EEG-Marktprämie
12.10.2018

Solaranlage erstmals ohne Förderung

Foto: BEE
Das Solarkraftwerk Wittstock im Nordwesten von Brandenburg kam im August ohne Marktprämie aus.
Update

Im August musste für eine Photovoltaik-Anlage keine EEG-Vergütung gezahlt werden – der Marktwert lag über dem Ausschreibungswert. Dies könnte künftig häufiger vorkommen. Die EEG-Umlage sinkt derweil.

Für den Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) ist es eine historische Trendwende in der Geschichte des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG): Erstmals betrug die Marktprämie null Cent. Ein Solarkraftwerk in Wittstock hatte bei einer Ausschreibung einen Zuschlag in Höhe von 5,42 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Der Marktwert für Strom aus Photovoltaik-Anlagen betrug im Monat August 5,595 Cent pro Kilowattstunde. Auf die Anlage entfiel damit kein Geld aus dem EEG-Konto.

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Der BEE erwartet, dass dies bei Photovoltaik- und künftig auch für Windenergieanlagen immer öfter der Fall sein wird. Höhere Markt- und CO2-Preise würden die Vermarktung erneuerbarer Energien erleichtern: „Die Integration erneuerbarer Energie in den Markt funktioniert. Das EEG trägt in seiner Funktionsweise dazu bei“, sagt BEE-Geschäftsführer Peter Röttgen. Der Verband hatte zudem eine sinkende EEG-Umlage für 2019 prognostizieret und lag damit richtig: Die Bundesnetzagentur gab bekannt, dass die Umlage zur Deckung der Kosten des nach dem EEG vergüteten Stroms im kommenden Jahr 6,405 Cent pro Kilowattstunde betragen wird. Sie sinkt damit um knapp sechs Prozent.

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Gleitende Marktprämie

Nach dem Gesetz erhalten Betreiber größerer Anlagen eine gleitende Marktprämie. Diese wird nur bezahlt, wenn der Marktwert des EEG-Stroms den in einer Ausschreibung ermittelten Wert unterschreitet. In den vergangenen Jahren sind einerseits die Gestehungskosten der Erneuerbaren Energie deutlich gesunken. Zugleich konnten diese zu höheren Preisen vermarktet werden.

Die gleitende Marktprämie gleicht die Differenz zwischen dem an der Strom-Börse erzielbaren Preis für die Direktvermarktung von Erneuerbaren Energien (Marktwert) und dem Gebotswert in der Ausschreibung aus. Je höher der Vermarktungswert im Stromhandel der Börse ist, desto geringer fällt die Marktprämie der Anlage aus. Ist der erzielte Börsenwert hoch genug, muss keine gezahlt werden.

Nur der Auftakt

Zukünftig werden immer mehr Anlagen ohne Förderung auskommen, glaubt der BEE. Neben steigenden CO2-Preisen und sinkende Kosten bei Photovoltaik und Windenergie würden steigende Strompreise, Atomausstieg, Kohleausstieg und höhere Brennstoffpreise diesen Trend beflügeln. Ein Restrisiko bleibe jedoch bestehen, sagt Marco Nicolosi vom Beratungsunternehmen Connect Energy Economics. Ein Konjunktureinbruch könne die Stromnachfrage aus der Industrie und somit die Preise senken. Dieser sei jedoch bislang nicht in Sicht.

Die PV-Anlage aus Wittstock wird von Next Kraftwerk vermarktet. Mit 6400 Erneuerbare-Energien-Anlagen im Pool ist das Kölner Unternehmen einer der größten Direktvermarkter.  Next-Kraftwerk-Sprecherin Lotte Lehmbruck betont die problemlose Systemintegration der Anlagen: „Die Prognose zur Einspeisung erneuerbarer Energien ist viel besser geworden. Der Markt kann damit umgehen, dass immer mehr erneuerbare Energien eingespeist werden.“

Sinkende Umlage

Erneuerbare müssten auch wirtschaftlich in den Markt eingebunden werden, meint Röttgen. Deshalb sei die Ausschreibungsanlage ohne Marktprämie ein besonderes Ereignis, da es zeigen würde, wie wirtschaftlich die Erneuerbaren Energien heute seien. Das EEG mit Marktprämie und Auktionen sei anders als das, was man früher mit dem Gesetz verbunden habe: Es gehe nicht länger nur um Subventionen – die Stützung würde immer weniger in Anspruch genommen. Die EEG-Mechanismen seien aber notwendig, um Innovationen voranzubringen und Risiken abzusichern.

Für 2019 hatte der Verband eine EEG-Umlage in Höhe von 6,51 Cent pro Kilowattstunde prognostiert. Die Bundesnetzagentur gab nun 6,405 Cent pro Kilowattstunde bekannt. In diesem Jahr liegt die sie bei bei 6,792 Cent. Die EEG-Umlage ist ein Bestandteil des Strompreises und wird jährlich Mitte Oktober für das folgende Kalenderjahr von den Übertragungsnetzbetreibern auf Basis von gutachterlichen Prognosen festgelegt.

Die in den letzten Jahren umgesetzten Reformen haben die Kostenentwicklung des EEG stark gedämpft, schreibt die Bundesnetzagentur. Mit der Umstellung auf Wettbewerb und Ausschreibungen seien die Förderkosten für neue erneuerbare Energie-Anlagen im Jahr 2019 günstig geworden. Dies trage zum Rückgang der Umlage 2019 bei, der maßgeblich auf die deutlich gestiegenen Börsenstrompreise zurückzuführen sei. Auch das EEG-Ausgleichskonto ist gut gefüllt. Für das Jahr 2019 rechnen die Übertragungsnetzbetreiber mit einem weiteren Zubau von Erneuerbaren­-Anlagen in Höhe von knapp sechs Gigawatt.

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Carsten Kloth
Keywords:
Photovoltaik | Erneuerbare-Energien-Gesetz
Ressorts:
Markets

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