Digitalisierung
01.10.2019

Smart-Meter-Rollout steht vor der Tür

Foto: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Zertifikatsübergabe an die Sagemcom Dr. Neuhaus GmbH (v.l.): Geschäftsführer André Karnatz, Leiter Produktmanagement Dirk Engel, BSI-Präsident Arne Schönbohm.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat den zweiten Smart-Meter-Gateway zertifiziert. Damit rückt der großflächige Rollout der intelligenten Messsysteme näher.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat das zweite Zertifikat für ein Smart-Meter-Gateway erteilt. Es handelt sich um ein Gerät des Unternehmens Sagemcom Dr. Neuhaus GmbH aus Hamburg. Die nächste Zertifizierung soll schon bald erfolgen. Dann kann dann der gesetzliche Rollout der intelligenten Messsysteme erfolgen.

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Bislang sind lediglich Geräte der Mannheimer Power Plus Communications AG freigegeben. Die gesetzliche Verpflichtung zum Einbau von Smart-Meter-Gateways greift, wenn drei Geräte voneinander unabhängiger Hersteller vom BSI zertifiziert wurden und die technische Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme formal festgestellt wurde. Das BSI zeigt sich zuversichtlich, dass der verpflichtende Rollout noch 2019 beginnen kann.

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Rollout lässt lange auf sich warten

„Im Zuge der Digitalisierung der Energiewende gehört das Smart-Meter-Gateway zu den Schlüsseltechnologien“, sagt BSI-Präsident Arne Schönbohm. Nur wenn Anwender in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auf den Schutz ihrer Daten vertrauen könnten, werde diese digitale Transformation gelingen. Das zweite zertifizierte Smart-Meter-Gateway belege, dass man innovative Technologien und smarte Lösungen so entwickeln könne, „dass die Informationssicherheit gewährleistet und die Privatsphäre der Verbraucherinnen und Verbraucher gewahrt bleibt.“

Bereits 2016 wurde der Smart-Meter-Rollout im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beschlossen. Die Zertifizierung der nötigen Gateways ließ aber lange auf sich warten – zu lange, klagen viele in der Branche. Die intelligenten Stromzähler sollen Verbrauchern helfen, die Energiekosten zu senken und der Energiebranche neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Vor allem sollen die Geräte helfen, die zunehmend dezentrale Stromerzeugung und den Verbrauch flexibel miteinander zu verknüpfen. Die Netzbetreiber erhoffen sich unter anderem eine Fülle von genaueren Daten für exakte Vorhersagen des Strombedarfs. Doch die Einführung der Geräte habe sich zu einem „nicht enden wollenden Hindernislauf“ entwickelt, klagt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

PV-Betreiber müssen Kosten tragen

Der Pflichteinbau ist jedoch nur für größere Verbraucher vorgesehen. Wer im Jahr mehr als 10.000 Kilowattstunden verbraucht oder eine Solaranlage mit einer Leistung von mehr als 7 Kilowatt betreibt, sollte schon ab 2017 einen Smart Meter erhalten. Bei einem Jahresverbrauch von mindestens 6000 Kilowattstunden soll der Einbau vom kommenden Jahr an beginnen. Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt liegt in der Regel unter dieser Marke. Er kann aber den Einbau eines intelligenten Zählers beantragen.

Der Smart-Meter-Rollout betrifft somit auch rund eine Millionen Betreiber von PV-Anlagen, die auch die Kosten für den Einbau der digitalen Technik tragen müssen. Wer heute bereits über einen digitalen Zähler verfügt, der an ein Kommunikationsnetz angeschlossen ist oder sich diesen rechtzeitig zulegt, wird vom Rollout für acht Jahre verschont und spart wahrscheinlich Geld. Darauf mach Fabian Zuber, Mitinitiator von Commetering, aufmerksam. Das Unternehmen will PV-Anlagenbetreibern helfen, den Smart-Meter-Rollout zu meistern.

Zuber denkt hier an sogenannte moderner Messeinrichtungen, die von intelligenten Messsystemen zu unterscheiden sind. Moderne Messeinrichtungen sind letztlich digitale Stromzähler. Erst durch die Anbindung an ein Smart-Meter-Gateway wird daraus ein intelligentes Messsystem. Durch diese Verbindung kann der digitale Zähler Messdaten und gegebenenfalls auch andere Informationen oder Steuerungsbefehle mit Dritten austauschen. Doch diese Smart Meter sind nicht nur intelligent, sie können auch zum Einfallstor für Hacker in das Stromnetz werden. Deshalb dürfen nur Geräte eingebaut werden, die strenge Prüfungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik bestanden haben.

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Carsten Kloth (mit dpa)
Keywords:
Smart Meter | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

Kommentare

Na endlich bewegt sich was. Die Verbraucher kostet es Milliarden an Umlagen für Netzstabilisierung, weil man es nicht schafft 3 Stromzähler zuzulassen die nicht zu hacken wären. Das riecht eher nach Technologieverhinderung. Denn mit solchen Geräten könnte ja ein kleiner Stromversorger auf die Idee kommen, den schwankenden Preis von der Strombörse an die Kunden weiterzugeben. So dass jeder seine Waschmaschine dann einschalten kann, wenn der Strom gerade günstig ist. Und wenn er teuer ist wird weniger gebraucht davon. So werden auch weniger Reservekraftwerke benötigt, die nicht in Betrieb sind und trotzdem bezahlt werden. Und überflüssiger Strom muss nicht mehr verschenkt werden ans Ausland sondern wird hier verbraucht von sparsamen Leuten. Jeder der ein Notebook laufen hat könnte es vom Netz nehmen wenn gerade Spitzenstromverbrauch herrscht. Das läuft solange mit Akku und hinterher kann es wieder geladen werden wenn der Strom wieder günstig ist. Das bringt mehr als alle geplanten Speicherkraftwerke zusammen. Wetten, dass es noch 20 Jahre dauert bis diese fast kostenlose Netzstabilisierung per Angebot und Nachfrage kommt. Weil die Reservekraftwerksbetreiber sonst mit Blackout und Dunkelflaute drohen um ihr Geschäftsmodell des gutbezahlten Nichtstuns zu retten.

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