Photovoltaik
03.05.2019

Solarbranche fordert CO2-Preis

Foto: Solar Promotion GmbH
Auch 2018 fand die Messe The smarter E Europe in München statt.

Eine Renaissance der Photovoltaik prognostizieren Branchenvertreter vor der Mitte Mai in München beginnenden Messe „The Smarter E“. In Deutschland stünden aber noch Hindernisse im Weg.

Walburga Hemetsberger, seit Februar 2019 Chefin des europäischen Branchenverbundes Solar Power Europe, prägt am Donnerstagabend das Bild von einer „Renaissance der Photovoltaik“. Und sie kann auf der Podiumsveranstaltung im Berliner Ahoj-Club, auf der auch die aktuelle Diskussion über die marktgerechte Bepreisung des Treibhausgases CO2 aufgegriffen wurde, mit beeindruckenden Zahlen aufwarten: So legte die installierte Photovoltaik in den 28 EU-Ländern von 5,9 Gigawatt (2017) auf 8 Gigawatt im Jahr 2018 zu.

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Der Verband habe, so Hemetsberger, seine früheren Wachstumsprognosen jetzt nach oben korrigiert. Statt mit einem Zubau von 13 Gigawatt in diesem Jahr rechne man nun in der EU mit einem Plus von 17 Gigawatt – sowie von 20 Gigawatt 2020.

Den Hauptgrund für den Boom sieht Hemetsberger in der „stark nach unten gegangenen Kostenkurve.“ Zudem interessierten sich immer mehr Unternehmen dafür, Solarstrom direkt zu kaufen. Sie prognostiziert daher, dass der Anteil der Photovoltaik am europäischen Strommix von derzeit vier auf 20 Prozent 2030 steigen werde. Schon bei nur 10 Prozent würden europaweit rund 300.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Integration in ein erneuerbares Gesamtsystem

Zuvor hatte schon Markus Elsässer, Geschäftsführer des Smarter-E-Messeveranstalters Solar Promotion, einen wachsenden Trend zu „subventionsfreien Photovoltaik-Großkraftwerken ausgemacht. Diese Anlagen würden in den nächsten 10 bis 20 Jahren einen Anteil am Solar-Markt von 25 bis 50 Prozent erreichen und von Südeuropa aus auch in den Norden des Kontinents wandern.

Für Elsässer geht es künftig nicht mehr nur um die erneuerbare Erzeugung von Strom und Wärme, sondern um deren Integration in ein erneuerbares Gesamtsystem, das rund um die Uhr verlässlich sei. Technisch seien die Unternehmen dabei „viel weiter als die politischen Randbedingungen.“

Ausbautempo in Deutschland verdreifachen

Für die Branche komme es nicht mehr darauf an, nur Kilowattstunden zu erzeugen, sagt dazu Carsten Körnig. Diese müssten auch „bedarfsgerecht“ bereitgestellt werden. Mit fünf Cent pro Kilowattstunde sei Solarstrom nunmehr günstiger als der aus neuen Gas-, Kohle- oder Windkraftwerken. „Gegenüber früher ist Solar nicht mehr der Kostentreiber“, so der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar).

Solarbranche diskutiert
Von links: Robert Busch (BNE), Carsten Körnig (BSW Solar) und Walburga Hemetsberger
(Solar Power Europe). Foto: Solar Promotion GmbH
Körnig setzt sich dafür ein, das Ausbautempo in Deutschland bei Photovoltaik mindestens zu verdreifachen – von 3 Gigawatt im Jahr 2018 auf künftig etwa 10 Gigawatt jährlich. Eine Hälfte davon werde auf Dächern und die andere als Solarpark installiert werden.
„Beim Ausbautempo müssen wir eine deutlich andere Dimension erreichen, auch weil der Strombedarf tendenziell nicht sinken, sondern steigen wird“, sagt der Verbandsgeschäftsführer weiter. Daher müsse der gesetzliche „Ausbaudeckel“ von 52 Gigawatt, ab dem Photovoltaik nicht mehr übers EEG gefördert werden soll, wegfallen. Die Technologie könne derzeit nicht zeigen, was sie kann.

Hinsichtlich der Netzintegration des Ökostroms sei die Kombination von Dach-Photovoltaik, E-Mobilität und Batteriespeichern eine Art „Dreamteam“, so Körnig. Würde man einen Großteil der Ein- und Zweifamilienhäuser des Landes mit E-Ladepunkten ausstatten und zudem erlauben, dass die jeweiligen Hausspeicher nicht nur den Solarstrom vom Dach, sondern auch Netzstrom aufnehmen dürfen, dann wäre der heute noch nötige Netzausbau weitgehend hinfällig. Gegenwärtig blieben aber noch rund 80 Prozent der für Photovoltaik geeigneten Dachflächen ungenutzt.

"Sog aus dem Markt" durch CO2-Preis

Auf die politischen Randbedingungen geht auch Robert Busch ein. Der Geschäftsführer des Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) betont, dass in Deutschland die installierte Leistung für erneuerbaren Strom genauso groß sei, wie die für konventionellen. Aus letzteren Kraftwerken kämen aber immer noch 60 Prozent des Stroms.

Um das zu ändern, müssten die Preisregeln geändert werden. Um beispielsweise den Wärmemarkt zu dekarbonisieren und den Solarstrom zum Heizen zu bringen, solle man den Ökostrom von den Dingen befreien, die ihn belasteten. Sonst „verrecke die Energiewende jeden Tag tausende Mal, wenn der Kunde in den Keller geht und der Installateur ihm sage, Strom sei das Teuerste, was es gibt“, sagt Busch.

„Aus dem Markt heraus muss ein Sog für die Erneuerbaren entstehen“, verlangt der BNE-Geschäftsführer und plädiert für einen CO2-Preis. Hier macht er derzeit parteiübergreifend Bewegung aus. Und auch Körnig vom BSW Solar hält einen CO2-Preis für wichtig. Dieser müsse aber aufkommensneutral und sozial abgefedert sein und die unterschiedlichen Bedürfnisse im Strom- und im Wärmesektor berücksichtigen.

Lesen Sie auch: Klimaökonom Edenhofer sieht Bewegung beim CO2-Preis

 

Jörg Staude
Keywords:
Photovoltaik | Solarbranche
Ressorts:
Governance | Markets

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