-Weltraumbehörde Nasa testen vom Luftwaffenstützpunkt Ramstein aus derzeit alternative Kraftstoffe. Dabei misst ein Laborflugzeug den Ausstoß einer vorausfliegenden Maschine. Diese verbrennt unter anderem Biosprit aus Leindotterpflanzen.

 

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Christian Schaudwet
Keywords:
Biosprit | Luftfahrt | Flugverkehr
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