Ökostromausbau
06.06.2013

Siemens will Kurswechsel bei der Energiewende

Foto: Siemens

Der größte Industriekonzern in Deutschland warnt vor steigenden Energiekosten durch den Ökostromausbau. Siemens-Chef Peter Löscher sieht die Gefahr einer schleichenden Abwanderung der Industrie. Er will das Erneuerbaren-Ziel kappen.

Blackouts, drastische Energiepreissprünge, Arbeitsplatzverlust. Siemens-Chef Peter Löscher warnte auf dem Jahreskongress des Zentralverbandes der Elektroindustrie (ZVEI) vor den Folgen eines unkontrollierten Ausbaus der erneuerbaren Energien. „Wir müssen den Kurs der Energiewende ändern, sonst fahren wir gegen die Wand“, sagte er. Deutschland beschreite den denkbar teuersten Weg um seine Treibhausgasemissionen zu senken.

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Er verwies dabei auf die aus seiner Sicht durch den Zubau von Sonnen- und Windenergie verursachten Probleme. Bereits heute seien Stromnetze vielerorts am Limit. Zudem würden effiziente Gaskraftwerke, wie etwa die Anlage in Irsching, zunehmend aus dem Markt gedrängt, beklagte Löscher. Die Folgen seien steigende Treibhausemissionen, weil neben den Erneuerbaren nun Kohlestrom die Versorgung sichere.

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Löscher sprach sich für eine drastische Reform der Energiepolitik aus. „Statt den Fokus auf den Ausbau der Erneuerbaren zu legen, sollen wir die Reduktion der Treibhausgase in den Mittelpunkt stellen.“ Er forderte das Ziel für den Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2030 von 50 auf 40 Prozent zu senken.

Wind und Erdgas

Bestimmte Energieträger müssten laut Löscher Vorrang haben. „Wir sollten den Fokus auf effiziente Gaskraftwerke und Windenergie an Land und auf See legen“, forderte der Siemens-Chef. Von der Solarförderung sollte sich Deutschland verabschieden. 

Statt eines Einspeisevorranges soll es laut Siemens künftig eine Einspeiseverantwortung geben. Wer etwa eine Windenergieanlage betreibe, müsse sich in Zukunft mit einem flexiblen Kraftwerk oder einem Stromspeicher vernetzen, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. 

Das Ziel müsse ein nachhaltiges Energiesystem zu erschwinglichen Preisen sein. Mit den Siemens-Vorschlägen ließen sich laut Löscher bis zu 150 Milliarden Euro sparen. Vor kurzem stellte der Konzern eine Studie in Brüssel vor, die unnötige Kosten beim Solarstromausbau in Europa auf 45 Milliarden Euro taxiert.

Der von Löscher vorgeschlagene Weg passt im übrigen exakt ins Produktportfolio des Unternehmens. Die Münchner bauen effiziente Gaskraftwerke und gehören zu den größten Anbietern von Windturbinen für On- und Offshore-Windparks. Von der Solarenergie hat sich der Konzern im vergangenen Jahr verabschiedet.

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Energiewende | Siemens | Peter Löscher | ZVEI
Ressorts:
Governance

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