Im Zuge der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes warnt die Solarbranche vor dem vorzeitigen Aus für Solaranlagen, die nach 20 Jahren aus der Ökostrom-Förderung fallen. Bis 2030 könnten einer Kurzstudie im Auftrag des Branchenverbands BSW zufolge bis zu 446.000 noch funktionsfähige sogenannte Ü20-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.370 Megawatt in Deutschland stillgelegt werden. Die Studie liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Damit stünde in den nächsten zehn Jahren etwa jede fünfte der derzeit rund 2 Millionen installierten Photovoltaik-Anlagen vor der Abschaltung. Weil es in der Mehrzahl Anlagen kleinerer Leistung betrifft, gingen nur etwa 7 Prozent der aktuellen Solarstromkapazität verloren.

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für das so genannte EEG 2021 von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schon verabschiedet, derzeit sucht der Bundestag nach Kompromissen. Ziel ist, den Ökostrom-Ausbau zu beschleunigen. Es gibt aber sehr viel Kritik von Energie- und Umweltverbänden und auch innerhalb der schwarz-roten Koalition. Ein Thema ist, wie mit Solaranlagen und Windrädern umgegangen wird, die nach 20 Jahren nicht weiter über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werden.

"Die Mehrzahl der Betreiber werden ihre Solaranlagen abschalten, sobald sie nach 20 Jahren aus der Förderung fallen, da sich ihr Weiterbetrieb dann nicht mehr rechnet", sagte Studienleiter Martin Ammon vom Beratungsunternehmen EUPD Research. Der Grund dafür seien geplante neue Auflagen zum Einbau teurer Messtechnik, sogenannter Smart Meter, sowie die Belastung selbst verbrauchten Solarstroms mit der Ökostrom-Umlage. "Technisch wäre der Weiterbetrieb dieser in den Nullerjahren errichteten Solarstromanlagen mindestens für weitere zehn Jahre hingegen möglich und klimapolitisch sinnvoll", sagte er.

Die Branche fordert, auf die von Altmaier geplante Ausweitung der Smart-Meter-Pflicht zu verzichten - sie sei "unverhältnismäßig und ohne Mehrwert für die Netzstabilität". Diese intelligenten Stromzähler sollen vorgeschrieben werden, sofern der Solarstromerzeuger künftig einen Teil des Stroms selbst verbrauchen wollen. Die EEG-Umlage auch auf vor Ort selbst verbrauchten Solarstrom zu erheben, verstößt aus Sicht der Branche zudem gegen EU-Recht.

"Der Bundestag muss jetzt einen barrierefreien Weiterbetrieb ausgeförderter Solaranlagen sicherstellen und den Gesetzesentwurf entsprechend überarbeiten", forderte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

dpa

Solaranlage auf Gewerbe-Immobilie
Auch dieses Potential lässt der Entwurf des EEG 2021 bislang ungenutzt: Solaranlagen auf Dächern von Gewerbeimmobilien.  (Copyright: Albrecht Fietz/Pixabay)