Digitalisierung
19.08.2016

Solarstrom 1.000 Kilometer weit verkaufen

Foto: Wikimedia / Greg O'Beirne / CC BY-SA 3.0
Im australischen Hafenstädtchen Busselton startet der Verkauf von Solarstrom per Blockchain.

Per Blockchain können private Haushalte selbst erzeugten Strom untereinander handeln. Ein australisches Start-up beginnt nun das weltweit wohl ehrgeizigste Projekt rund um die Hype-Technologie.

 

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Die australische Firma Power Ledger hat vor, den Verkauf von Solarstrom per Blockchain rund um die 1,8-Millionen-Metropole Perth im Bundesstaat Western Australia zu ermöglichen. Ziel sei es, alle Kunden des Netzanbieters Western Power Network einzubinden, erklärte das Start-up jüngst auf seiner Website. Das Netzgebiet des Versorgers ist fast so groß wie Deutschland, die beiden Städte Kalbarri im Norden und Albany im Süden liegen etwa 1.000 Kilometer weit voneinander entfernt. Die Länge des Stromnetzes entspricht wegen der dünnen Besiedlung ungefähr derjenigen Bayerns.

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Damit hat sich das Start-up Power Ledger ein sehr ehrgeiziges Ziel gesteckt. Einen ersten erfolgreichen Versuch zum Stromhandel per Blockchain gab es erst im Februar in New York. Im Stadtteil Brooklyn verkauften sich zehn Haushalte untereinander selbst erzeugten Solarstrom über eine Software des Unternehmens Transactive Grid. Blockchain ist ein digitales Protokoll, das wegen der geringen Kosten auch den Verkauf kleinster Mengen von Handelsgütern ermöglicht. Das Weltwirtschaftsforum wählte Blockchain vor Kurzem in die Liste der zehn wichtigsten neuen Technologien 2016. Im Energiesektor gilt die Blockchain als Schlüsseltechnologie für dezentrale Marktplätze, auf denen Haushalte mit eigener Solaranlage oder Bürgerwindparks ihren Strom an andere Haushalte verkaufen und damit große Energieversorger umgehen.

 

Blockchain für Wind- und Solarparks

Power Ledger startet in Australien allerdings zunächst in einer ähnlich kleinen Dimension wie in New York. Bis Ende August soll ein Versuch in einer Wohnsiedlung in dem Hafenstädtchen Busselton 200 Kilometer südlich von Perth beginnen. Dazu kooperiert das Start-up mit dem Immobilienunternehmen National Lifestyle Villages, das Wohnsiedlungen für Senioren errichtet. Ein zweites Pilotprojekt soll in der ersten Hälfte kommenden Jahres in Perth folgen. Nach einem Bericht der Zeitung Financial Review sollen dabei 80 Haushalte eingebunden werden, darunter auch einige mit Batteriespeichern für Solarstrom. Ebenfalls beteiligt ist Synergy, der größte Stromanbieter in Western Australia.

Bei einem weiteren Projekt will Power Ledger auch den Verkauf von Strom aus größeren Anlagen ermöglichen, also Windparks und Solaranlagen auf Freiflächen. Dazu ist das Start-up dem Zeitungsbericht zufolge in Gesprächen mit einem Netzbetreiber im südöstlichen Bundesstaat Victoria rund um die Metropole Melbourne.

Der private Verkauf von Solarstrom ist in Australien attraktiv, weil Haushalte nur eine Einspeisevergütung von 4 Euro-Cent pro Kilowattstunde erhalten. Normale Versorger verlangen dagegen etwa 17 Cent. Wegen der stark gestiegenen Preise hat bereits jeder fünfte Haushalt rund um Perth eine eigene Photovoltaik-Anlage, zitiert der öffentlich-rechtliche Nachrichtensender ABC News den Wissenschaftler Peter Newman von der Curtin University. 

Manuel Berkel
Keywords:
Blockchain | Stromhandel | Australien
Ressorts:

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