Studie
11.12.2019

„Smart Cities“: wenige Vorreiter, viele Zauderer

Foto: EnergieAgentur.NRW
Die Kölner Stegerwaldsiedlung, eine Klimaschutzsiedlung NRW, gilt als Vorbild für "Smart City"-Anwendungen.

Die meisten Kommunen und Stadtwerke sind sich einig: Städte und Infrastrukturen müssen in Richtung „Smart City“ weiterentwickelt werden. Eine Umfrage zeigt jedoch, dass erst wenige Projekte gestartet sind.

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Wie „smart“ sind Deutschlands Städte und Gemeinden in Sachen Energie schon aufgestellt? Das Aachener Beratungsunternehmen BET hat Kommunen und Versorger unter die Lupe genommen. Im Rahmen der Studie „Kommunale Infrastruktur – Aufbruch in eine smarte Zukunft“, wurden unter anderem 58 Versorgungsunternehmen gefragt, wie weit sie bei ausgewählten „Smart City“-Anwendungen gekommen sind. Das Ergebnis der mit Unterstützung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) durchgeführten Untersuchung: noch nicht sehr weit. Viele stehen noch nicht einmal in den Startblöcken.

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Eine adaptive Straßenbeleuchtung etwa, die stets in der benötigten Intensität strahlt und damit Strom spart, haben erst 14 Prozent der Versorger aufgebaut oder zumindest angefangen aufzubauen – weitere acht Prozent planen den Einsatz solcher Leuchten immerhin. Jeweils noch ein Prozentpunkt weniger Aktivität misst BET beim Aufbau eines „Smart Grids“, also der „intelligenten“ Verknüpfung und Steuerung unterschiedlicher Energieerzeuger, -verbraucher und -speicher.

Das überrascht. Und zwar um so mehr, als laut Studie die meisten Kommunen und Stadtwerke sich einig sind, dass das „System Stadt“ und die kommunale Infrastruktur in Richtung „Smart City“ weiterentwickelt werden müssen. Viele der befragten Unternehmen, so die Autoren, erachteten die smarten Anwendungen zwar als wichtig für ihren Betrieb. Viele diskutierten sie auch intern. „Konkrete Projekte geplant oder sogar umgesetzt haben aber nur die wenigsten.“ 

Das machen die Vorreiter

Aber es gibt auch Vorreiter, die bereits demonstrieren, wie sich Städte und Gemeinden „smarter“ aufstellen können. Ein prominentes Beispiel: Die Anfang der 1950er Jahre erbaute Stegerwaldsiedlung im Kölner Stadtteil Mülheim, deren Wohnungsbestand über die vergangenen Jahre umfassend energetisch saniert wurde.

Gaszentral- und Gasetagenheizungen hat man zugunsten von Fernwärme und Wärmepumpen ausgemustert, die Siedlungsdächer großflächig mit Solarmodulen ausgestattet. Überschüssiger Sonnenstrom wird gespeichert und für die Wärmepumpen oder zum Laden von E-Autos genutzt, oder an die Mieter verkauft. Über Smart Meter können die sich rund um die Uhr über ihren Energieverbrauch und den aktuellen Strompreis informieren.

Vernetzung mit Algorithmus

Das „smarte“ Moment dabei ist die Vernetzung der Energieerzeugungsanlagen mit den Verbrauchern und der Ladeinfrastruktur via Algorithmus, der auch Wetter- und Verbrauchsprognosen beachtet. Nach Angaben des Versorgers Rheinenergie, der das Sanierungsprojekt zusammen mit der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft und der Stadt Köln gestemmt hat, ist die Siedlung heute energieautark.

Ein ähnliches Sanierungsprojekt findet sich im thüringischen Jena, wo im künftigen „Smarten Quartier Jena-Lobeda“ drei elfgeschossige Plattenbauten aus den 1970er Jahren saniert und mit digitalen Zusatzdiensten ausgestattet werden. Heizung, Lüftung und Licht können Mieter dann digital steuern, eine App informiert über die Abfahrtzeit der nächsten Straßenbahn, etwaige Staus und Alternativen wie Car-und Bike-Sharing. Auch Elektroautos sollen bereitstehen.

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Keywords:
Smart City | Digitalisierung | VKU
Ressorts:
Technology
 

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