Photovoltaik
12.03.2019

Solarspeicher boomen – Verbraucherschützer bremsen

Foto: BSW
Solarstromspeicher auf Blei-Basis sind günstiger als solche auf Lithium-Ionen Basis. Letztere können aber häufiger ge- und entladen werden.

Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet ein starkes Wachstum bei Solarstromspeichern. Deren Preise seien in den letzten Jahren stark gesunken. Für die Verbraucherzentrale NRW sind sie dennoch Renditekiller.

Die Nachfrage nach Solarstromspeichern wird in Deutschland nach Einschätzung des Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) in den nächsten Jahren weiter kräftig wachsen. Bei neuen Solarstromanlagen gehöre die Kombination mit Batteriespeichern inzwischen zum Standard, um selbst erzeugte Solarenergie rund um die Uhr nutzen zu können. Die Technologie stehe auf der Schwelle zum Massenmarkt, schreiben die Interessensvertreter. 

Anzeige

Anzeige

BSW-Erhebungen zufolge sind die Preise für Solarstromspeicher in den letzten fünf Jahren um rund 60 Prozent gesunken. Inzwischen seien rund 120.000 Solarstromspeicher in Deutschland in Betrieb, 2018 kamen nach einer ersten Einschätzung des Verbandes 35.000 bis 40.000 neue Speicher hinzu. Auch für die nächsten Jahre erwarten die Lobbyisten ein gutes Geschäft ihrer Branche: Durch die Einführung der Elektromobilität, durch Digitalisierung und die Nachrüstung der rund 1,5 Millionen bereits installierten Solarstromanlagen, wenn diese nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen, würde der Bedarf an Heim- und Gewerbespeichern weiter wachsen.

Bedürfnis nach Vorratshaltung

„Das Bedürfnis, sich Vorräte anzulegen ist tief im Menschen verwurzelt“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Der Einsatz von Speichern sei energiewirtschaftlich sinnvoll, um das schwankende Angebot von Solar- und Windenergie an die Stromnachfrage anzupassen und den Netzausbaubedarf zu reduzieren. Speicher würden es ermöglichen, den erzeugten Solarstrom vor Ort effizienter zu nutzen, Lastspitzen zu verschieben, Stromnetze zu entlasten und die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität auszubauen. 

Und die Zunahme an erneuerbaren Energien scheint den Verband auf den ersten Blick recht zu geben: Dem Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) zufolge, erreichte die Stromproduktion aus Wind- und Solaranlagen in Deutschland im Februar 2019 erneut ein Rekordniveau. Photovoltaik-Anlagen speisten rund 2,2 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom ein, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Angesichts des wachsenden Angebotes an erneuerbaren Energien wirkt der Einsatz von Speichern zwangsläufig.

Batteriespeicher senken Rendite

Doch die Verbraucherzentrale Nordrheinwestfalen bremst: Batteriespeicher senken für Eigenheimbesitzer die Rendite ihrer Photovoltaikanlage. Dies habe eine von ihr beauftragte Kurzstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin ergeben. Demnach führen neben intelligenten Messsystemen (Smart Meter) auch Batteriespeicher zu wirtschaftlichen Nachteilen. Eigenheimbesitzer sollten stattdessen ihr Dach voll ausnutzen und möglichst viele Solarmodule verwenden.

„Batteriespeicher sind wichtig für die Energiewende, und wer sie kauft, geht mit gutem Beispiel voran“, sagt Thomas Wennmacher, Experte für Finanzierungsmodelle in der Energiewende bei der Verbraucherzentrale NRW. „Ein realistischer Blick vor allem auf die Lebensdauer der Batterien zeigt aber, dass sie finanziell noch Minusbringer sind.“ Während der 20 Vergütungsjahre der PV-Anlage sei nach 10 bis 15 Jahren wahrscheinlich ein Austausch des Speichers nötig – die Gesamtinvestition werde also höher als der einmalige Kaufpreis. Diese Kosten mache der mithilfe des Speichers erhöhte Eigenverbrauch in aller Regel nicht wett.

Lesen Sie auch: Forscher speichern mit Eierschalen Energie

Carsten Kloth
Keywords:
Speicher | Photovoltaik
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen