Photovoltaik
24.01.2018

Trumps Strafzölle auf Solaranlagen: „Fehlgeleitete Entscheidung“

Foto: istockphoto/FiledIMAGE
Mit den Strafzöllen auf Solarmodule und -zellen will der US-Präsident vor allem China in Schach halten.

Mit den Strafzöllen auf Solarmodule will Donald Trump vor allem China treffen. Kritiker prognostizieren steigende Preise für Solaranlagen und den Verlust von US-Arbeitsplätzen.

Am Mittwochabend wird US-Präsident Donald Trump die Air Force One besteigen, um sich auf den Weg nach Davos zu machen. Und zuvor hat er schon einmal dafür gesorgt, dass er mit einem Knall im Mekka der Globalisten und Freihändler eintreffen wird. Am Dienstag unterzeichnete er die Einführung von Strafzöllen auf Solarmodule und -zellen aus aller Welt. Ziel ist allerdings in erster Linie China, ein Land, mit dem Trump seit langem auf Kriegsfuß steht. China ist der mit Abstand weltgrößte Lieferant. Die ersten 2,5 Gigawatt in die USA importierter Ware pro Jahr sind vom Strafzoll ausgenommen. Im ersten Jahr werden 30 Prozent Zuschlag fällig, bis zum vierten Jahr sinkt er dann auf 15 Prozent.

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Die Maßnahme wird in den USA und weltweit mit gemischten Gefühlen aufgenommen, besonders scharf reagierte erwartungsgemäß China. Am Donnerstag wird Trump in Davos seine Position verteidigen müssen und die Reaktionen der Weltwirtschaftsführer aus erster Hand erleben. In den USA warnt der Branchenverband SEIA (Solar Energy Industries Association) jetzt vor dem möglichen Verlust von rund 23.000 heimischen Arbeitsplätzen und wegbleibenden Aufträgen. Für amerikanische Bürger, Kommunen und Unternehmen würde der Kauf einer Solaranlage spürbar teurer.

 

Die wenigsten Unternehmen produzieren Panels

 

Der Verband weist darauf hin, dass 2016 nur 2.000 von 38.000 Beschäftigen der Branche in der eigentlichen Produktion von Solarpanels und -zellen beschäftigt waren. Der Rest installiert oder wartet Anlagen, entwickelt Zusatzsysteme und Software, um Solaranlagen effizienter zu machen oder zu verwalten. Mit seinem Strafzoll bremse Trump eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige aus.

 

Der Hintergrund der Maßnahme könnte in mehrfacher Weise politisch motiviert sein. Zum einen macht Trump keinen Hehl aus seinen Förderplänen für die heimische Gas- und Ölindustrie und zum anderen will er in Davos klarmachen, dass die USA „offen für Geschäfte seien“, so sein oberster Wirtschaftsberater Gary Cohn am Dienstag. Er wolle dafür werben, in den USA zu investieren und amerikanische Arbeiter anzustellen, natürlich auch in der Solar-Fertigung, die man ja in die USA verlagern könnte.

 

„Fehlgeleitete Entscheidung“

 

Doch lokale Solar-Manager sehen das auch anders. Tony Clifford von Standard Solar kann es „einfach nicht fassen“, dass der Präsident diese Wachstumsbranche ausbremse und schlicht nicht sehe, dass die „fehlgeleitete Entscheidung nur bankrotten Auslandsunternehmen eine Hilfe durch die US-Steuerzahler“ gebe. Die beiden klagenden Unternehmen, die hinter der Entscheidung stehen, sind nämlich das Unternehmen Suniva mit chinesischen Wurzeln und Solarworld Americas, eine Tochter der insolventen deutschen Solarworld. Das US-Werk soll verkauft werden.

 

Potenzielle Käufer haben sich angeblich mit Angeboten aber bis nach der Trump-Entscheidung zurückgehalten. Solarworld-Chef Jürgen Stein zeigte sich in einem Statement erfreut über die Import-Zölle, man prüfe noch, ob sie ausreichten, die Importschwemme einzudämmen und die US-Produktion wiederzubeleben.

 

Größter Profiteur: First Solar

 

Größter Profiteur in den USA dürften First Solar sein, deren Aktienkurs deutlich zulegen konnte. Obwohl First Solar ebenfalls einen Teil seiner Module im Ausland fertigen lässt, sind sie wohl nicht betroffen: Sie nutzen eine Technologie, die von der Abgabe ausgenommen ist. In geringerem Maße könnte auch Tesla profitieren. Tesla hat nach der Übernahme von Solar City jüngst die Fertigung von Solar-Dachziegeln in den USA aufgenommen.

 

Suniva und Solarworld hatten die Strafmaßnahmen ausgelöst, indem sie sich hilfesuchend an die US-Regierung wandten. Eine darauffolgende Untersuchung der International Trade Commission kam zu der Auffassung, dass China systematisch die USA mit staatlich subventionierten Billigangeboten überflutet habe und nun Weltmarktführer in der Produktion von Solarmodulen und -zellen sei. Das gab dem Präsidenten die Möglichkeit, ein Handelsgesetz von 1974 anzuwenden und die Beschränkungen zu verhängen.

 

Der Empfang für Präsident Trump könnte am Donnerstag ziemlich eisig ausfallen, wenn er als erster amtierender US-Präsident seit Bill Clinton im Jahr 2000 in Davos zum Wirtschaftsgipfel eintreffen wird. Und das nicht nur wegen der Massen an Neuschnee, die in den vergangenen 48 Stunden in dem Schweizer Nobel-Ort gefallen sind.

 

Lesen Sie auch: Trump könnte Solar-Handelskrieg auslösen

Axel Postinett, San Francisco
Keywords:
Solarmodule | Solarzellen | Strafzölle | USA | Donald Trump | China
Ressorts:
Governance | Markets

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