Erneuerbare Energien
27.03.2018

Shell-Szenario: Klimaschutz braucht Wasserstoff und Biokraftstoffe

Foto: ITM Power
Neue H2-Zapfsäule von Shell und ITM Power in Beaconsfield

Nach einer Prognose des Öl-Riesen Shell müsste Wasserstoff eine deutlich größere Rolle spielen, um die Erderwärmung zu begrenzen. Auch moderne Biokraftstoffe nehmen eine wichtige Rolle ein.

In dem „Sky“ genannten Szenario geht der britisch-niederländische Ölkonzern Shell davon aus, dass sich in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Staaten von der Kohle verabschieden. Und davon, dass die Regierungen ab 2030 nach und nach einen CO2-Preis einführen – angeführt von den OECD-Staaten und China. Eine zu 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung wäre dann in den 2040er-Jahren erreicht. „Grüner“, per Elektrolyse hergestellter Wasserstoff würde in diesem Szenario eine wichtige Rolle spielen. Zunächst ließe sich für dessen Produktion die zunehmende überschüssige Energie aus Erneuerbaren nutzen. Später werde H2 zum integralen Bestandteil der Grundlastversorgung.  

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Wasserstoff könnte aus Sicht von Shell bis zum Ende des Jahrhunderts zehn Prozent des globalen Energiebedarfs decken. Außerdem ließe sich mit dem Gas ein Viertel des Verkehrs antreiben. Alte Anlagen, die bis dato für die Lagerung und den Transport von Öl und Gas verwendet wurden, könnten für Wasserstoff umfunktioniert werden. Den ersten, mit Wasserstoff betriebenen Flug prognostiziert das Szenario für das Jahr 2040. Zudem werde ab 2070 der Großteil aller Lastwagen mit H2 oder Batterien fahren. Darüber hinaus rechnet Shell damit, dass Biokraftstoffe auf Straße, Schiene und zu Wasser rapide an Bedeutung gewinnen – flüssig oder in Form von Methan.

Moderne Biokraftstoffe setzen sich ab 2050 durch

Biokraftstoffe der ersten Generation, etwa aus Zuckerrohr, würden ab Mitte des Jahrhunderts durch moderne Biokraftstoffe (etwa aus Stroh oder Holzresten) ersetzt, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel verwendbar sind. Shell kalkuliert damit, dass bis zum Jahr 2100 die Biokraftstoffproduktion ein Äquivalent von rund 30 Millionen Barrel Öl erreicht. Der Konzern treibt derzeit die Entwicklung von Biokraftstoffen voran. Zudem ist Shell einer der größten Förderer von Erdgas, mit dem Wasserstoff erzeugt werden kann. Dieser ist dann allerdings nicht grün, bei der Erzeugung werden Klimagase freigesetzt.

Auf das umweltfreundliche Elektrolyse-Verfahren setzt Shell hingegen bei einer neuen Wasserstoff-Zapfsäule. Der Konzern nahm sie an diesem Dienstag zusammen mit ITM Power in Großbritannien in Betrieb. Nach Angaben von ITM Power handelt es sich um die erste Tankstelle des Königreichs, die Wasserstoff, Benzin und Diesel zugleich anbietet. Das Gas wird vor Ort von einem Elektrolyseur aus Wasser und Strom erzeugt. Seine erste Wasserstoff-Tankstelle eröffnete Shell vor einem Jahr ebenfalls in Großbritannien. 

Begrenzung auf knapp unter zwei Grad

Damit versucht das Unternehmen den Grundstein für die zukünftige Energieversorgung im Verkehr zu legen. Dem Sky-Szenario zufolge würde die Öl-Nachfrage ab den 2020er-Jahren stagnieren und Gas in Folge eines starken Erneuerbaren-Ausbaus ab 2040 an Bedeutung verlieren. Bereits zehn Jahre zuvor würde – getrieben durch stark sinkende Preise – die Hälfte aller Autos von Batterien betrieben.

Allerdings – Wunder ließen sich so dennoch nicht vollbringen: Das Klima würde sich im Sky-Szenario immer noch um 1,7 bis 1,8 Grad erwärmen, während das Pariser Abkommen eine Begrenzung auf „deutlich unter zwei Grad“ vorsieht.

Lesen Sie auch: Gasspeicher – zweites Leben als Tank für grünen Wasserstoff

Jutta Maier
Keywords:
Shell | Szenario | erneuerbare Energien | Biokraftstoffe | Wasserstoff
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

Kommentare

„moderne Biokraftstoffe“ gibt es schon längst. Sie sind heute schon preiswerter als Treibstoffe aus Erdöl, und reduzieren die CO2-Emissionen um bis zu 95%. Wenn Ölgesellschaften endlich ihren Widerstand gegen eine Beimischungen aufgeben würden, brauchte die Umwelt nicht bis 2030, 2050 warten.

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