Studie
11.12.2019

„Smart Cities“: wenige Vorreiter, viele Zauderer

Foto: EnergieAgentur.NRW
Die Kölner Stegerwaldsiedlung, eine Klimaschutzsiedlung NRW, gilt als Vorbild für "Smart City"-Anwendungen.

Die meisten Kommunen und Stadtwerke sind sich einig: Städte und Infrastrukturen müssen in Richtung „Smart City“ weiterentwickelt werden. Eine Umfrage zeigt jedoch, dass erst wenige Projekte gestartet sind.

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Ein weiterer Leuchtturm unter Deutschlands Städten ist das baden-württembergische Mannheim, wo im Stadtteil Käfertal ein neues Quartier für rund 9.000 Einwohner auf 1,4 Millionen Quadratmetern gebaut wird. Die ersten Bewohner sind in das „Franklin“ getaufte Quartier schon eingezogen. Nach und nach soll es zur „Smart City“ werden, die auf einem Energiekonzept namens C/sells gründet, das Wärme, Strom und Mobilität verbindet.

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Dahinter steckt ein dezentrales, intelligent gesteuertes Energieversorgungssystem, das auf kleine Einheiten (Zellen) setzt. Diese veruchen zunächst selbst, die Stromerzeugung und den Bedarf vor Ort auszugleichen. Erst wenn das nicht gelingt, tauscht eine Zelle Energie mit einer anderen aus, bis sich wieder ein Gleichgewicht einstellt. Etwaige Lücken in der Versorgungssicherheit werden durch die klassische zentrale Stromversorgung geschlossen.

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Koordiniert im Quartier

Wie viel Energie aktuell durchs Quartier fließt, zeigt eine App. „So sieht jeder Bewohner, ob er seine Waschmaschine gerade mit lokal erzeugtem Strom laufen lassen kann – oder ob er sie vielleicht besser etwas später anstellen sollte“, sagt Bernhard Schumacher vom örtlichen Energieversorger MVV Energie. Über eine weitere App können die Anwohner auf eine Elektroauto-Flotte zugreifen, auf E-Lastenräder und andere Mobilitätsangebote.

In solchen Quartierslösungen steckt nach Ansicht des VKU erhebliches Potenzial. Nicht nur auf den Weg zur „Smart City“ sondern auch bei der Energiewende im Gebäudesektor, der für über ein Drittel der CO2-Emissionen steht. Warum trotzdem noch viele Städte und Gemeinden nur zögerlich den Weg zur „Smart City“ beschreiten, liegt nach Einschätzung des VKU an einigen Hürden, die ihnen im Weg stehen.

„Wettbewerbsnachteil für Kommunale“

Eine Hürde betrifft die Nutzung der anfallenden Daten, auf deren Grundlage auch Stadtwerke oder andere kommunale Unternehmen ihre Dienste und Geschäfte entwickeln. Daten, die sie beispielsweise nutzen, um den besten Standort für E-Ladesäulen zu identifizieren oder für die optimale Linienführung im ÖPNV. Private Unternehmen hüten solche Informationen wie einen Schatz. Kommunale müssen sie künftig offenlegen. Auch Wettbewerber können sie dann abgreifen.

Michael Wübbels, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VKU, sieht darin einen „strukturellen Wettbewerbsnachteil für kommunale Unternehmen“. Wichtig seien ein konsistenter Rechtsrahmen, der gleiche Regeln für private und kommunale Unternehmen bei der Datenweitergabe schaffe, sowie vertrauenswürdige Plattformen für den Datenaustausch.

Einfach mal loslegen…

Wübbels moniert außerdem „starre Förderregularien“. Heutige Smart-City-Förderprogramme forderten umfangreiche Pläne und Meilensteine für die nächsten Jahre und ließen so kaum Raum für Experimente. „Auf dem Weg zur ‚Smart City‘ müssen kommunale Unternehmen sich aber auch mal ausprobieren, auch mal Fehler machen dürfen“, sagt Wübbels.

Einfach mal loslegen – das empfehlen auch die befragten Städte und Stadtwerke. Der Beginn des konkreten Handelns und damit der Start der Lernkurve hat sich als größte Hürde erwiesen. Rückblickend sind sie sich einig: Der wichtigste Schritt sei es, überhaupt in die smarte Zukunft zu starten.

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Thomas Wischniewski
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Keywords:
Smart City | Digitalisierung | VKU
Ressorts:
Technology
 

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