Digitalisierung
07.02.2018

Smart Meters: Deutschland hinkt immer weiter hinterher

Foto: Christian Schaudwet
Smart Meter Gateway des schweizerischen Herstellers Landis + Gyr auf der Messe E-World in Essen.

Nur wenige Länder in Europa lassen sich bei der Einführung intelligenter Stromzähler so viel Zeit wie Deutschland. Das könnte sich nach Einschätzung von Branchenkennern rächen.

Die Digitalisierung beherrscht die Energiemesse E-World in Essen. So mancher in der Branche rechnet damit, dass auf der Leistungsschau die ersten Zertifizierungen für die neuste Generation von Stromzählern bekannt werden. „Alle warten darauf, dass die Bombe platzt“, sagt ein Fachbesucher. Doch die erlösende Nachricht bleibt auch auf der E-World aus. Das Warten auf die ersten Zulassungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationswirtschaft (BSI) für die Smart Meter Gateways geht weiter. In anderen europäischen Ländern ist der „Rollout“, der massenhafte Einbau solcher Systeme derweil längst im Gange.

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Deutschland läuft deshalb Gefahr, bei der Schaffung energieeffizienter, klimaschützender Smart Grids und Smart Cities zurückzufallen – dieses Risiko sieht Ralph Griewing vom schweizerischen Smart-Meter-Weltmarktführer Landis + Gyr. „Ohne Smart Meter Gateways ist nichts mit Smart City im Energiebereich“, sagt der Manager im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Griewing verantwortet bei Landis + Gyr das Geschäftsfeld Energy Solutions in Europa, dem Nahen Osten und Afrika.

Andere Länder, darunter beispielsweise Dänemark, Norwegen und die Niederlande sammelten mit Smart Metering bereits intensiv Praxiswissen bei der Digitalisierung des Energiesektors, so Griewing – etwa bei der Einbindung von Elektroauto-Ladevorgängen ins Stromnetz-Management: „Wer einen Rollout macht, gewinnt viel operative Erfahrung. Deutschland partizipiert nicht so an dieser Entwicklung wie andere Länder. Hier muss erst der Knoten platzen.“

Kleineren Herstellern droht Finanznot

Anderswo in Europa ist Landis + Gyr (Jahresumsatz 1,66 Milliarden US-Dollar) mit intelligenten Zählern und Dienstleistungen wie Netzdatenanalyse und Netzmanagement auf Smart-Meter-Basis deutlich weiter. Zu seinen Kunden zählen die Energieversorger Orsted (Dänemark), Helen und Caruna (beide Finnland), Vattenfall (Schweden) und Innogy Polen. In Deutschland aber mangelt es wegen der fehlenden Zertifikate für die Smart Meter Gateways noch an den nötigen Messinstrumenten im Netz, die Dienste wie in diesen Ländern möglich machen.

Landis + Gyr und acht weitere Unternehmen haben ihre Smart Meter Gateways beim BSI in Bonn zur Zertifizierung eingereicht. Der Prüfprozess zieht sich unerwartet lange hin. So lange, dass in der Branche schon die Sorge geäußert wird, kleinere Hersteller könnten wegen der hohen Forschungs- und Entwicklungsvorleistungen in Finanznot geraten. „Die Gateway-Hersteller planen seit fünf Jahren, aber sie haben noch nichts verkauft“, sagt ein Manager eines Energie-Beratungsunternehmens auf der E-World. „Sie müssen lange durchhalten.“

Das große Geschäftspotenzial in Deutschland war auch für zuvor branchenfremde IT-Unternehmen ein wesentlicher Anreiz, in die Entwicklung von Smart Meter Gateways einzusteigen. Deutschland ist Europas größter Markt für diese Technologie.

International sagt der Analysedienst Bloomberg New Energy Finance der Energiebranche stark wachsendes Zusatzgeschäft durch die Digitalisierung voraus. Demnach bringt die Digitalisierung und Modernisierung von Kraftwerken kurzfristig den größten Nutzen. Das stärkste Wachstum erwarten die Analysten aber im Geschäft mit der Flexibilisierung der Stromnetze und der Einbindung dezentraler Energieerzeugung.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Digitalisierung | Smart Meters
Ressorts:
Technology | Markets

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