BIZZ energy today: Herr Scheuerer, Sie haben in Bad Aibling eine Pilotanlage errichtet. Wie ist die Resonanz?

Martin Scheuerer: Die Anlage wurde bereits unter den Bedingungen der standardisierten Serienproduktion hergestellt. Wir haben Anfragen aus vielen Teile der Welt. Mit unseren Anlagen in modularer Bauweise von bis zu 20 Megawatt Leistung decken wir bisher völlig unbearbeitete Märkte in sonnenreichen Regionen ab. Wir gehen davon aus, dass Mitte 2013 die ersten kommerziellen Kraftwerke in Italien und Griechenland zur Erzeugung von Strom ausgeliefert werden und sofort schwarze Zahlen schreiben. Mittelfristig wollen wir jedes Jahr Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 100 Megawatt bauen.

BIZZ e.t.: Mit welchen Partnern arbeiten Sie für die Produktion ihrer Module zusammen? 

Scheuerer: Die Stahlstrukturen kommen von Hörmann Automotive, eine Tochter der Hörmann Gruppe. Die Parabolspiegel für die Anlage hat der Autozulieferer Flabeg hergestellt. Auch Wacker Chemie ist beteiligt und liefert den Wärmeträger. In Zukunft wollen wir aber verstärkt auf local content setzen. Stahlkonstruktionen und Betonbauten sollen dann auch vor Ort gefertigt werden. Mit dem Ziel, lokale Ressourcen zu nutzen und aufzuwerten, glauben wir einen weiteren Wettbewerbsvorteil in diesen Ländern zu haben.

BIZZ e.t.: Die Spezialität ihrer Module sind mittelgroße CSP-Kraftwerke. Wer sind die potenziellen Betreiber? 

Scheuerer: Die Anlagen sind vor allem für die autarke Energieversorgung von Industriebetrieben geeignet. Sie können neben der Stromerzeugung etwa zur Kühlung oder zur Meerwasserentsalzung eingesetzt werden. Ein Solarkraftwerk mit einer thermischen Leistung von 250 Kilowatt kann beispielsweise die benötigte Prozesswärme für das Bleichen, Färben und Bügeln in einer Textilfabrik in Afrika komplett liefern.

BIZZ e.t.: Und wieviel müssen Unternehmen investieren?

Scheuerer: Eine Einheit kostet circa 250.000 Euro und kann bis zu 50.000 Liter Kraftstoff pro Jahr einsparen. Dabei liegt unser Fokus ganz klar auf kleinen und mittleren Anwendungsbereichen von einem bis 20 Megawatt. Hier haben wir durch seriengefertige Bauteile die Investitionskosten deutlich reduzieren können. Die CSP-Technologie konkurriert so erstmals bei den Stromgestehungskosten mit Diesel, Kohle und Photovoltaik. Mit einem CSP-Kraftwerk ist zudem im Vergleich zur Stromproduktion mit Photovoltaikanlagen eine durchgängige Versorgung sichergestellt: Solarthermieanlagen können die Energie speichern und so auch nachts oder bei Regen Strom erzeugen.

 
Die beiden Geschäftsführer von Protarget, Martin Scheuerer (links) und John Mitchell. (Protarget)