Investition
15.02.2019

Shell übernimmt Speicherhersteller Sonnen

Foto: Shell
Der Mineralölkonzern Shell versucht sich mit Übernahmen fit für die Zukunft zu machen.

Shell erwirbt über seine Tochtergesellschaft New Energies die Kontrolle über den Batteriehersteller Sonnen. Damit setzt der Ölkonzern verstärkt auf Speicherlösungen und Energiedienstleistungen für Privathaushalte.

Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell hat bekanntgegeben, den Speicherhersteller Sonnen aus Wildpoldsried übernehmen zu wollen. Shell war bereits im Mai 2018 als Investor bei Sonnen eingestiegen. Nun wird der Anbieter von Stromspeichern und Energiedienstleistungen für Privathaushalte zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Shell.

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„Gemeinsam können wir nun – ganz im Sinne der Shell Strategie, unseren Kunden mehr und sauberere Energielösungen anzubieten – den Aufbau eines Energiesystems vorantreiben, in dem der Kunde im Mittelpunkt steht“, sagt Mark Gainsborough, Vizepräsident New Energies bei Shell. Shell hat im Jahr 2016 den Geschäftsbereich New Energies gegründet. Dieser konzentriert sich auf neue Kraftstoffe für den Verkehr, wie moderne Biokraftstoffe und Wasserstoff, sowie auf Strom.

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Vorreiter bei dezentralen Energiesystemen

„Dank dieser Investition können wir es nun noch mehr Haushalten ermöglichen, energieunabhängig zu werden und von völlig neuen Möglichkeiten des Energiemarktes zu profitieren“ sagt Christoph Ostermann, Geschäftsführer und Mitgründer von Sonnen. Dies werde nicht nur das Wachstum von Sonnen weiter beschleunigen, sondern auch die notwendige Transformation des Energiesystems.

Sonnen bietet Haushalten neben intelligenten Energiespeichern auch digitale Energiedienstleistungen über seine Sonnen-Community-Plattform an. Das Unternehmen aus Wildpoldsried gilt als Vorreiter für dezentrale Energiesysteme. Erst kürzlich hat Sonnen die größte virtuelle Batterie Deutschlands in Betrieb genommen. Diese besteht aus einem über das Land verteilten Netz von Heimspeichern und soll auch zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.

Ölmultis suchen neue Geschäftsfelder

Die Übernahme zielt nicht nur auf neue Energieangebote für Privathaushalte ab, sondern auch auf Ladelösungen für Elektroautos sowie auf Netzdienste, die auf dem virtuellen Batteriepool von Sonnen basieren. Der Mineralölkonzern Shell ist wie andere Ölmultis bestrebt, das Stromgeschäft zu einem neuen Geschäftsfeld auszubauen.

Klimawandel, Energiewende und Digitalisierung stellen die Geschäftsmodelle der alten Öl- und Energiekonzerne grundsätzlich in Frage. Mit Investitionen in Start-ups und mit Übernahmen versuchen sie neue Geschäftsfelder zu besetzen. Neben Batteriespeichern stehen auch Unternehmen aus dem Bereich E-Ladeinfrastruktur auf dem Einkaufszettel der Unternehmen. So investierte Shell bereits in den niederländischen Hersteller von E-Ladesystemen New Motion oder das US Start-up Ample.

Kartellamt muss noch zustimmen

Konkurrent BP übernahm im Juni 2018 beispielsweise das britische Start-up Chargemaster, dass ein Netzwerk mit mehr als 6500 E-Ladepunkten betreibt. So hoffen die Ölkonzerne, ihre vorhandene Tankstelleninfrastruktur mit modernen E-Ladesystemen auszurüsten und weiter betreiben zu können. Jüngst investierte BP Ventures in Power Share, einen Anbieter von integrierten Hard- und Softwarelösungen für das Laden von Elektrofahrzeugen in China.

Während BP offenbar vor allem auf E-Mobilität setzt, erweitert Shell sein Portfolio mit der Sonnen-Übernahme auch im Bereich Heimspeicherlösungen. Das Unternehmen aus dem bayerischen „Energiedorf“ Wildpoldsried gilt als eines der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen in Europa. Zum Kaufpreis wollte sich ein Sonnen-Sprecher auf Nachfrage von bizz energy nicht äußern. Dieser sei vertraulich. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. Die Entscheidung werde für das erste Quartal des Jahres erwartet, so der Sprecher.

Lesen Sie auch: Öl- und Energiekonzerne – die Sünder auf der Suche

Carsten Kloth
Keywords:
sonnen | Shell | Batteriespeicher
Ressorts:
Finance

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