Debatte
12.11.2018

"Smart Grids werden die Energiewende retten"

Foto: iStock
Die Erweiterung der Stromnetze ist Voraussetzung für den Ausbau der Erneuerbaren. Aber reicht das?

Auf die Erweiterung der Stromnetze ruhen alle Hoffnungen, denn sie müssen den grünen Strom optimal verteilen. Das können sie nur, wenn sie „intelligent“ werden. Ein Debattenbeitrag von Lex Hartman, Tennet.

Smart Grids werden die Energiewende retten – sie sind Teil der Energiewelt von morgen. Heute machen wir es mit dem Ausbau der Netzinfrastruktur bis 2030 möglich, dass der dezentral erzeugte, grüne Strom zu den Verbrauchern transportiert werden kann. Mit fortschreitendem Ausbau des Energiewendenetzes werden auch die Notmaßnahmen, mit denen wir das Netz heute stabilisieren müssen, immer mehr der Vergangenheit angehören.

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Mit dem Netzausbau der nächsten Jahre sichern wir die Stromversorgung in der Übergangsphase von der alten zur neuen Energiewelt. Und wir schaffen die Basis, damit die erneuerbaren Energien in Zukunft überhaupt die Stromversorgung übernehmen können.

Infrastruktur für die Energiewende

Die Frage ist aber: Was braucht die Energiewelt von morgen und übermorgen außerdem? Wie gehen wir damit um, dass es immer mehr kleinere, dezentrale Erneuerbaren-Anlagen gibt, dass Verbraucher zu Prosumern werden und den Markt verändern, dass Daten die neue Energiewährung werden – mit Folgen für die Geschäftsmodelle vieler Marktteilnehmer? Hier reicht es nicht, in den Jahrzehnten nach 2030 nur auf Netzausbau zu setzen – auch wenn mehr Erneuerbare eigentlich mehr Transportbedarf und damit auch mehr Netze bedeuten. Wir brauchen eine genau passende, effiziente Infrastruktur für die Energiewende und kein eventuell überdimensioniertes Netz. Deshalb ist es wichtig, die digitale Transformation vorzubereiten und umzusetzen.

Als Netzbetreiber bringen wir deshalb technologische Alternativen voran, damit der weiter steigende Anteil von Erneuerbaren durch eine bessere Auslastung und intelligentere Steuerung der Netze integriert werden kann, und damit wir morgen und übermorgen weniger neue Netze brauchen. Die Stichworte heißen: vollständige Digitalisierung und Automatisierung der Netze.

Übergang in die neue Energiewelt

Beides sorgt dafür, dass die Transport­kapazität der bestehenden Netze wesentlich stärker genutzt werden kann. Damit ließe sich der Netzausbaubedarf nach 2030 deutlich beschränken. Und es geht noch weiter: Durch Demand Side Management und Speicher könnten Leistungsspitzen teilweise verlagert und so die Auslastung der Netze noch mehr optimiert werden. Ein weiterer Anteil des Stroms könnte über Power-to-X-Technologien verbraucht werden. Erst darüber hinausgehende Transportbedarfe würden in Zukunft neue Netze nötig machen.

Wir stehen am Übergang von der alten in die neue Energiewelt: mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Zukunft. Die Energiewende braucht den Netzausbau – aber sie braucht auch neue Technologien und die Digitalisierung, damit wir den Schritt in die Energiewelt von morgen sicher schaffen.

Lex Hartman. Foto: Tennet
Lex Hartman ist Geschäfts­führer des Übertragungs- netzbetreibers Tennet TSO in Bayreuth und Vorstandsmitglied der niederländischen Muttergesellschaft Tennet Holding. Der 62-jährige Niederländer sieht großes Potenzial für den Einsatz von E-Auto-Batterien und  Heimspeichern zur Stabilisierung der Netze. Er glaubt,  dass Stromkunden bereit sein werden,  ihre Verbrauchsdaten offenzulegen.

Lesen Sie hier den Debattenbeitrag von Tim Ulbricht, dem Geschäftsführer des Dresdner Netz-Software-Unternehmens Kiwigrid.

Lex Hartman
Keywords:
Digitalisierung | smart Grids
Ressorts:
Technology

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