Energiewende
04.01.2018

Smart Meters: Bund überprüft schleppende Digitalisierung

Foto: Heinrich Holtgreve
Digitale Stromzähler auf einer Prüfanlage: Der "Rollout" von Smart Meters ist in Verzug.

Der Einbau von Smart Meters verzögert sich immer weiter. Die Bundesregierung lässt nun regelmäßig messen, wie die Digitalisierung der Energiewende vorankommt.

Warum hakt es bei der Verbreitung von intelligenten Stromzählern immer noch? Die Bundesregierung will sich jetzt einen besseren Überblick über die schleppende digitale Vernetzung von Stromproduktion und Stromverbrauch verschaffen. Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) entwickelt für das Bundeswirtschaftsministerium ein „Barometer Digitalisierung der Energiewende“.

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EY will gemeinsam mit den Beratungsgesellschaften BET und WIK von 2018 bis 2021 jeweils im dritten Quartal einen Modernisierungs- und Fortschrittsbericht erstellen. Die Berichte sollen den jeweiligen Digitalisierungsgrad in Prozent anzeigen, Trendaussagen enthalten und veröffentlicht werden. Ein Beirat aus Vertretern von Verbänden, Unternehmen und öffentlichen Institutionen soll das gesamte Monitoring-Verfahren begleiten.

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"Prosumer" unter der Lupe

 

Laut einem EY-Konzeptpapier, das dem Magazin bizz energy vorliegt, wird der erste Barometer-Bericht vor allem auf diese vier Fragen eingehen:  1. Inwieweit werden die Vorgaben des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende umgesetzt? 2. Welche Praxiserfahrungen gibt es bereits? 3. Welche Geschäftsmodelle entstehen im Zuge der Digitalisierung? 4. Wie bekannt und wie akzeptiert ist die digitale Energietechnik bei den Verbrauchern? (Lesen Sie auch: Eon meldet hohe Akzeptanz für Smart Meters)

 

Die EY-Berater wollen verschiedene Anwendungsbeispiele untersuchen, darunter das sogenannte Prosuming, also die dezentrale Produktion und den Eigenverbrauch von Strom. Sie wollen Prosumer-Gemeinschaften unter die Lupe nehmen, die mithilfe der Blockchain-Technologie selbst produzierten Strom teilen und abrechnen. EY will außerdem den Einsatz von Wärmepumpen, Ladesäulen für Elektroautos, Stromspeichern und digitalen Gebäude- und Smart-Home-Technologien untersuchen.

 

Stromtarife je nach Wetter

 

Die Beratungsgesellschaft macht in ihrem Konzeptpapier bereits einige Trendaussagen. Vielversprechend für Verbraucher sind demnach dynamische Stromtarife, die sich nach dem schwankenden, wetterabhängigen Stromangebot aus erneuerbaren Energien richten. Solche zeitvariablen Tarife abzurechnen, wird mit dem Einbau von Smart Meters möglich. Außerdem interessant seien neue Tarife für Prosumer im Verbindung mit Elektroautos. Das gleiche gelte für quartierspezifische lokale Tarifangebote. Die Digitalisierung bringe zugleich aber erhebliche technische Anforderungen mit sich, insbesondere bei der Anbindung von Stromerzeugern, -netzen, -speichern und Smart Meters an die Telekommunikations-Infrastruktur.

 

Das Bundeswirtschaftsministerium hofft, dass das seit September 2016 geltende Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro auslöst. Im Kern geht es dabei um die Einführung standardisierter, besonders sicherer Smart Meters, der sogenannten Smart Meter Gateways.

 

Immer noch nicht zugelassen

 

Der Haken daran: Noch ist kein einziges der neun beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eingereichten Modelle lizensiert. Der Zulassungsprozess zieht sich seit vielen Monaten hin. Noch immer fehlen Standards für den Datenaustausch zwischen Smart-Meter-Lieferanten, Netzbetreibern und den sogenannten Messstellenbetreibern. Letztere sind künftig für das zentrale Auslesen der digitalen Stromzähler bei den Verbrauchern zuständig.

 

Lesen Sie auch: Konfliktmineralien in Smart Meters: Wirtschaftsministerium bereitet Gesetz vor

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Smart Meter | Digitalisierung
Ressorts:
Governance

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bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

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