Digitalisierung
17.01.2017

Smartes Nest-Thermostat kommt nach Deutschland

Foto: Nest

Mit den Smart-Home-Produkte des Google-Schwesterkonzerns sollen sich bis zu 30 Prozent Energiekosten sparen lassen. Aus Sicht von Verbraucherschützern ist es fraglich, ob das die Risiken beim Datenschutz aufwiegt.

Vor drei Jahren wurde Nest vom Technologiekonzern Google für 3,2 Milliarden Dollar übernommen. Jetzt bringt das Tochterunternehmen der Google-Mutter Alphabet seine Home-Automatisierungsprodukte auch in Deutschland, Österreich, Italien und Spanien in den Handel. Bis zu 30 Prozent an Heizkosten sollen seine Besitzer mit dem smarten Thermostat sparen können. Es erfasst mit Sensoren sowie der Verbindung zum Smartphone des Eigentümers und anderen Haushaltsgeräten, wie viele Personen sich wann und wo im Haus aufhalten, und passt automatisch die Temperatur an.

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Das Thermostat wird nach Angaben von Lionel Paillet, Europa-Manager von Nest, allerdings erst von Herbst an in Deutschland erhältlich sein. Zunächst können Kunden nur eine Innen- und Außenkamera (Nest Cam) als auch einen vernetzten Rauchmelder (Nest Protect) vorbestellen, die ab Februar ausgeliefert werden.

Verbraucherschützer sehen den Einsatz von smarten Thermostaten und anderen vernetzten Haushaltsgeräten wie Nest allerdings kritisch. „Man sollte sich überlegen, ob es einem dabei wirklich ums Energiesparen oder eher um den Komfort geht“, sagt Johanna Kardel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Verbraucher sollten abwägen, ob die Vorteile solcher Geräte die Sicherheitsrisiken in Bezug auf den Datenschutz aufwiegen.

 

Pessimistisches Verbraucherbild

Energie-Einsparungen von bis zu 30 Prozent gingen von einem sehr pessimistischen Verbraucherbild aus, so die Energie-Expertin: „Das wäre nur realisierbar, wenn jemand sein Thermostat nie anfassen und keinerlei Regelungen vornehmen würde.“ Zumal die Temperatureinstellungen in vielen Häusern bereits programmiert seien, und die Heizung zu bestimmten Zeiten automatisch herunterfahre.  „In solchen Fällen ist mit einem smarten Thermostat nicht viel zu holen“, sagt Kardel.

Die Datenmengen, die Nest erfassen muss, um seine Produkte automatisch zu steuern, sind gigantisch. In Zeiten, in denen Überwachungskameras von Cyberkriminellen gekapert und zu ferngesteuerten Botnets zusammengeschlossen werden, bedeutet dies ein erhöhtes Risiko für die Verbraucher.  Sicherheitsexperten appellieren deshalb an die Besitzer solcher Geräte, voreingestellte Passwörter unbedingt zu verändern und regelmäßig Sicherheits-Updates durchzuführen.

 

Server stehen in Europa und den USA

Verbraucherschützerin Kardel sieht aber auch die Unternehmen in der Pflicht, sich bei den Voreinstellungen in Bezug auf die Datenübertragung zurückzunehmen: „Bei dem ausgelieferten Gerät sollten zunächst so wenig Daten wie möglich übertragen werden. Kunden sollten jedes Mal zustimmen müssen, ob sie Daten preisgeben möchten.“ Die Frage sei auch, ob die Daten in Europa bleiben.

Von Nest erfasste Daten werden auf Servern sowohl in Irland als auch in den USA gespeichert. Das Unternehmen betont, dass es Datenschutz ernst nimmt und gesammelte Informationen nur zur Verbesserung der Kundenerfahrung nutzt. "Nest verkauft oder vermietet keine Daten, und wir haben nicht vor, das zu ändern", sagt Europa-Manager Paillet. Mit der Schwesterfirma Google würden nur dann Informationen ausgetauscht, wenn Kunden der Verknüpfung mit der Sprachsteuerung zustimmten. Die Zustimmung könne jederzeit rückgängig gemacht werden. Um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, würden die Geräte zudem ohne voreingestellte Passwörter ausgeliefert.  

Google hätte in der Kombination von Nest-Daten, seiner Suchmaschine, dem Kartendienst und anderen populären Diensten eine beispiellose Menge an persönlichen Kundeninformationen zur Verfügung. 

Jutta Maier
Keywords:
Nest | Google | Datenschutz | Smart Home | Thermostat | Verbraucherschutz
Ressorts:
Technology | Markets

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